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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-11 · Heft 2 (11.1.1840) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 2 (11.1.1840)
Date
1840-01-11
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 Eine oder andere der daselbst lebenden Männer von wahrer Bildung und Intelligenz, ja selbst nicht Wenige mit akademischen Graden geziert in die todte Masse eingreift, um ihr Leben und Bewegung zu verleihen, müssen wir abermals die Ursache in der eigenthümlichen Beschaffenheit unserer Lokalangelegenheiten suchen. Wenn auch die indifferente Menge, , wie man gestehen muß, geistig höhergestellten Individuen jene Anerkennung und Verehrung nicht versagt, die ausgezeichnetem Persönlichkeiten sich allüberall zu erringen und zu sichern wissen; wenn sie sogar Männern von Kunst und Wissenschaft jenes gläubige Vertrauen gewahrt, welches nur anerkannter Rechtlichkeit und Fähigkeit zu Theile wird, so verhält es sich doch ganz anders, w/nn es sich um ein religiöses Prinzip handelt. Die Männer, denen man freudig Gut und Leben anvertraut, wie rein und unbescholten auch ihre Sitten, wie fromm und bieder auch ihr Lebenswandel, wie strikt und sorgsam sie sogar in Erfüllung der unbedeutendsten äußern Formen des Cultus sein mögen, haben im Rache der Gläubigen weder,Sitz noch Stimme. — Tugendwandel, Sittenreinheit und ein strenges Moralpnnzip sind ja nicht allein die wesentlichsten Bedingungen echter Religiosität, wenn sie nicht durch einen langen, mit einer Binde um die Mitte festgeschnürten Talar, einen langen, durch keine Scheere angetasieten Bart, und ähnliche Requisiten vervollständiget und geheiligt werden. Wer in Polen das hier den Israeliten eigenthümliche Gewand abtegt, muß auch in moralischer und sozialer Beziehung sich alles Einflusses im Voraus begeben! — < Wenn ich nun die ätiologischen und Causalverhaltnisse des betrüblichen Kulturgrades der lemberger israelitl, schen Gemeinde im Allgemeinen darzulegen mich bestrebte, und die Grundursache aus der traurigsten Manifestation des Geistes, aus einem sterilen und lebenbannenden Indifferentismus entwickelte, sollte denn nicht bei den gewaltigen Ressourcen, die die Hauptstadt darbietet, auch eM durchgreifendes Heilmittel sich vorsinden, diesem tiefeingewurzelten Uebelstande zu begegnen? — Wo ein Krankheitsbild so offenbar zum Vorschein kömmt, wo die Symptome so deutlich die Anomalien der Organisation wiederspiegeln, da muß es, wenn es nur kein unheilbares ist, bei einigem Aufwands von Kraft und Geduld durch anhaltende entsprechende Entgegenwirkung früher oder später, aber doch' einmal" überwunden werden! — Daß es auch hier an einem wirksamen Mittel nicht fehle, glaube ich durch eine vietjahrige genaue Bekanntschaft mit den vorzüglichsten Gemeinden Galiziens wohlgemuth behaupten zu dürfen. — Es besteht dieses, meiner Ansicht nach, in einem innigen Zusammenwirken einer allgewaltigen, außerhalb der Sphäre der Gemeinde influirenden Kraft, mit einer im Innern Derselben entsprechenden Wirksamkeit! — Die hohe österreichische Regierung, unter deren schirmenden Aegide das Heil so vieler Völker verschiedener Confession, verschiedener Sprache und Denkweise so fegen? reich gedeiht; die mit eben so vieler Weisheit als Milde die stete Entwicklung mannigfacher Interessen zu fordern sich bemüht, jedem die gehörige Bahn vorzeichnend, auf der, bei gesteigerter materieller Wohlfahrt auch die geistigen Potenzen im gleichen Maße sich entfalten müssen, trägt auch mit gewohnter Humanität für das Wohl ihrer zahlreichen jüdischen Unterrhanen die unermüdlichste Sorgfalt. — Mögen nur immerhin die ruhelosen Mäkler und Ordner am europäischen Staatensystem mit vollen Backen über politischen und geistigen Druck in Oester^ reich sich entrüsten; jeder Biedere, dem Recht und Wahrheit kein leerer Klang ist; jeder, der einen gedeihlichen und erfreulichen Tatbestand vom Seiftnblasenschimmer zu unterscheiden vermag, wird gerne gestehen, daß im großen Kaiserstaate jede billige und vernünftige Anforderung still und geräuschlos ihre Realist'rung findet, die in manchen constitutionellen Staaten nicht selten in Wortgepränge und Phrasengeläute ihre einzige Befriedigung erhält. Die unzähligen Gnadenbeweise, deren sich die galizische Judenschaft erfreuet, würden aber noch günstigere, rascher und klarer sich entwickelnde Resultate zu Stande bringen, wenn es der hohen erleuchteten Regierung gefiele: durch besondere- Bevorzugung, und spezieller Rechtsgewährung (nach Ermessen der löbl. Behörden) gebildete und verdienstvolle Israeliten vom rohen Trosse zu unterscheiden! — So würde die humane Staatsgewalt ihre unleugbar edle Bestrebung, eine Masse treuer Unterthanen ihrem großen Völkerbunde würdig anzureihen, am schleunigsten in Erfüllung gehen sehen. — Geringschätzung und Zurücksetzung sind ja die schmerzreichsten Dornen im menschlichen Leben; und keine schärfere Lauge giebt es für das Gemüth als durch eigenes Verschulden dem Glücksrade den Hemmschuh anzulegen! Welche reichhaltige, segenreiche Saat könnte ein so hoher Beschluß für die nächste Zukunft schon vorbereiten. Durch das Hinweisen auf ein ehrenvolles, glänzendes Ziel, ward noch von jeher die Seelenkrast geläutert und gehoben, und allem Edlen und Hohem menschlicher Strebung tag eine bestimmte Richtung, ein vorgehaltener Endzweck zu Grunde! Gewiß! allen ln Oestreich dem Judenthume bereits gespendete Wohlthaten, würde diese letzte erfolg-- reichste Gewährung die Krone auffetzen! — Im Vereine mit diesem Sonnenstrahls von. Oben)» müßte auch im Innern der Gemeinde eine lebenskräftige. Regsamkeit sich bethätigen, um den so länge erstarrten Boden für ein künftiges Gedeihen urbar.- zu machen. giebt in Lemberg Gott sei Dank! auch würdige Geschäftsmanner von fleckenloser Rechtlichkeit und- Frömmigkeit,, die in echt polnisch-jüdischer Hülle,, eine, wahrhaft deutsche, gründliche Bildung, sich aneigneten, und dahev auf die Gemeinde den größten Einfluß, ausübem An Einsicht, gutem Willen,, und Freudigkeit im- Wirken fehlt' es ihnen gewiß nicht) undeS bedarf sicherlich, nur einer passenden Anregung hohem Orts,. daß sie ungesäumt Hand ans' WeE legem. — Unsere Hobe Lökalbrhörvr scheint diese Nothwendigkeit erkannt haben, indem sie

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