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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-02-01 · Heft 5 (1.2.1840) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 5 (1.2.1840)
Date
1840-02-01
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 mer ersetzen. Spöttern und Oppositionsmachern ist dies sehr willkommen, da die Manier auch „ein Deutscher" sein zu wollen, macht, daß manche, sonst sehr achtenswerthe Rabbinen wirklich von einer, etwas lächerlichen Seite erscheinen; abgesehen davon, daß die alte Agada mit der alten Terminologie und der alten Redeweise auch ihre alte Würze verliert, und sehr langweilig wird. Das Schlimmste bei der Sache ist, daß der größte und — da er der jüngere ist, auch — wichtigste Theil der Gemeinden, welcher im buchstäblichsten Sinne, nach dem Worte Gottes durstet, und eine mit Klarheit und Gemüthsfrische gehaltene Rede mit Begeisterung aufnehmen würde, aller religiösen Belehrung und Erhebung entbehren muß, und daß auf diese Weise, was schon so oft gesagt und wiederholt wurde, der Irreligiosität und dem Jndiffcrentism in die Hände gearbeitet wird. Ein sehr nahe liegendes Mittel gegen diesen Uebelstand wäre nun Folgendes.. Da in vielen Gemeinden bereits wohl organisirte Schulen bestehen, und in dm übrigen höchst wahrscheinlich in der nächsten Zukunst organisirt sein werden; so könnten für diese Schulen solche Religionslehrer gewähltwerden, die auch im Stande wären, sabbatlicke und sonstige gottesdienstliche Vortrage zu halten. Die Alten hätten aus diese Weise ihren Rabbi, der ihnen allenfalls zwei, dreimal im Jahre eine Derascha sagt; die Jüngeren hatten ihren Prediger, der, wenn er mit Redlichkeit und Umsicht zu Werke geht, bald das Vertrauen Aller haben wird, und die Kosten wären unbedeutend höher, da man auch gegenwärtig einen Bibel - und Religionslehrer besoldet und besolden muß. Dieser, gewiß sehr zweckmäßigen Einrichtung wäre natürlich nur eine provisorische Dauer zu geben, bis nämlich die Rabbinen tüchtig genug sind, zu predigen, und die Schuljugend in der Religion zu unterrichten. Daß unsere weise, Religiosität und Frömmigkeit bei allen Unterthanen fördernde Regierung diesem Vorschläge ihre Genehmigung nicht versagen würde, wenn die Gemeinden die Sachlage getreu und der Wahrheit gemäß darstellten, läßt sich mit aller Zuversicht erwarten. Was nun aber die übrigen Synagogen- und Gemeindeämter betrifft, so kann nicht in Abrede gestellt werden, daß auch bei uns mißbräuchliche Vervielfältigung Statt finde, und daß eine, von Umsicht und Billigkeit geleitete Reduction sehr wünschenswerth sei. Die Anregung dieser Angelegenheit in diesen viel verbreiteten und beachteten Blättern ist unstreitig eine sehr zeitgemäße zu nennen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die in dieser Hinsicht etwa vorgenommenen Vereinfachungen in einzelnen Gemeinden bekannt würden, damit andere Gemeinden hierauf Rücksicht nehmen könnten. Man sieht leicht ein, daß neue Ansichten neue Zustände, neue Zustände neue Bedürfnisse, neue Bedürfnisse neue Institutionen, in Israels Gemeinden hervorgerufen haben, und daß also, wo nicht alle, doch die meisten Gemeindeeinrichtungen einer Reorganisation bedürfen, wobei natürlich auch manches Administrative zur Sprache gebracht, erörtert und geordnet werden muß. Mag auch Mancher unserer Literarhistoriker und Manuscriptenjäger über die Verhandlung dieser rein praktischen Fragen vornehm lächeln; diejenigen, welche das wahre Gedeihen und eine bessere Zukunft in ihren Gemeinden fördern wollen, werden sich hievon in ihren erleuchtenden, erweckenden und ordnenden Bestrebungen nicht irre machen lassen. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Hetit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. , Dre BerLagshandlung. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu erhalten: Krafft, vr. E., Proben neuhebräischer Poesie in. deutschen Nachbildungen. 1. Bdchn., enth. Jüdische Sagen und Dichtungen nach den Talmuden und Midraschen, nebst einigen Makamen aus dem Divan des Alcharisi. Pr. 20 Gr. fl. I. 21. ®l*an9' Ferdinand Enke^ Druck von I. B« Hirschfeld.

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