Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Date
- 1840-01-11
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 So währte das Angstgeschrei die ganze Nacht hindurch, der Morgen erwachte, aber er scheuchte die finstern Schatten von Hyrkan's Seele nicht weg, seine gefesselten Glieder reckten sich in wilder Angst aus, bis sie schlaff zusammensanken, seine gefesselten Sinne schweiften über Trümmer Zerusalem's, über Trümmer des Tempels. Da gingen die Thüren des Kerkers auf und herein führten bewaffnete Parthcr den Phasael. Dieser sah bald auf den Priester, bald auf Marianlne, die mit der ganzen Macht kindlicher Liebe den Geist des Großvaters in das ruhige Gleis zurückzulenken suchte, bald auf die Parther, die grinsend den wahnwitzigen Worten des Hohenpriesters zuhorchten. Da rief er wüthend: Also, ihr Söldner, hoffet ihr den Tetrarchen Phasael und den Hohenpriester Zudaa's in euer Barbarenland zu führen und an der Sklavenkette die gefallene Größe zu leiten. Hier, saget dem Pacorus, ich weiß meinen Bruder gerettet, in ihm lebt der Racher meines Todes und dieses Elendes! Mit diesen Worten stieß er sein Haupt gewaltsam wider die Mauer, sein Blut spritzte auf das härene Gewand des wahnsinnigen Hohenpriesters und aus die Locken MariammW. Diese siel ohnmächtig nieder. Als sie erwachte, fand sie sich neben dem gefesselten Greise auf einem persischen Wagen, der von zahmen Büffeln gezogen, von parthifchen Knechten geleitet und von feindlichen Kriegern umgeben war. Sie waren auf dem Wege nach Parthicn. Da erscholl von der Ferne ein schmettern, des Horn, wie im Fluge schwebten auf jagenden Rossen arabische Reiter heran, umgaben den Wagen, hieben einige Begleiter nieder, und ehe noch die Parthcr zur Besinnung kamen und der Nachtrab herancilte, hatten sie schnell die Fürstin auf ein Pferd genommen und eilten mit der schönen Beute dem Wege der Wüste zu. verzweifelnd ließen die Anführer der parthifchen Horden ihren Grimm an dem wahnsinnigen Priester aus, der seinen Arm nach der Tochter ausstreckte und in die Wüste ihren Namen hineinrief. Mit wenigen Getreuen war indeß Herodes aus Jerusalem in nächtlicher Dunkelheit geflohen unh hatte den Weg nach Jdumäa cingeschlagen. Bort hoffte er die Seinigen in Sicherheit zu bringen und in unermüdetem Streben neue Hütfsquellen zu entdecken,, die verlorne Macht wieder zu erlangen. Obgleich unaufhörlich von den Parthern und den Truppen des Antigonus verfolgt, so gelang es ihm dennoch, auf dem Wege die Flüchtlinge seines frühem, größtentheils aus Ausländern bestehenden Heeres zu sammeln, ja selbst von den Judaern gingen Manche zu ihm über, die das wilde Treiben der Parther im Lande erbitterte. So wuchs der ihn umgebende Haufe zu nicht unbeträchtlicher Anzahl an. Indem er die Mitglieder seiner Familie, Mutter und jünger» Bruder, vorausschickte, stellte er sich, ihre Flucht schützend, überall dem Feinde entgegen, wo dieser ihn ereilte, ja als ihn endlich die Uebermacht umzingelte, schlug er in einem glänzenden Treffen sich durch und drängte die Verfolger zurück. An dieser Stelle seines Sieges erhob sich späterhin zum Angedenken die Burg Herodium in königlicher Pracht. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p o u d e n; e n. Von der galizischcn Gränze, Dez. 1839. Die Gemeinde Lemhee,;. (Schluß.) Als galizischcr Jude, wenn auch nicht aus Lemberg gebürtig, voll Gluth und Begeisterung für das Gedeihen der guten Sache in Israel, blutet mein Herz, ein so schmähliches Bild von der einzigen Anstalt unserer größten Gemeinde entwerfen zu müssen. Kann man mich jedoch der Unwahrheit, der Parteilichkeit, ja nur der geringsten Ueberkreibung zeihen? Ich fordere die Besten und Fähigsten dieser Gemeinde auf, dem Gesagten zu widersprechen wenn sie es vermögen! Ich rufe die Stcengfrommen und Altgläubigen an, die Thatsache in Abrede zu stellen, wenn sie es ihrer heiligsten Ueberzeugung nach dürfen! — Ich habe meine Feder in die Tinten der Wahrheit getaucht, und suche meiner Zeichnung Daguerreotipische Treue zu gewahren! Wie glücklich und froh wäre ich, könnte ich das entworfene Bild unseres sozialen und religiösen Zustandes, so vielen, anderer Länder ähnlich, im heiteren Farbenschmucke prangend erblicken! Wo es sich aber um so heilige Interessen, als Bildung, Fortschritt, und achte Religiosität handelt, da wäre jedes Verhüllen unverzeihliche Sünde, jede, selbst die geringste Abweichung vom Pfade der Wahrheit;— Blasphemie! — Um dem zweiten scheinbaren Widerspruche zu begegnen, daß nicht der