Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1840)
- Date
- 1840-02-01
- Page
- Seite 70 (sequence 10)
- Language
- German
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70 anregle, gewiß innigen Dank wissen, noch mehr denen, die den angeregten Gegenstand fördern werden. Wäre bereits der Plan einer jüdisch-theologischen Fakultät zur Ausführung gekommen, so gäbe diese auch hiefür einen guten Mittelpunkt ab. So aber stehen dem Plane sowol die Lauheit des Public kums gegen solche Entwürfe, wie die jüngste Erfahrung hinlänglich erwiesen hat, als auch der Mangel an Concentration entgegen, welcher bei allen Fragen, wie? wo? in wem? ff. der Verein bestehen solle, die Antwort sehr mißlich macht. Wir haben bis jetzt unter den Israeliten nur Lokalvereine für Gemeindezwecke, für Handwerker, für Studirende, wie in Hamburg selbst, aber einen die Israeliten aller deutschen Gauen umfassenden Verein haben wir noch nicht gesehen, und lassen sich auch die Mittel, einen solchen zu Stande zu bringen nicht abnehmen. Und gerade dieser Verein bedarf eines Mittelpunkts am meisten. Wo sollen die Gesuche beigebracht werden? Wer soll über die Befähigung des Supplikanten urtheilen? wer über die Höhe der Subsidie? ff. denn so zahlreich ist wieder die Klasse der der Unterstützung bedürftigen israelitischen Gelehrten nicht, daß an vielen Orten Comite's nöthig wären. Dies das praktische Hinderniß. Versetzen wir uns ferner in die Seele derer, denen man die Mittel hiezu abfordert, so weiß man hinlänglich, wie der gegenwärtige Mensch für Alles einen realen Zweck fordert, eine sichtlich hervortretende Wirkung. Hier aber ist das Resultat nur ein passives, für welches man bald wieder erkalten möchte. Man kann im glücklichsten Falle sagen, wir haben so und so viel an so und so viel junge, zumal für das allgemeine Publikum namenlose Leute gegeben. Wie bald wird da das Publikum fragen: wie benutzen diese unser Geld? Haben wir etwa damit nur die Trägheit ernährt? Werden die Unterstützten nicht gerade dadurch laß und gleichgültiger gegen die Erlangung eines Amtes, mit der nur die Mühen dann kommen? u. ff. Mögen dann diese Fragen auch nur geringe Wahrheit enthalten, gewiß ist, daß sie gethan werden, und für den Verein auf die Länge nachtheilig wirken werden. Es fehlt diesem so vorgeschlagenen Vereine aller Lebensnerv, ein kräftiger Inhalt und eine sichtliche Erscheinung. Die Zeit liebt Associationen, diese sollen aber nicht zum Vortheile Einzelner, sondern überall des Ganzen wirken. Wir würden es uns selbst verargen, wenn wir einer an sich guten Idee nur mit Negativem entgegentreten. Wir hätten sie dann sich selbst überlassen, und der Zeit. Aber lasset uns daran denken, ihr auch etwas Positives unterzulegen! Nämlich! daß sofort Etwas für die jüngeren jüdischen Gelehrten, deren Universitätsstudien absolvirt sind, die aber noch keinen praktischen Wirkungskreis gefunden, geschehen müsse, damit sie nicht am Hungertuche der Verkümmerung nagen und zum Theil vergehen mögen, ist allgemein gefühltes Bedürfniß, und gerade diesem diente jener Ausruf zur ersten Aussprache. Wie nun dies mit einer ehrenvollen, nützlichen, und zu wahrhafter Strebsamkeit führenden Weise zu verbinden? Wie dies mit einem allseitigen Zwecke zu vereinigen? Es sind aber nicht bloß die Literaten, es ist auch die Literatur, welche unsre Hülfe fordert. Unsre Literatur leidet insonders daran, daß sie immerfort, aus materiellen Gründen, auf das allgemeine jüdische Publikum sich lehnen muß. Andere Literaturen haben den Vortheil, daß sie immer einen bedeutenden Kreis von Theilnehmern finden, und wenn sie sich in den strengsten wissenschaftlichen Formen und doktrinellen Gebieten bewegen. Der Kreis derer aber, die der jüdischen Wissenschaft als solcher ihr kräftiges Interesse leihen, ist sehr klein, zählt nach Zehnern, anstatt nach Hunderten, und so fehlt insonders der strengen Wissenschaft des Judenthums ein erhaltender materieller Boden. Denn die Idee, soll sie in die Erscheinung treten, muß sie Fleisch und Blut anziehen, diese aber können nur aus gutem Stoffe gemacht werden. Versuchen wir diesen beiden Mängeln abzuhelfen, indem wir die etwanigen pekuniären Hülssmittel für Beide verbinden. Der vom Hamb. Telegraphen erlassene Aufruf steht dahin zu modifiziren: Es wird ein Verein gebildet, welcher vermittelst Beiträge eine Kasse beschafft, aus deren Ausfall die Druckkosten und angemessenen Honorare für tüchtige Arbeiten, insonders junger und unbeamteter jüdischer Gelehrten im Fache jüdischer Wissenschaft, mögen sie Theologie, Litera-