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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-25 · Heft 4 (25.1.1840) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 4 (25.1.1840)
Date
1840-01-25
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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52 bedenkt,, daß das Bedürfniß eines Seminars auch bei uns immer fühlbarer wird, und die Gründung eines solchen nicht mehr fern sein dürfte; denn es wäre doch'wahrlich zu verlangt, Wenn man die Geldbeiträge der österreichischen Israeliten zuerst für ein Seminar, das sie nicht benutzen werden, und dann für ein Institut, das ihnen Rabbinen und Lehrer bilden soll, in Anspruch nähme. Hätten wir übrigens — ich spreche dies nur in Beziehung auf Ungarn aus — hätten wir nur einige Männer, die die Einsicht haben, ein Seminar zu organisiren, und den frommen, kräftigen Willen, dasselbe zur Fortbildung und Ehre Israels zu begründen, an Mitteln würde es uns wahrlich nicht fehlen. Die Stiftungen, welche z. Bin Altofen zu diesem Zwecke verwendet werden könnten und sollten, um die Absicht der Stifter „die Erhaltung der Tora" in unser» Tagen zu erreichen, würden hinreichen, beinahe die Hälfte des Bedarfes zu decken. Vielleicht wird sich aber jetzt, da auch in Ungarn die letzte große Jeschiba ihrer Auflösung nahe ist, mehr Theilnahme für einen Gegenstand zeigen, der der Theil- »ahme Aller würdig ist, die nur einige Sympathie für Juden und Judenthum haben. Tagrs-Controie. Schreiben an den Herrn Präsidenten -es norwegischen Storthing von einem Israeliten?u Altona. (Schluß.) Man zweifelt in keinerlei Weise an unserm Verstände, man zweifelt selbst so wenig an demselben, daß man ihn gerade zum Gegenstände der Besorgniß gemacht hat. Man legt dieß dadurch deutlich an den Tag, daß man hinter dem ostensiblen Grunde einer Ausweisung wegen der Religionsdifferenz ein 'ganz ordinäres Handwerks- und Krämerinteresse verbirgt. Dieß ist namentlich überall in Deutschland, wo noch Zurücksetzungen der Israeliten vor dem Staatsgesetze obwalten, eingestandnermaßen der Fall. Und woran zweifelt man sonst? An unserm guten Willen. Man nennt uns eigenwillig und verstockt, man spricht, wir verwerfen den Messias aus Halsstarrigkeit. Allein ein solcher Eigensinn, ohne allen vernünftigen Rückhalt, bei einem großen Menschenverbande, der einer fast zweitausendjährigen Erniedrigung und Entsagung zum Trotze fortbestände, ist eine höchst abgeschmackte Supposition, eine grundlose Hypothese, ohne den mindesten Schein von Wahrheit, und verdient keine Berücksichtigung. Auch stritte sie gegen jene so sehr als Schreckbild aufgestellte Schlauheit und Gewinnsucht, von der so eben die Rede gewesen ist. Man muß daher mit Wahrheit folgendes Dilemma aufstellen: Entweder ist der Jude klug: dann muß man von ihm, so lang er trotz aller Nachtheile, die sein Glaube ihm zuzieht, bei demselben treu verharrt, voraussetzen, daß er aus höherer und edler Gewissenhaftigkeit handelt; dieß ist aber keine Eigenschaft, die das Loos des Verbrechers verdient, und ihre Besitzer zur Verbannung qualisicirt; oder er ist so bornirt, daß er die großen Ereignisse der Geschichte 1839 Jahre lange, die er so blutig und schmerzensreich mit durchgearbeitet hat, nicht zu begreifen im Stande ist: so ist er weder wegen seiner Schlauheit fürchterlich, noch auch als gefährlicher Eoncurrent von den Grenzen Ihres Vaterlandes fern zu halten. Kurz! man wende die Sache, wohin man wolle, man betrachte sie vom politischen oder religiösen Standpunkte aus, sie bleibt in jedem Falle ein Räthsel, dessen Losungswort man auszusprechen Bedenken-trägt. Der allgemeinste Ausdruck für dieselbe wäre vielleicht, der: es ist der in einem abentheuerlichen Anachronismus hervortretende Haß auf früherer religiöser Basis, mit jetziger irreligiöser Eonsequenz, eine absolut menschenfeindliche Gesinnung ohne allen vernunstmäßigen Grund. Er ist in dieser Gestalt die Wirkung des reinen bösen Principes, von dem es heißt, daß es den Menschen so lange quäle, bis es ihn zum Quäler Andrer gemacht hat; es ist reine Menschenfeindlichkeit, die, nach, dem sie allen möglichen Gehalt an Religiosität eingebüßt hat, (denn auch die Einwohner Norwegens werden dem Rationalismus, nicht gänzlich entgangen sein,) rein aus sich selbst in tiefer Verwerflichkeit beruht. Man hat nicht allenthalben die Entschlossenheit, dieses Princip des Bösen aus der Staatsökonomie frischweg auszuweisen, und ist durch Gewohnheit und Vorurtheil zu entschuldigen: jedoch eine neue Ordnung einführen, und ihr alsobald diesen Krebsschaden des Mittelalters einimpfen zu mögen, deutet auf ein unsägliches Ungeschick in Allem, was der Humanität wahrhaft

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