Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-25 · Heft 4 (25.1.1840) · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 4 (25.1.1840)
Date
1840-01-25
Page
Seite 55 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225124--02462-3311942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

55 selbst war flüchtig, vom Antigonus verdrängt, von den Judäcrn schon wege.n seiner idumäischen .Abkunst, noch mehr wegen seiner Sucht zu Neuerungen und seiner Freundschaft mit den Ausländern gehaßt, sein Bruder, der treue Gehülst, in der Macht derParther, eben so Hyrkan, dessen geistliche Scheinherrschast ihm bis jetzt zum Deckmantel seiner ehrgeizigen Absichten gedient hatte. Mehr als alles dies setzte ihn der Gedanke in Wuth, daß auch die Geliebte seines Herzens, Mariamne, der rohen Willkür seiner bittersten Feinde preis gegeben wäre. Sie war es, an deren sanftem Blick sein Herz schmolz wie das Eis beim Strahle der Frühlingssonne, sie die mit zauberischer Allgewalt auf den Mann wirkte, den nicht Schlachtenruf, nicht Kriegesgcfahr zittern machten und die Liebe zu ihr verband sich mit allen Plänen des Ehrgeizes, denn sie stammte ja aus dem alten, den Judäern ehrwürdigem Königsgeschlecht der Hasmonäer, und so konnte die Verbindung mit der Enkelin Hyrkan's den Flecken seiner Herkunft abwischen und um so leichter den Weg zum Throne bahnen. Sie aus den parthischen Banden zu befreien, das war, das mußte die erste Aufgabe für Herodes sein. Mit einigen hundert Kriegern gelangte er vor der Feste Mesada, die noch nicht in Feindes Gewalt war; die übrigen Anhänger hatte er verabschiedet, denn jetzt war keine Aussicht da, ihre Hülfe zu gebrauchen und keine Möglichkeit, sie mit Kriegsbedarf und Lebensmitteln zu versorgen. So zerstreuten sie sich in den Bergen Galiläa's. Inzwischen gingen seine Kundschafter heimlich aus, den Aufenthalt der Gefangenen zu erspähen und nach wenigen Tagen wurde dem Tetrarchen die Nachricht, daß der Thurm von Ekdippon sie einschloß. Arabische Reiter stellten sich in dem Gebüsche um Ekdippon aus, um den Thurm zu beobachten, um vielleicht einzudringen und die dem Feldherrn werthen Häupter zu befreien. Aber die Wachsamkeit der parthischen Wachen täuschte Arabische List nicht. Da endlich wurden jene herausgeführt und mit der Schnelligkeit der Söhne der Wüste verfolgten die Araber die Wagen und führten Mariamne auf Mesada zu. Zn tiefe Gedanken versunken lag Herodes auf den Polstern des Ruhebettes, wild stürmte es in seiner Brust, seine Entfernung von Mesada war dringend nothwendig, fort zog es ihn nach Peträa, um bei dessen Herrscher, den Gastfreundschaft schon mit seinem Vater verbunden hatte,' Hülfe zu suchen, denn die Herrschaft des Antigonus befestigte sich immer mehr im Lande und jedes Versaumniß konnte auf immer seine Träume vernichten. Doch, wenn es eine Welt gekostet hätte, so mußte er erst von Mariamnen's Schicksal Nachricht haben und ihre Rettung bewirken. Da stürzte in freudiger Eile ein Sklave in's Gemach und verkündete ihm, daß vor den Thoren der Feste ein Trupp arabischer Reuter mit der Fürstin in ihrer Mitte halte. „Ha, mein Glücksstern geht wieder auf," rief derTetrarch überrascht, „ich gehe ihnen selbst entgegen, bringt meiner Mutter die Nachricht, daß sie die Braut des Herodes erwarte!" Jetzt eilte er dem Thore zu, das schnell geöffnet wurde, die schmale Brücke ward über den Graben gelassen, und ehrfurchtsvoll begrüßte Herodes die Fürstin, die erst jetzt, nach mehrtägiger Wanderung, erfuhr, daß es auf ihre Befreiung abgesehen gewesen war. Aber, wenn es sie auch im ersten Augenblick freudig überraschte, unter ihren Landsleuten zu sein, als vielleicht einem Araberhäuptling als Sklavin zu dienen, so erfüllte doch der Gedanke, wieder in der Nähe des Mannes zu leben, der gewaltsam ihr Herz erstürmen wollte, der Gedanke an das Schicksal ihres Großvaters sie mit namenloser Angst. (Fortsetzung folgt.) Auszüge. Die Juden in der Türkei. (Schluß.) Auch in der Türkei halten die Juden die Ehe für ein heiliges Band, und sie zeigen sich in diesem Punkte weit strenger als ihre Glaubensgenossen in Aegypten und Syrien, welchen zwei Frauen gestattet sind. Obgleich die jüdischen Frauen, dem äußeren Anschein nach, auf gleichem Fuße mit ihren Männern stehen und sie sich nicht in einem solchen Zustande der Unterwürfigkeit befinden, wie die muselmännischen und Armenischen Frauen, so wird doch die Heiligkeit der Ehe sehr häufig verletzt, da der Scheidung nur sehr geringe gesetzliche Schwierigkeiten im Wege stehen. Freilich ist die Scheidung von der Einwilligung beider Gatten abhängig, aber wenn die Frau nicht geneigt dazu sein sollte, so behandelt der Mann sie schlecht, und es bleibt ihr am Ende nichts Anderes übrig, als sich in seinen Willen zu fügen. Im Falle der Scheidung verbleiben die Kinder dem Vater, und es kann daher der Frau nicht schwer werden, eine andere Ehe einzugehen. Die Scheidung gilt bei den Ju-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.