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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-25 · Heft 4 (25.1.1840) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 4 (25.1.1840)
Date
1840-01-25
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 giebt, steurt ihm zuerst." — „Ich habe den Theil der Stadt gesehen, welchen die Abkömmlinge Jakobs bewohnen. Welch' Elend!, und dies um so abstoßender, da es durch die Furcht und den Geiz übertrieben ist. Die mephitische Luft, welche daselbst herrscht, könnte glauben machen, daß die Pest hier größere Verwüstungen anrichtet, als anderswo: gerade das Gegcntheil. Man hat bemerkt, daß in den Jahren, wo sie am meisten gewüthet hat, die Sterblichkeit unter den Israeliten geringer war, als unter den Griechen, den Armeniern, den Türken. Man beobachtet fast alle Jahre zu Rom, daß die „Malaria" vor dem unwürdigen „Ghetto" zurückweicht, während sie ohne Schonung gerade die frei gelegensten Quartiere, und zum Beispiel die prächtigen Villen, die der kort» del populo zunächst liegen, angreift. Ohne nach der Ursache dieses Privilegiums der Juden zu suchen, bildet sich die fanatische und unwissende Bevölkerung Smyrna's ein, daß jene wunderbare Mittel, magische Geheimnisse besitzen, welche sie für sich aufheben, und ihr Haß wächst durch den Neid, den ihr diese unbegreifliche Gunst des Schicksals einflößt." — (Der Verf. Dieses weiß wahrscheinlich nicht, daß auch in Preußen, und in den gewöhnlichen Jahren, die Sterblichkeit zu Gunsten der Juden ausfällt, was der Berichterstatter der Pr. St. Z. selbst auf die Mäßigkeit und Nüchternheit der Israeliten schob. Ja, in der Zeit, wo die Cholera alle Stände in Schrecken setzte, halte auch diese nicht bloß vor den Ghetti, sondern auch vor den luftigen Häusern Deutschlands, die Juden, bewohnen, einen gewissen Respekt. Da nun hierbei von keiner besondern Organisation, noch von einer „Gunst des Schicksals" die Rede sein kann, so muß es doch die Lebensart der Juden sein, die ein Antidotum gegen die Pest ist/ und da möchte man doch wol ein wenig auch auf die Speisegesetze Hinwegen, die dem Juden unmöglich machen, krankes und'gefallenes Vieh :c. zu essen. Redakt.) Deutschland. Hamburg, II. Januar. (Privatmitth.) Die öffentlichen Register des abgelaufenen Jahres ergeben folgende Resultate: Geburten 4788, worunter 250 jüdische (unter welchen 2 uneheliche.) Todesfälle 4770, worunter 221 jüdische. Ehen 1451, - '74 - - Man kann hierbei bemerken, ,daß, während dreier Jahre, I. Jahrg. 1838 No.'lO., 1839 Nv. 14., die jüdischen Geburten im Steigen sind, 219, 226 und 250, dennoch aber die unehelichen sich auf der Zahl 2 erhielten. — Man will es oft bemerklich machen, daß die jüdischen Künstler von Ruf, deren man von unsrer Seite gern erwähnt, ihrerseits sich wenig in der Verbindung mit ihren Glaubensgenossen hielten. Mag nun dies auch, zur eignen Schande, hier und da statt finden, mögen-hier und da hindernde Umstände eintreten, man Hute sich, eine allgemeine Regel daraus machen zu wollen. So genirte sich, bei den vor Kurzem hier stattgefundenen Koncerten des Violinisten Ernst, dieser große Künstler durchaus nicht, als er zum Besten der Armen ein Koncert gab, das Drittel der Einnahme für seine jüdischen Glaubensgenossen zu bestimmen. —. Unsere Stadt hat einen sehr schweren und in vieler Hinsicht selbst unersetzlichen Verlust erlitten. Am 23. December starb im 55 Jahre der hamburgische Notar Meyer Israel Breffelau, seit 2 Jahren Sekretair der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde, zu deren Vorstehern er auch srüherhin gehörte. Der Verstorbene war einer der begabtesten Menschen und hatte diese Gaben nach den verschiedensten Seiten ausgebildet. Anerkannt als Autorität im Fache des hiesigen Wechselrechts und ausgezeichnet als Kalligraph in allen Charakteren, weltklug und gelehrt zugleich; einer der gründlichsten Kenner der hebräischen Sprache und Grammatik und gewandt in dem Gebrauch der lebenden Handelssprachen, tief' bewandert in der (hier noch gültigen) rabbinischen Jurisprudenz, groß als Concipist deutscher und hebräischer Dokumente, und eben so sehr Meister in der Liturgik und Ritualkenntniß, war Breffelau ein kluger Wohlthäter, ein bereitwilliger Rathgeber, ein spendendes und leitendes Mitglied fast aller unserer öffentlichen Anstalten, dabei der zärtlichste Gatte und Vater, ein liebenswürdiger und geistreicher Gesellschafter, und leicht zugänglich und mittheilend für Jedermann, für arm und reich, groß und klein, antik und modern, gebildet und ungebildet, er wußte jeden auf seine Weise zu unterhalten und zu fesseln. Ein ganzes inhaltreiches Leben hatte diesen Mann

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