Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Date
- 1840-01-11
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
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24 B ellettlfkit. Die Wanderung durchs Leben. Eine Zeit-Novelle. (Fortsetzung.) Die letzten Hasmonäer. (Zwischennovclle. Fortsetzung). Hart an der Küste lag die feste Burg Ekdixxon, von der man weit über das brausende Weltmeer schauen konnte, dessen Wellen sich schäumend, in eintönigem Geräusche am Felsen brachen, auf welchem die Burg gebaut war. Rings um diese Feste war es öde und stille, und nur der Zuruf der parthischen Wachen unterbrach zuweilen die allgemeine Ruhe. Hier, in Ekdixxon, wurde der Hohepriester Hyrkan mit dem Bruder des Herodes, dem Tetrarchen Phasael, gefangen gehalten. Dem Worte des parthischen Satrapen vertrauend, der gastfreundschaftliche Vermittlung mit Antigonus anbot, hatten sie sich, gegen den Rath des Herodes, in's parthische Lager begeben, doch kaum war man ihrer sicher und die Flucht des Herodes bekannt, so wurden sie gefesselt fortgesührt und in jener Burg verwahrt. Jetzt lag im einsamen Kerker der Greis Hyrkanes, aber auf seiner Brust glanzte nicht das Schild des Ephod, denn heruntergeriffen war die königliche Kleidung und ein härener Kittel vertrat ihre Stelle. Schaudernd sah er hinab durch das gegitterte Fenster, durch welches die kalte Meeresluft zog. Auf ihm lastete kein Borwurf als Schwäche des Charakters, die sich in allen seinen Handlungen verrieth, und die ihn vom Anfang seiner Laufbahn an, dem kräftigen Geschlecht des Antipater, feines idumäifchen Günstlings, unterwarf. Auf Antrieb jenes Günstlings hatte er mit Hülfe der Römer seinen Bruder Aristobul, den Vater des jetzt in Jerusalem herrschenden Antigonus, vom Königsthrone verdrängt, im Wahne, mit der höchsten geistlichen Würde nach alter Sitte auch die höchste politische Macht zu verbinden, aber die letztere ging unvermerkt in die Hände des Antipater über, der endlich förmlich von den Römern zum Statthalter Judäa's ernannt wurde, während der unglückliche Aristobul, nach vergeblichen Versuchen, sich des Thrones wieder zu bemächtigen, von den Römern vergiftet in der Fremde starb. Da erwachte im Hohenpriester das Gefühl bittrer Reue, er gab seine Tochter einem Sohne seines Bruders zur Gattin, aber vergebens suchte er jetzt dem Eidam die Gewalt zu verschaffen, die er selbst aus den Händen gegeben, auch dieser wurde ein Opfer der Jntriguen. Nun. mehr gab Hyrkan selbst die Hoffnung auf, die weltliche Macht an sein Haus zu fesseln und ein unglücklicher Wahn trieb ihn immer wieder in die Arme der idumäifchen Günstlinge, der, daß die Söhne seines von ihm verdrängten Bruders nicht fähig wären, sein Vaterland in den kritischen Umständen, in denen es sich zur damaligen Zeit befand, zu schützen, und ganz setzte er sein Vertrauen in die. Söhne Antipater's, die Tetrarchen Herodes und Phasael, die durch Heldenmuth sowol, als durch den Einfluß, den sie bei den Römern zu erlangen wußten, schon zu viel im Lande vermochten, wohlbedächtig aber die hohepriesterliche Würde unangetastet ließen. Ihm genügte diese erhabene Würde und die frohe Aussicht, mit dem Helden Herodes seine Enkelin Mariamne zu verbinden, die durch bezaubernde Anmuth und Erhabenheit der Gesinnung das wilde. Gemüth des Tetrarchen fesselte. So, träumte Hyrkan, könnte er durch die vielgeliebte Enkelin, getrost den Ruhm des hasmonäischen Königshauses auf ein neues kräftiges Geschlecht übergehen sehen. Jetzt schienen alle diese Hoffnungen zertrümmert. Wieder saß ein Hasmonäer auf dem Throne Palästina's, und dennoch war das Gefühl des Hohenpriesters selbst für diesen Sprößling seines Hauses nicht gänzlich erloschen, aber zu stark band ihn Gewohnheit an die frühern Verhältnisse, zu schneidend war der Contrast zwischen der frühern und jetzigen Lage, zu drückend die Gefangenschaft unter den Barbaren, die den Träger der Heiligkeit Jsrael's verhöhnten und ihn zur Verzweiflung bringen wollten. So zerriß seine Seele der Zwiespalt innrer sich widerstrebender Empfindungen und führte sie fast zum Wahnsinn. Schon das Alter sing an die äußern Sinne zu zerstören, die Augen wurden blöde, sein Ohr hörte nur noch das Geschrei der Seemöven und das Krächzen der Nachteulen, die den Thurm umschwirrten und an den zitternden Gliedern rasselte die schwere Kette, aber mehr als alles dies beugte den Geist der Verlust des Hohenpriesterthums, das ihn mit der Gottheit verband, seine Sehnsucht war nach dem Tempel gerichtet und im Hause bes Herrn die Festesopfer zu