Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Date
- 1840-01-25
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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46 etwa eine Stunde weit, die Straße auf beiden Seiten besetzt hatte, herrschte die größte Ordnung und Ruhe. Um Mittag verkündigten drei Kanonenschüsse die Annäherung des Zuges, der von der israelitischen Geistlichkeit und den Kindern der jüdischen Schulen, welche eigens zu diesem Zwecke kvmponirte Hymnen sangen, eröffnet wurde. Sodann folgten die Angesehensten dieser Nation zu Pferde; auf diese folgten die armenischen Geistlichen und Kinder, welche Letztere Oliven- oder Myrthen-Zweige in den Händen trugen und ebenfalls Hymnen sangen. Die griechische Geistlichkeit, welche die zahlreichste und ebenfalls von Kindern begleitet war, schloß den ersten Theil des Zuges. Den zweiten Theil eröffneten dieLinien- Truppen, die mit kriegerischer Musik und fliegenden Fahnen in Kolonnen vorüberzogen. Dann kamen sämmtliche türkischen Behörden zu Pferde, unter Anführung des Gouverneurs Selim Bei, neben welchem der Beamte ritt, der den Hattischeriff überbrachte und denselben in einer reich verzierten seidenen Tasche an goldenen Schnüren auf der Brust trug. Diesen zweiten Theil des Zuges schlossen die türkischen Kinder, denen sodann sämmtliche Zuschauer folgten. Der große Kasernenplatz, aus dem die Verlesung stattsinden sollte, wird auf der einen Seite von dem Meere, auf dem die Flaggen aller Machte auf den Masten zahlreicher Fahrzeuge flaggeten, und auf der andern Seite von einer Mauer begranzt, hinter der sich das mit Cypressen bewachsene Gebirge erhebt, auf dessen übereinander liegenden Schichten Tausende von Zuschauern wie auf einem Amphitheater sich niedergelassen hatten. Auf dem Platze befanden sich mehrere Zelte für die eingeladenen Europäer und in der Mitte war eine mit rothem Tuche bedeckte Kanzel errichtet, auf der unter dem tiefsten Stillschweigen der Menge die Verlesung des Hattischerifs durch den erwähnten Beamten stattsand. Nach Beendigung derselben bestieg der Imam die Kanzel, um den Segen des Himmels für den jungen Sultan zu erflehen, wobei das Amen jedesmal von der ganzen Menge wiederholt wurde. Nach dem Gebete präsentirten die Soldaten unter kriegerischer Musik das Gewehr, die Kanonen wurden gelöst und die englischen Kriegsschiffe auf der Rhede feuerten eine königliche Salve ab. Hierauf machte Selim Bei die Runde um den Platz und richtete an die griechischen, jüdischen und armenischen Geistlichen einige den Umständen angemessene Worte, indem er namentlich auf die väterlichen Absichten des Sultans gegen sein Volk und auf den großen Unterschied zwischen jetzt und früher hinwies. Um drei Uhr zerstreute sich die aufs Tiefste ergriffene Volksmenge in größter Ordnung'und es ist gewiß auffallend, daß bei dem Zusammendrängen so vieler Menschen auch nicht der geringste Unglücksfall zu beklagen ist. —. Wir theilen diesen Bericht (nach der Pr. St. Z.) mit, weil man hieraus erkennt, wie überall die Israeliten als wesentliche Theilnehmer an der Verkündigung dieses Hattischerifs hinzugezogen werden. Es ist dies um so wichtiger, als europäische Berichterstatter die Lage der Juden so beurtheilen, als ob für diese selbst aus dem kaiserl. Hat Nichts zu hoffen sei. Wir geben hierüber aus einem Berichte über Smyrna, den eine der jüngsten Nummern des Courr. franc. brachte (vom 31. Dez.) einige Stellen. „Von allen Stämmen, welche die Bevölkerung Smyrna's ausmachen, ist es die jüdische Nation, welche noch am wenigsten Vortheil bis heute aus der Art von Duldsamkeit gezogen, die in die Geister der Muselmänner einzudringen beginnt.") Alle Haiti-scheriffs von der Welt, fürchte ich, werden niemals den Widerwillen zerstören, der im Allgemeinen gegen sie herrscht. Der Türke, der in Frieden den Hund gehen läßt, der ihn beißt, wird den Juden schlagen, der vorübergeht, ohne mit ihm zu sprechen. Die Regierung hat Alles gethan, um diese Abneigung wachsen zu machen. In der Zeit der gegen die Griechen gerichteten Verfolgungen, zwang sie die Juden bald die Henker zu spielen, bald die Opfer in Säcken auf ihrem Rücken an's Meer zu tragen, indem sie damit den Haß, der dieses unglückliche Volk verfolgt, unverwüstlich zu machen suchte. Die Frauen und Kinder vor Allem sind treu in diesen Traditionen des Haffes." — „Wie groß nun auch der Haß der Muselmänner gegen die Juden ist, sie können sie nicht entbehren. An der Seite jedes türkischen Kaufmanns werdet Ihr stets den jüdischen Unterhändler finden. Ihre Geschicklichkeit, alle möglichen Sprachen zu sprechen, und alle Gewerke zu üben, macht sie dem Reisenden wie dem Kaufmann unentbehrlich. Der Aga, der ihm die Bastonnade ~) Vielleicht weil keine Schiffs- und Armeekanonen hinter der jüdischen Nation stehen? Redakt.