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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
Seite 43 (sequence 15)
Language
German
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43 formeln einen, ihrer jedesmaligen Gemüthsstimmung entsprechenden Sinn unterlegten, ohne sich um dessen hermeneutische Nichtigkeit im geringsten zu bekümmern. Daß dies oft mit unklarem Bewußtsein geschah, thut zur Sache nichts; und kein Unbefangener wird die Möglichkeit und Wirklichkeit einer solchen Andacht in Abrede stellen. Wer wird wol bezweifeln, daß der fromme Jude, der sein riVrecu tirt, ein aufrichtiges Sündenbekenntniß ablege, und wenn er auch kein Wort hebräisch versteht? — Dieß ist auch der Grund, warum man gerade in den z frömmsten, kirchlichsten Zeiten dem allgemeinen Verständnisse der Gebete nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkte, da jeder in dem vorgeschriebenen, wenn auch unverstandenen Gebete Befriedigung fand, in das er jeden beliebigen Gedanken, jedes beliebige Gefühl hineinlegen kvnnte. Ganz anders verhalt es sich in unfern Lagen. Die Besucher der Synagoge wollen und müssen erst in derselben angeregt, zur Andacht gestimmt, erhoben und erbaut sein; und die Auffassung des Gebetes als kirchliches Gebot, als religiöser Brauch sagt der Zeitbildung nickt zu. Darum strebt ja eben das! moderne Judcnthum, in innerer Weihe der; biblischen Begeisterung, in äußerer Würde dem europäischen Geschmacke, und in seinem Dringen auf gemeinsame Andachtsüdungen der rabbinischen Würdigung der Gesammtheit immer mehr zu entsprechen. Wie das biblische Judenthum sein lebenvolles, das rabbinische sein unterordnendes Princip in Auffassung und Behandlung des Gebetes beurkundet, so soll auch das moderne Judenthum darin seine vermittelnde, wiederbelebende Tendenz bewähren. Es soll dies um so mehr, als der öffentliche Gottesdienst gerade in unserer, asketische Uebungen und häusliche Andacht nicht beachtenden, Zeit einer sorgsältigern Pflege bedarf. Daß das Bedürfniß dieser Pflege allgemein eingesehen und gefühlt wird, zeigen die, sich immer mehr verbreitenden, und von Tag zu Tag an Consistenz gewinnenden Bestrebungen, der öffent- | lichen Gottesverehrung eine ansprechende, anregende, erhebende Form zu geben. Und wenn es die Mission des neuern Judenthums ist, den alten, ächt jüdischen, gottergebenen Sinn mit der modernen Bildung zu vermählen; so ist es mit einer noch so zwechnäßigen Einrichtung des Religionsunterrichtes in den Schulen bei weitem nicht abgethan. In der Synagoge muß das wahre Heil erblühen. Sie ist das Zion, von dem Lehre und Begeisterung, das Jerusalem, von dem das Wort Gottes ausgehen soll in seiner Lebensfülle und seiner Lebenskraft. Und darum soll das Streben und Wirken der Schule, welche in Beziehung auf den Religionsunterricht als Vorbereitungsanstalt der Synagoge zu betrachten ist, dahin gerichtet sein, ihre Zöglinge auf die entsprechendste Weise vorzubereiten, und so der Synagoge würdige Beter zuzusühren. Sie muß den Religionsunterricht auf, eine, mit'der synagogalen Verfassung möglichst übereinstimmende Weise einrichten und ertheilen, und jedem Mißverständnisse, jedem Konflikte, jedem Zerwürfnisse vvrzubeugcn und entgegen zu kommen streben. Der innere Geist und die sinnige Bedeutung der gottesdienstlichen Formen und Gebräuche muß, mit Rücksicht auf Alter und Faffungsgabe der Schüler, gehörig nachgewiesen werden, damit den Kindern im Gotteshause nichts unbegreiflich, nichts frenidartig erscheine. Hieraus ergiebt sich nun von selbst, daß die Schuljugend mit dem Sinne und Geiste der hebräischen Gebete bekannt gemacht werden müsse. Denn abgesehen davon, daß die hebräischen Gebete, als vorzüglichstes Einigungs - und Bindungsmittcl der Synagoge und ihrer Anhänger, immer mehr gewürdigt werden, und das oft urgirte b22 i-ib^n pab auf höherm Standpunkte nichts entscheidet, — von allem dem abgesehen, gehört ja die Frage der Beibehaltung und Nichtbeibehaltung der herkömmlichen Liturgie nicht vor das Forum der Lehrer, da sich die Schule der Synagoge und nicht diese jener accomodircn muß. Die Uebersetzung der Gebete würde sich nicht ohne den größten Nachtheil für das religiöse Leben aus den jüdischen Schulen verbannen lassen, und der Gegenstand an sich stellt sich als unabweisbar dar. Die Frage ist demnach nur eine didactische oder methodische, die allerdings alle Aufmerksamkeit praktischer Schulmänner in Anspruch zu nehmen verdient, und für deren Anregung jeder Lehrer dem Herrn Dr. Rehsuß vielen Dank wissen wird. Vielleicht werden folgende Vorschläge etwas zur Beseitigung der allerdings nicht unerheblichen Schwierigkeiten beitragen, mit denen Lehrer und Schüler bei diesem Unterrichtszweige zu ringen haben.

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