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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-01 · Heft 5 (1.2.1840) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 5 (1.2.1840)
Date
1840-02-01
Page
Seite 71 (sequence 11)
Language
German
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71 tut, Religionsphilosophle oder Pädagogik betreffen, gedeckt, auch Preisaufgaben gestellt, und jungen jüd. Gelehrten die Mittel zu wissenschaftlichen Reisen nach Bibliotheken rc. gegeben werden. Ein solcher Verein macht die Unterstützung zum wohlverdienten Lohne strebsamer Thätigkeit, emancipirt die jüdische Literatur vom allgemeinen jüd. Publicum, ruft nützliche wissenschaftliche Arbeiten hervor, und giebt nebenbei die Gewißheit, daß das Geld auf die wesentlichste Weise verwendet wird. Ja noch mehr, das Publikum selbst kann dadurch folgende Befriedigung erhalten. Jeder, wer einen bestimmten jährlichen Beitrag von festgesetzter Höhe zahlt, erhält ein Exemplar jedes Werkes, das der Verein drucken läßt. Die übrigen Exemplare werden durch eine reelle mit dem Zweck befreundete Commissionsbuchhandlung in das Publikum gebracht, und der Nutzen, so groß oder klein, fällt dem Vereine zu. Dies die Idee, die wir in Vorschlag bringen, und dem Nachdenken der Leser überantworten. — Nun wird man aber ähnliche Fragen, wie wir oben an den Telegraphen, an uns selbst urgiren. Wo soll der Verein seinen Sitz haben? Der Verein nimmt, was die materiellen Geschäfte betrifft, eine der großen Gemeinden Deutschlands, etwa Hamburg zum Hauptsitze, woselbst sich das eigentliche Count« constituirt. In den Hauptörtern der Gegenden, die sich insonders dafür interessiren, werden wohlwollende Agenten mit der Beförderung des Vereins, der Einkassirung der Gelder rc. delegirt, z. B. in Breslau und Glogau für Schlesien, in Posen, Liffa und Königsberg für Preußen und Posen, in Dresden für Sachsen, in Stuttgart für Würtemberg rc. Daß das Comit« und seine Agenten nach bestimmten Gesetzen verfährt, versteht sich von selbst. Wer aber soll in literarischer Hinsicht Richter sein? Der Verein wählt drei oder vier der bedeutendsten jüd. Gelehrten, immer für ein Biennium aus, denen die Manuskripte zur Begutachtung, ohne Nennung der Autoren, vorgelegt werden. Und zwar, jeder Agent läßt seine Contribuenten durch Stimmzettel drei Schiedsrichter wählen, und giebt dem Comitt die erwählten an; nach der Stimmenmehrheit der Agenten werden dann die erwählten festgestellt. Alle Biennia werden neue Schiedsrichter erwählt, so daß jedoch die alten wieder erwählt werden können. Im Mgemeinen wird daran festgehalten, alle Gebiete gleichmäßig zu berücksichtigen, damit sich dadurch zugleich immer andere Gelehrten der Unterstützung zu erfreuen haben mögen. Dieß die vorläufige Idee, welche wir den freundlichen Lesern vorlegen. Wir erwarten von unfern Freunden, daß sie ihre Ansichten darüber uns mittheilen. Sollte sie Anklang finden, so werden wir ein Weiteres darüber heranbringen. Ein Wort über die Oekonomie der nngarischen und mährischen Indengemeinden. (Eingesandt.) Wenn in diesen Blättern") die Vertheilung meh« rer homogener, kirchlicher Funktionen an verschiedene Individuen als unökonomisch dargestellt wurde, wenn namentlich die Trennung des Rabbinen- und Predi» geramtes auch von der administrativen Seite getadelt wurde, so hat der Verfasser gewiß nur einen Theil der deutschen Gemeinden im Auge, und er wird für seine Vorschläge gewiß keine Allgemeingültigkeit in Anspruch nehmen. In Ungarn und Mähren, auf deren Judengemeinden allein ich hier nur Rücksicht nehme, ist, besonders bei der jüngern Generation, das Verlangen nach deutschen Predigten allgemein verbreitet, die jüngeren Kaufleute versäumen auch, wenn sie ihrer Geschäfte wegen nach Wien, Pesth oder Prag kommen, keine Gelegenheit, eine Erbauungsrede zu hören. Die Unterrichtetem pflegen dann nach ihrer Rückkunft in ihre Gemeinden ihre Bekannten von dem zu unterhalten, was sie von Mannheimer, Schwab oder Sachs gehört haben. Anderer Seits sind die Rabbinen so beschaffen, daß sie dem allgemein gefühlten Bedürfnisse eines belehrenden und anregenden Vortrages nicht genügen können. Mancher gute Rabbi bemüht sich nun, Trotz alles Mangels der nothwendigsten Schulkenntnisse, seine Derascha mit, oft mißverstandenen und übel angebrachten, deutschen Floskeln zu schmücken. Dies zeigt allerdings einen guten Willen, und ist in so fern recht lobenswerth; aber der gute Wille kann hier die tüchtige Kenntniß nim- *) No. 104 des vorigen Jahrgangs.

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