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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
Seite 42 (sequence 14)
Language
German
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42 Ceremonie, als Beobachtung eines vorgeschriebenen Gebotes, wobei aber sehr nachdrücklich auf innere Andacht, auf Geistes- und Gemüthserhebung gedrungen wird. In allen altern Stücken unserer Liturgie lebt ein reiner, frommer Sinn, der sich auf eine einfache, kindliche Weife ausspricht. Manches Unpaffende in diesen Gebeten ist spätere Zuthat, und aus Mißverstand stereotyp worden, wie dies namentlich bei dem vielbesprochenen wbiabi der Fall ist, was hier um so beachtenswcrthey ist, als sich noch in den neuesten Angaben Irrthümer darüber finden, die den wahren Standpunkt verrücken, und das Urtheil der Unbefangensten irre leiten. Abgesehen nämlich von dem nicht unerheblichen Anachronism, welchen Jost (kl. Gesch. II, 77) und Zunz (Vortr. 369), dem von Einer Stelle (Sem. S) irre geführten R. Jechiel folgend, begehen, wenn sie diesen, gegen Abtrünnige und Verrather gerichteten Spruch der Akademie Gamaliel's i. zuschreiben, während derselbe offenbar, wie die Quellen zeigen, der Schule Gamaliel's II. gehört; — abgesehen davon ist die Angabe selbst, daß Gamaliel diese sogenannte r^^-den achtzehn Sprüchen einverleibt habe ganz falsch und aus der Lust gegriffen. Im Gegensätze zu dieser Angabe wird ausdrücklich erzählt, daß sich Samuel, der Verfasser jenes Spruches, und, — wie es dem rr:i zu schließen ist, —- Vorbeter in Gamaliels Synagoge, ein Jahr nach dessen Abfassung nicht mehr darauf besinnen konnte, (Ber. 27. b); Beweis genug, daß derselbe damals noch nicht mit dem Schemone — Eßre vereinigt war, und daß es nur der Vorbeter bei außerordentlichen Veranlassungen recttirte. Und so wäre auch die Einführung dieses einzigen anstößigen Stückes im Siddur von keiner ordentlichen Kirchenbehörde ausgegangen. Für dessen spatere Aufnahme gewährt die Stellung der Synagoge wol nicht Rechtfertigung doch Entschuldigung genug. Die Altrabbinen pflegten auch zu der gewöhnlichen, täglichen Tesilla am Schluffe ein eigenes, von ihnen selbst verfaßtes Gebet hinzuzufügen. Manche dieser Privatgebete sind später in das Siddur ausgenommen worden; manche, und zwar gerade die schönsten, blieben merkwüroiger Weife vernachlässigt und unbeachtet. Man betrachte nur folgendes Gebet Elieser's: Vollbringe deinen Willen im Himmel, und verleihe Heiterkeit des Herzens denen, die dich suchen auf Erden und was gut in deinen Augen ist lasse geschehen; sei gepriesen, Herr, der du Gebete erhörst, (Ber. 29. b). Wie kurz und inhaltreich! — Alle diese Privatgebete sind in einem herzlichen, demuthvollen, ansprechenden Tone gehalten, und Einzelnheiten wie '''Lr: -i"mri ff'vaiLuIi in dem schönen Gebete nir:: wo es nach hebräischem Sprachgebcauche heißen sollte, — abgerechnet, in correcter, meist biblischer Sprache abgefaßt, und verdienten wol in deutscher Uebecsetzung zusammengestellt zu werden. Wie sich nun das Gebet in dem freien, schöpferischen und schaffenden biblischen Judenthume als ein freies, geschaffenes, dem inncrn Quell der Begeisterung entfließendes hcrauSstellt; so erscheint es in dem befolgenden, sich unterordnenden rabbinischen Judenthume als ein gebotenes, vorgeschriebenes, das nach bestimmter Norm und Form verrichtet sein will. Dort ist's die unter freiem Himmel blühende Blume im Thale Jericho's; hier die Treibhauspflanze, die sorgfältig gehegt will sein und gepflegt, auf daß sie nicht verblühe und verwelke. Dort ist's das lebendige Gefühl, das sich, einem unwiderstehlichen Drange folgend, ausspricht in lebendigem Worte; hier ist i das Wort, der Buchstabe das Gegebene, dem erst Geist und Bedeutung, Sinn und Leben gegeben werden soll. Dort ist's freies Erzeugniß des Individuums, hier vorzugsweise Sache der Gesammtheit, durch deren Vermittelung der Einzelne die heilsamen Wirkungen des Gebetes erwartet. — Der Geist der Andacht ist aber aus diesen Gesammtheiten bis auf die neuere Zeit herab wirklich nie gewichen, wiewol man dies so oft von der äußern, allerdings von keiner ästhetischen Bildung zeugenden Form irre geleitet, behauptet hat. Dies war ja eben das Eharakteristische der Synagoge, daß Diejenigen, die sich darin versammelten, die Andacht mit hineinbrachten, und daß es hier der äußern, künstlichen Anregungs- und Erbauungsmittel gar nicht bedurfte. Ja selbst Diejenigen, welche nicht einmal den'Wortsinn der gesprochenen Gebetsformcln verstanden, — und ihre Zahl war zu allen Zeiten sehr beträchtlich, — fanden Trost und Beruhigung, Erbauung und Erhebung im Gebete. Nicht nur in der Ueberzeugung, daß sie in und mit dem Gebete ein frommes, gottgefälliges Werk üben; sondern auch, und zwar vorzüglich darin, daß sie den vorgeschriebenen Gebetö-

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