Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Date
- 1840-01-11
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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23 oft lang nach seinem Scheiden, an das Licht des Tages treten. Nur der Eigennutz will mit einem Male die Welt bezwingen, und wirst so den Menschen in neue Fesseln. Das Jahr 1839. (Schluß.) In äußerer Beziehung ist das verflossene Jahr ruhig vorübergegangen, die Stimmen gegen Juden und Judenthum schwiegen, im Gegentheil erwies es sich öfter, daß, wo gerader und cigennutzloftr Sinn sich über unsre Angelegenheit ausspricht, dies nur mit Anerkennung und schöner Würdigung geschieht. Wir erinnern an daS „Conversationslexikon der Gegenwart." Eine Schmähschrift aus Hamburg hingegen, welche des niedrigsten Schmutzes voll war, fand abseits keine Berücksichtigung. Im verflossenen Jahre wurde der 9. September in vielen Gemeinden als der Anfang des JahrM vllOO durch Predigt begangen, und inan nahm die Gelegenheit wahr, die verschiedene Lage sich in's Bewußtsein zu rufen, in die das Judenthum seit hundert Jahren gekommen. Die ganze Ausdauer, welche den jüdischen Stamm seit vier Jahrtausenden charakterisirt, war, solches zu erringen, nothwendig, eben so sehr aber auch die Sonne der Humanität, deren Strahlen die Menschheit immer mehr durchdringcn. Man wollte übrigens die alte Streitfrage erneuen, ob das neue Jahrhundert jetzt, oder 5601 zu feiern sei. Der praktische Mensch halt sich an die neue Zahl 56. Außerdem laßt sich auf's beste bemerken, daß diese Feier nur dann eine mosaische ist, wenn das ganze Jahr als Jobeljahr angesehen wird, und so der erste Tag des hundertsten Jahres allerdings als Beginn des Jobeljahres zu feiern sei. Im Beginne des Jahres waren einige Kämpfe der Partheien im Judenthume laut, die sich jetzt wieder so ziemlich beschwichtigt haben. Wir haben das Unsrige dazu bcigetragen, dem Publikum zu zeigen, daß, abgesehen von Allgemeinheiten, dieser Streit sich meist nur.um einzelne, für das Allgemeine un-! erhebliche Fragen drehest, und so der vielen Personj lichkeiten um so weniger angemessen. Mag dies Bei- : lpiel dazu beigetragen haben, in die Diskussionen.! unsrer Gottes gelehrten Mäßigung, Ruhe und Gemessenheit zu bringen; denn das Publikum ist in unsrer Zeit einsichtig genug, um eitle Erhitzungen, in denen kleine Broschüren behandelt werden, als das ganze Heil oder Unheil unsrer Religion — und wie viele doch sah dergleichen Israel schon im Strome der Zeit hinabfluthen — als eitle zu erkennen. Mögen dabei unsre Autoren nicht vergessen, daß die Ernte solcher Saat höchstens ein schnell verschwindendes Aufsehen ist, das nur durch gründlichern Arbeiten zum Bleiben gebracht werden könne. So scheiden wir abermals von einer nun vergangenen Gegenwart. Es ist ein ruhig abmessender Blick, dieser letzte, den wir darauf werfen. ES ist ein friedliches, fortschreitendes Jahr gewesen; zwar ohne große Mühen, doch nicht ohne Resultate. Mögen diese sich mehren, ohne daß jene anwachsen. Unsre Wünsche beschränken sich ganz einfach hierauf: daß das thätigc Interesse unsrer Glaubensgenossen an Religion und Entwickelung sich immerfort steigre. Es ist so weit gekommen, daß in bürgerlicher und wissenschaftlicher Beziehung der Fortschritt der Israeliten in Einzelnen wie in der Masse ruhig, aber sicher seinen Weg wandelt. So ist nur das Eine mit Macht zu verhüten, daß diese äußeren Erwerbnisse die religiösen ganz überflügeln, und jene diese ganz in den Schatten stellen. Es wäre ein trauriges Zeugniß für die Menschheit, so der Flügelschlag der geistigen und bürgerlichen Bildung nicht zu, sondern von der Centralsonne alles Menschlichen, der Religion, trüge! Nicht zu verkennen ist, daß, wahrend ein älteres Geschlecht, sich dem altern Judenthum abwendend mit einem, unsäglichen Jndifferenlismus insicirt ward, jetzt ein jüngeres aufwächst, welches seine religiösen Bedürfnisse am Judenthume befriedigt wünscht. Diesist zu berücksichtigen. Jedenfalls Hirt es sich mehr als je in diesem Jahre herausgestellt, daß das Heil des Judenthums in der Masse selbst liegt, und das Wenigste von solchen zu erhoffen ist, die im äußern Glanze der Glücksgüter den Boden längst vergessen haben, aus dem sie erwachsen sind.