Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-25 · Heft 4 (25.1.1840) · p. Seite 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 4 (25.1.1840)
Date
1840-01-25
Page
Seite 54 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225124--02461-3311941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

54 dieses Briefes Erwägung geschehen. Nachdem nämlich die Angelegenheit jenes Grundgesetzes von den wichtigsten Gesichtspuncten aus betrachtet worden, mag es auch erlaubt sein, ihm einige Aufmerksamkeit von der industriellen Seite zuzuwenden. Ihr Land ist vermöge seiner Lage und seiner Productionen nothwendig an den Handel mit andern Nationen gewiesen, und wäre es blos der mangelnde Kornbau: es bedarf des Verkehrs mit Nachbarländern. Nun aber, dünkt mich, fehlt cs dem Staate an gewandten und im Verhältnisse zum großen Wechselsystem der Gegenwart mächtigen Vermittlern. Diese aber würde es alsobald gewinnen, wenn es jenes ausschließende Grundgesetz aufhöbe. Es würde dadurch, ohne eine gefährliche Rivalität besorgen zu dürfen, Geschäftleute herbeiziehen, die zur Vermittelung des Welthandels sowol Kräfte als Anstelligkeit in hohem Grade besitzen. Die einzige Klaffe von Einwohnern Norwegens, die über jene neue Concurrenz zu klagen haben würden, jene schaamlosen und räuberischen Wucherer, die kein Bedenken tragen, für gute Papiere einen Zins von mehr als 20"/,, zu nehmen, wird doch wol das Staatsgrundgesetz nicht unter seinen Schutz nehmen wollen, zumNachtheile der fleißigen Arbeiterklasse. — Und nunmehr darf ich am Schlüsse dieses Danksagungsschreibens mich ganz jenen Gefühlen überlassen, die mir Ihr Wohlwollen eingeflößt hat, und wofür Sie der Himmel in allen ernsten Stunden des Lebens mit seinem ganzen Tröste erquicken möge. Meinen Glaubensgenossen ergehts leider wie Bettlern, denen nur noch die offene Hand des Menschenfreundes den Glauben an das unverlierbare Gut wahrer Menschenliebe und Gerechtigkeit erhalten hilft. Und wenn die reichen Prasser es nur wüßten, welchen Segen sie durch den ihnen nichts kostenden Ueberfluß verbreiten würden, sie würden nicht anstehen, alle Menschen eines Gutes theilhaftig werden lassen, das nur die blödeste Ungerechtigkeit zum Privilegium einiger Wenigen machen konnte, des Gutes, sich auf Gottes großer Erde versetzen zu dürfen, wohin unser Beruf uns hinzieht. Gegen den Staat, der mir jene Ausnahme-Erlaubniß ertheilt hat, hätte ich durch diese freimüthige Erklärung meine Schuld abgetragen: dem edlen Staatsmanne aber bleibt mein Dankgefühl, ein inniges Dankgesühl gegen einen edlen Menschenfreund in einem eben so großen Staatsmanns, ohne Grenze, und ebenso groß wie die Gesinnung, die sich in jenem Wohlwollen gegen mich, als einen Fremdling, ausgesprochen hat, der Ihren Schutz angesprochen und erhalten hat. Genehmigen Ew. Excellenz:c. B e l l e t r r ft i k. Die Wanderung dnrch's Leben. Eine Zeit-Novelle. (Fortsetzung.) Die letzten Hasmonäer. (Zwischennovelle. Fortsetzung). Herodes war einer der seltnen Menschen, deren Energie des Geistes eine eben so große Stärke und Gewandheit des Körpers gehorsamten, er war in allen gymnastischen Künsten geübt, Keiner verstand so wie er die Lanze gerade zu werfen, die Streitaxt zu schwingen und den Bogen zu schießen, Keiner so das wildeste Roß zu bändigen. Auf der Jagd war das Wild, in der Schlacht der Feind seine sichere Beute. Alle diese seltenen Körper- und Geistesgaben waren auf ein Ziel geri ''tet, auf Befriedigung eines unersättlichen Ehrgei Diese Leidenschaft füllte sein Gemüth aus, sie nagte an seinem Herzen Tag und Nacht, sie war der Stachel zu allen seinen Handlungen. Sie trieb ihn in's Feldlager der Römer, um den stolzen Weltbezwingern zu zeigen, daß Tapferkeit und großartige Gesinnungen nicht allein bei ihnen heimisch wären, daß auch der Palästinenser zu kämpfen und zu siegen wußte. So pflanzte sich die Achtung der Römer von seinem Vater, dem Helden Cäsar's, auf ihn fort und er verfolgte sein Ziel, die Herrschaft über das palästinensische Syrien, mit um so sicherm Vertrauen, je mehr er in feister eignen Kraft, in seinem Glücke und in der Gunst der Römer die feste Bürgschaft für die Erreichung seiner Wünsche gegründet glaubte. Doch auf lange Zeit schien er jetzt zurückgestoßen zu sein. Die Römer waren überall, nach, fürchterlicher Niederlage, aus Syrien vertrieben und die Parther, ihre unbe- I siegbaren Feinde, beherrschten ganz Kleinasten, er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.