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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Literatur. Archäologie. Homiletik. Soll die Ueberschmig der hebräischen Gebete Gegenstand des Jngendmiterrichtes sein, und wie soll dieselbe gelehrt werden? Mit Rücksicht auf die von Dr. Rehfuß in diesen Blättern (No. 98) vorgetragenen Bedenklichkeiten"). Von Leopold Löw. Bei keiner gottesdienstlichen Handlung tritt die, von den verschiedenen Entwickelungsstufen des Judenthums bedingte, Verschiedenheit der Bedeutung, der Tendenz und des Werthes so deutlich hervor, wie beim Gebete; in keiner stellt sich der Einfluß von einander abweichender Bildungszustände auf eine so unverkennbare Weise dar. Das Gebet ist gleichsam das Eudiometer, nach welchem sich das Maß der Lebenslust in der religiösen Atmosphäre der verschiedenen Zeiten bestimmen läßt; in ihm ists, wo sich der Geist des biblischen, rabbinischen und modernen Judenthums auf's Entschiedenste ausspricht. Im biblischen Judenthume erscheint das Beten nicht als Gebot, nicht als vorgeschriebene, gottesdienstliche Pflicht. Hier fließt es aus den Tiefen des Herzens, und ist freier Erguß eines frommen, gotterfülltm und gottergebenen Gemüthes, welches nicht nur bei dem mächtigen Beschützer Israels Hülfe und Beistand in Noth und Bedrängniß, bei dem allerbarmenden Vater, Vergebung und Tilgung der erkannten und bereuten Schuld, sondern in der Erhebung zu Gott, in dem Preisen seiner Größe und Erhabenheit, in der Ergebung in den Willen des Lenkers menschlicher Schicksale, die höchste Weihe, die reinste Seligkeit, den süßesten Trost sucht und findet. Darum wechselt in den biblischen Gebeten der Hymnus, das Lob Gottes mit der Bitte und dem Bekenntniß der eigenen Schwäche und Unzulänglichkeit unaufhörlich ab; darum bilden Lob, *) Wir geben zuvor eine Entgegnung vom allgemeiner« Standpunkte, die praktischeren folgen. Red. Bitte und Bekenntniß die so oft wiederkehrenden Accorde in - den alten hebräischen Gesängen und Liedern, Accorde, welche wiederhallen in jedem fühlenden, religiös gebildeten Herzen; und darum pflegt auch im biblischen Hcbraismus das Wort rtsn nicht nur Gebet, Bittgebet, sondern auch Lob, Lobgesang zu bedeuten, so wie umgekehrt das 'n Dan s*ip ursprünglich Gott loben, preisen, dessen Ruhm verkünden, dann auch beten, Gott anrufen bezeichnet. So sehr aber auch die erhebende und heiligende Kraft des Gebetes im biblischen Alterthume verstanden und gewürdigt ward; so war es doch, — und vielleicht eben dieses Verständnisses wegen, — mehr Sache des Einzelnen, des andächtigen, Gott preisenden und anrusenden Individuums, als Gegenstand der Gemeinde und Gesammtheit, welche sich nur bei außerordentlichen Gelegenheiten, an Festen und Fasttagen zu gemeinsamem Zwecke der Erbauung zu veri sammeln pflegte. Erst während des Aufenthalts in Babel scheint die, Opfer und Altar entbehrende, Gemeinde den Werth gemeinsamer Erbauung mehr gewürdigt zu haben, und daher heißt das zu erbauende Heiligthum bei den Schriftstellern jener Epoche Bethaus, n-a, eine Benennung, deren sich ältere Autoren nie bedienen, und welche nach der Restauration des Tempel- und Opferdienstes wieder verschwindet. Eine Bemerkung, welche, beiläufig gesagt, für die Kritik mancher prophetischen Stücke nicht unerheblich ist. Wie nun überhaupt in keiner Beziehung der Uebergang aus der biblischen in die rabbinische Denk- und Empsindungsweise zu verkennen ist, dem wir in den jüngern Büchern der heiligen Schrift begegnen; so ließe sich dieser Uebergang auch in der Entwicklungsgeschichte der Liturgie Nachweisen, wo auch die neuesten Untersuchungen Vieles zu berichtigen und zu ergänzen übrig gelassen, was aber nicht hieher gehört, da wir hier nur Werth und Bedeutung des Gebetes in den drei Haupterscheinungen des Judenthums zu beleuchten haben. Im rabbinischen Judenthume erscheint das Gebet als Erfüllung einer gebotenen Pflicht, als

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