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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
Seite 38 (sequence 10)
Language
German
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38 Gottes; man verbannt den reinen Monotheismus, und erklärt ihn für einen staatsgcfährlichen Glauben. Nun aber beruht, wenigstens nach den ausdrücklichen Worten des Evang. Marci (XII. 29, 30) auch die Staatsreligion der Norweger auf ganz derselben Grundlehre, indem es allda heißt, der Stifter des neuen Glaubens habe auf die Frage, was das fürnehmste Gebot sei, erwiedert: Höre Israel! der Herr dein Gott, ist ein einiger Gott rc. Wenn nun auch in den andern Evangelisten dieser erste Satz sich nicht wieder findet, und jene Grundlehrc etwas moderirt worden sein mag: so bleibt doch immer ein entschiedner Monotheismus das eigenthümliche Bekenntniß des Christenthumes. Auch in Nebensachen des Glaubens weichen wir von. den Christen oder die Christen von uns, in keinem wesentlichen Puncte ab. Ich erwähne besonders der Messiaslehre. Zwar können wir uns nicht überzeugen, daß er'schon gekommen sei, und daß das Reich Gottes auf Erden schon begonnen habe: allein auch daran sind wir gewiß ganz und gar nicht selbst schuld. Wir vermissen nämlich noch alle wesentlichen Merkzeichen, an denen wir erfahren sollen, daß jenes Erlösungswerk der Menschheit schon vollbracht und weit vor unserer Zeit vollendet sei. So unter Anderm, soll der Messias das ganze Haus Israel aus der Verbannung befreien, von der Schmach der Knechtschaft erlösen, und es wieder versammeln in seinen uralten Wohnungen. Wenn wir nun auch zugebcn müssen, daß dieses, oder doch etwas diesem Analoges in christlichen Staaten durch die Annahme des christlichen Messiasglaubens, und Bekenntniß jenes Factums, als sei es gesehen, zu erzwecken ist: so müssen wir uns andrer Seits dagegen doch den triftigen Einwand machen, daß dieses Bekenntniß auf den größeren Theil unseres Stammes in Asien und Afrika ganz ohne Wirkung bleiben würde,- und unser neuer Messiasglaube würde dadurch einen harten Stoß auszuhalten haben. Ein anderer, noch viel wichtigerer Zweifel an dem Eingetretensein des Gottesreiches auf Erden, giebt uns die Geschichte jener Staaten insgesammt, die sich zu dieser Lehre seit fast zwei Jahrtausenden bekannt haben, und (sollen wir es frei bekennen!) selbst Norwegens. Die Menschennatur soll sich nämlich mit dem Eintritte des Messiasreiches in solcher Art umgewandelt haben, daß sie wie neu geschaffen erscheint; daß alle sie verdüsternden Maale der Sünde, des Truges, der irdischen Gelüste in ihr verloschen sind; daß statt des alten Hasses der Scythen und Heiden, echte aufrichtige Bruder-, selbst Feindesliebe sie beherrschen; daß alle Grundgesetze und Grundsätze der Verfolgung und der Barbarei von dem Angesichte der Erde verschwunden sind, und die alten Sagen halcyonischer Träume sich verwirklicht haben. Sie begreifen leicht, wie wenig wir einem Glauben uns aus Ueberzeugung hingeben können, der solche Zeugnisse für seine Wahrheit anruft, und zwar wahrend zur selbigen Zeit ein Staatsgrundgesetz eines Volkes, das sich zu diesem Glauben bekennt, uns mit rücksichtloser Feindseligkeit behandelt, indem es uns ohne Urtheil und Recht ausstößt. Uns sind die Zeiten und das Reich des Messias verheißen, als Zeiten der Eintracht und des Friedens auf Erden: wir sehen dagegen nichts als Krieg und Zwietracht von einem Ende der Welt bis zum andern. Zu den Zeiten des Messias soll Lamm und Tieger friedlich neben einander weiden, und ein Knabe sie hüten: wo ist zu dieser Verheißung, auch metaphorisch oder hyperbolisch genommen, nur das entferntest entsprechende Bild in der Wirklichkeit? — Irren wir aber hierin, so bitten wir um Belehrung, Belehrung nach der Weise desselben Evangeliums, in dessen Namen man ein gegründetes Recht uns zu verbannen, aussprechen zu dürfen glaubt. Das Evangelium giebt uns die Weisung „an den Früchten sollt ihr sie erkennen!" Und wurde die Religion so sehr unter die Füße gebracht, daß sic sich einem erbärmlichen Handelsneide und einer albernen Philisterfurcht zum Schilde hergeben mußte; so verarge man uns doch ja den Rückschluß auf den Baum, der sie trägt, nicht. — Wir fordern jene Thatsachen zum Beweise, daß der Messias schon gekommen sei. Was helfen Prediger auf den Sklavenschiffen Europa's und Amerika's? Wir fordern die Uebung göttlicher Gerechtigkeit und Liebe, und es ist die Aufgabe derer, die da die Geschichte des Messiasreiches als eine vorhandene That lehren, diese That durch Thatsachen zu beweisen, statt sie blos zu predigen, und nebenbei durch entgegengesetztes Thun Lügen zu strafen. (Schluß folgt.)

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