Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1840)
- Date
- 1840-02-01
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
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legenheit sich theoretisch und praktisch für den Lehrstand vorzubereiten. Dies sind die wesentlichsten pia desideria für unsere Gemeinde, zu deren Realisirung der Gemeindevorstand das Seinige beitragen soll und wird. Alle Wohlgesinnten flehen des Himmels Segen auf die Wirksamkeit unserer Vorsteher herab, welche, wie Jedermann gesteht, des Vertrauens würdig sind, das ihnen ihre Gemeinde in vollstem Maße schenkt. Preß bürg, 6. Jan. (Privatmitth.) Unsere Primärschule hat diese Tage ein Geschenk bekommen, um welches sie wol manche israelitische Lehranstalt beneiden wird, und es gereicht mir zum besondern Vergnügen, den Namen des edlen Gebers in größerm Kreise bekannt zu machen. Es war Herr Joseph Philipp Schalbacher, Buchhändler in Wien, welcher vor einigen Tagen mit Tode abging. Der menschenfreundliche Mann besuchte vor einigen Jahren unsere Lehranstalt, und die Einrichtung, so wie die Leistungen derselben sprachen ihn so sehr an, daß er derselben vermittelst Schenkungsurkunde eine beträchtliche, sehr werthvolle Sammlung alter und neuer, auf's Judcnthum Bezug habender Werke überließ. Als gelehrter Kenner der hebräischen Literatur hat er zu dieser einige Hundert Bände starken Bibliothek selbst einen Catalog angefertigt. Die Bibliothek wird diese Tage aufgestellt werden, und den Namen Schalbacherische für ewige Zeiten tragen. Ich bemerke nur noch, daß der selige Schalbacher, Verfasser des im Jahre 1834 bei Brockhaus erschienenen Werkchens „Winke und Rathschläge für israelitische Schulen" ist. — Die um unsere Schule in vielfacher Hinsicht so hochverdienten H. H. S ch wabachersohn und A. Kohn, welche als Jnspectoren der Anstalt die Bibliothek übernahmen, werden in Uebereinstimmung mit ihrem Kollegen Hrn. I)r. Bernheim die Statuten für die Administration dieser kostbaren Büchersammlung entwerfen, um den Bestand derselben bis in die späteste Zukunft zu sichern. Aus Ungarn. Am Vorabende des neuen Jahres. (Privatmitth.) Während sich in einem der civilisirten Ländern Europa's ein nicht unbeträchtlicher Theil der Bevölkerung bald mit nahen, politischen Katastrophen, bald gar mit einem 'bevorstehenden Weltuntergänge ängstigt und quält, und so das eben ablaufende Jahrzehent mit peinlicher Erwartung der Dinge, die da kommen mögen, scheiden sieht, begrüßen die Einwohner des gesegneten Ungarlandes, so verschieden und mannigfaltig ihre sociale Stellung ist, das Jahr 1840 mit freudigem Vorgefühle, mit trostvollen Erwartungen, mit schönen Hoffnungen, die einen Jeglichen erheben, in dessen Busen ein warmes Herz schlägt für den geliebten Fürsten, für das theure Vaterland. Aller Blicke sind auf das freundliche Pisonium gerichtet, wo des Landes weise Gesetzgeber so eben eifrig bemüht sind, durch gerechte, humane und zeitgemäße Maßregeln nützliche Gewerbsthätigkeit, gesetzmäßige Ordnung und wohlverstandene Volksthümlichkcit zu fördern und zu hebe». Auch unser, des im Magyarlande zerstreuten Israels, waren die edlen Versammlungen bedacht, und wiewol schon seit einem halben Jahrhunderte verschiedene einzelne Milderungen und Verbesserungen unserer Lage vorgenommen wurden, deren Werth wir nicht verkennen, so sind doch erst beim Ablaufe dieses Jahrzehenl's Schritte geschehen, die uns mit der beseligenden Hoffnung erfüllen, daß in nicht gar ferner Zukunft die Rechte dem Rechte, die Freiheiten der Freiheit Platz machen werden. Nehmt unfern Dank, edle Legislatoren, die Ihr begonnen, die alte Schmach von uns zu nehmen. Nehmt unfern Dank, Ihr hochherzigen Männer, die Ihr ein kräftig und menschlich Wort für die Bedrängten habt gesprochen; Euer Andenken wird geehrt und gesegnet bleiben in unserer Mitte. Gewiß wird auch unser erhabner Monarch durch Seine Huld und Gnade Eurem Werke die Krone aufsetzen. — Möge uns das neue Jahrzehent den Erlösungstag bringen, an welchem des befreiten Israels hunderttausendstimmiges Eljeu- Ruf. in Häusern, Schulen und Tempel laut wird erschallen, ein dankbares Eljeu-Ruf dem huldreichen Fürsten und Ungarn's edlen Söhnen! Prag, 12. Januar. (Privatmitth.) Die Ihnen neulich von Wien mitgetheilte Nachricht, daß vermöge allerhöchster Entscheidung der Aufnahme S. L. Rapoport's kein gesetzliches Hinderniß im Wege sei, hat sich nunmehr bestätigt; gleichwol aber ist dessen Herkunft nichts weniger als gewiß. Der berühmte Literarhistoriker soll nämlich nicht zum Rabbinen, sondern zum „Appalanten, (Juristen), gewählt werden. Nun ist es aber bei uns herkömmlich, daß die Juristen von der Gemeinde keinen fixen I Gehalt beziehen, sondern von ihren, in früherer Zeit I nicht unbeträchtlichen, Sporteln leben müssen. Es