Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1840)
- Date
- 1840-01-18
- Page
- Seite 39 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Auszüge. Die Juden in der Türkei"). Wenn die Armenier den Muselmännern durch ihre Sitten nahe stehen, so findet, nach einer Seite hin, noch eine größere Ähnlichkeit zwischen diesen und den Juden statt. Die Religion bildet hier den Berührungspunkt. Die Formel der Einheit Gottes, welche Muhamed aufgestellt hat, ist von der mosaischen Anschauung nicht unterschieden. Ferner sind beide Völker beschnitten, beide haben einen Abscheu vor den unreinen Thieren, beide dulden keinen Bilderdienst. Die Juden im Orient haben Jahrhunderte hindurch eine unerschütterliche Anhänglichkeit an die Rabbinischen Satzungen, eine unauslöschliche Abneigung gegen jede Aenderung, sowol der religiösen Einrichtungen, als auch ihrer Sitten und Beziehung zu Fremden, offenbart. Sieht man sie, auf ihr Stadtviertel beschrankt, jeden Umgang mit Christen und Muselmännern vermelden, Schmach und Schimpf geduldig hinnehmen, ohne anderen Trost als die Zuversicht einer glorreichen Zukunft, so weiß man nicht, ob man sie nicht mehr bemitleiden als verachten soll. Die Türken Haffen und verfolgen sie nicht, aber sie verachten sie und lassen sie die Folgen dieser Geringschätzung in jedem Augenblicke empfinden. Die in der Türkei wohnenden Juden sind sehr unwissend, abergläubisch und unduldsam. Sie verstehen sich durchaus nicht dazu, ihren Kindern eine andere Erziehung zu geben, als diejenige, welche der Talmud geben kann, sie lassen dieselbe!? nicht einmal eine Europäische Sprache lernen, obgleich diese Kenntniß für sie von großer Wichtigkeit sein müßte, denn die Juden in der Türkei haben reine eigene Sprache und sprechen nur eine verderbte Spanische Mundart. Vor einigen Jahren versuchten philanthropische Protestanten die Smyrnaer Juden dem unglückseligen Zustande, in welchen sie ihre Unwissenheit versetzt hat, zu entreißen; sie schlugen den Rabbinern und Gemeinde-Vorstehern vor, eine Schule zu eröffnen, in welcher ihre Kinder in den Elementar-Gegenständen unterrichtet werden sollten; sie wollten alle Kosten tragen und den Juden selbst die Leitung übergeben. Die Radbiner sahen indeß in diesem Anerbieten nur eine Schlinge, welche die Christen der Reinheit ihres Glaubens legen wollten, und sie begnügten sich nicht mit einer abschlägigen Antwort, sondern sie thaten auch im Voraus alle Kinder, welche die Schulen der Christen besuchen würden, und die Aeltcrn derselben in den Bann. Ich unterhielt mich eines Tages mit dem Oberrabbiner über den glücklichen Zustand seiner Glaubensgenosö) Aus dem Magaz. f. Lit. d. Ausl. Wir nehmen hierbei Gelegenheit, daß wir für die Artikel unter der Rubrik „Auszüge" durchaus nicht individuell stehen können. Wir entlehnen sie als Aussprache Anderer über unsere Glaubensgenossen, je nachdem sie Bemerkenswerthes zu enthalten scheinen. D. Redakt. sen in Frankreich; um seine Eigenliebe aufzustacheln, hatte ich eine Stelle aus einem Journale übersetzt, in welcher alle Juden aufgezählt wurden, die eine bedeutende Stellung in den Wissenschaften, den Künsten, und selbst Ln der Armee errungen hatten. Ich glaubte ihn : überzeugt zu haben, aber er antwortete: „Die Juden in j Europa sind Christen, welche durch das Lesen unheiliger j Bücher ihr Heil verscherzt haben; sie genießen die Güter! dieser Welt, aber im Paradiese wird kein Platz für | sie sein."! Die orientalischen Juden glauben, daß der Talmud; von Gott ausgegangen sei. Ihrer Ansicht nach, besteht i kein anderer Unterschied zwischen dem Pentateuch und I dem Talmud, als daß der erstere mündlich von Moses ' überliefert worden ist, der andere schriftlich. Sie schreij ben aber beiden Ueberlieftrungen einen gleich göttlichen 1 Ursprung zu. Weder bei der Feier der jüdischen Feste, j noch in der Beobachtung der unbedeutendsten Vorschriften! des jüdischen Kultus haben sie sich die geringste Veranj derung erlaubt. Die Türkischen Juden haben sich nicht I von den Manichaischen Ansichten frei erhalten können, j die in alle orientalische Religionen eingedrungen sind, j Sie nehmen ein Reich der Dämonen und ein Reich der! Engel an; Satan steht an der Spitze der ersteren, wie i Gott an der Spitze der letzteren. Jeden Menschen geleij ten zwei Engel bis zum Tode; der gute Engel hält sich! rechts, der andere links. Außerdem ist die Luft von bö-! sen Geistern erfüllt, welche Schedim heißen. Dieses 1 Wort sprechen sie nur mit Zittern aus, und wenn sie l die bösen Geister bezeichnen wollen, nennen sie dieselben! „die draußen." Sie leben der festen Ueberzeugung, daß! ein großer Theil der Krankheiten, mit denen die Kinder! heimgesucht werden, dadurch entsteht, daß diese Geister in! den Körper derselben eindringen. Wenn ein Kind fallt, so glauben sie, daß ein Dämon diesen Augenblick als den günstigen wählt, um in seinen Körper einzuziehen. Deshalb streuen die Mütter Zucker auf die Stelle, wo das Kind gefallen ist, damit die Schedim, welche sehr naschig sein sollen, ihre Kinder verschonen. Auch für die Frauen, welche in Wochen sind, fürchtet man die Angriffe der bösen Geister. In diesem Falle halt man Knäuel, welche mit Nadeln besteckt werden, und Knoblauch für besonders wirksame Talismane. Am Tage vor der Beschneidung wird das Kind sorgfältig von den Aeltern bewacht, weil diese fürchten, Aschmedai, der König der Schedim, werde es ersticken. Alle diese Vorurtheile haben die Juden wie es scheint, aus der Babylonischen Gefangenschaft mitgebracht, und die Bücher, welche dieselben enthalten, sind in Chaldäischer Sprache geschrieben. Die Rabbiner haben einen großen Einfluß, weil ihnen die Negierung das Recht verliehen bat, in den Bann zu thun. Derjenige, den der Bann trifft, ist außer dem Gesetze, und es bleibt ihm nichts übrig, als durch die schleunigste Unterwerfung Verzeihung nachzusuchen. Die Rabbiner sind die Lehrer des Gesetzes; in allen Civit- Prozessen, die von den Juden anhängig gemacht werden