Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1840)
- Date
- 1840-01-11
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 werden, was freilich dem Herrn Ts. unangenehm zu sein scheint. — Mit Recht tadelt Herr Ts. scharf die Ernennungen zu Notabeln und Konsistorialstellen von Männern, die in irgend einem Zweige Nus haben, aber für religiöse Gegenstände kein Interesse und keine Kcnntniß haben, wie die jüngste des berühmten Komponisten Halevy zum Notabeln in Paris, während Männer, wie Cahen, leer ausgchcn. Ja, die französischen Israeliten liegen im Argen — aber Ts. schüttet das Kind mit dem Bade aus. WaS sollen jene glänzenden Namen, die nur Namen sind, in Körperschaften, die nur dem Judenthume angehürcn? — Neugierig wird man wol auch sein, wie Tsarphati den Resormentwurs des Central-Konsistoriums, der Ihnen schon zugekommcn sein wird, bcurtheilt. In einer Nachschrift fügt er hinzu: „Im Augenblicke, wo ich diesen Brief beende, empfange ich einen Entwurf einer-neuen Organisation des israelitischen Kllltüs, 'veröffentlicht Lurch das Central-Konsistorium, um die öffentliche Meinung zu .sondiren. Dieses wichtige Dokument macht der Behörde Ehre, und muß sie in der Achtung unsrer Glaubensgenossen wicderherstellen. Eine flüchtige Lkkture läßt mich ersehen, daß viele Verbesserungen realisirt worden sind, und daß wichtigere noch realisirt werden sollen rc. Es ist die Morgenrvthe eines schönen Tages!" So möge denn auch Herr Ts. hierin zum Frieden kommen. —. Es wird Ihnen nicht unangenehm fein, auch andere Stimmen im Lande über diesen Entwurf zu hören. Im Courr. du Bas-Rhin vom 27. Nov. spricht sich in einem Schreiben an die Redaktion „ein Israelit vom Ober-Rhein" folgendermaßen darüber aus: „Mein Herr! Ueberzeugt, daß Sie ein lebhaftes Interesse an allen öffentlichen Verbesserungen nehmen, was auch der Gegenstand derselben sei, beeile ich mich Ihnen die Nachricht mitzutheilen, daß das Central-Konsistorium der Israeliten, endlich aus dem Schlafe erwacht, in den es seit dreißig Jahren versunken war, so eben an die Lokalkonsistorien Circulare ergehen ließ, worin es den Wunsch bezeugt, mit der Macht bekleidet zu werden, die Rabbinen in den Landgemeinden selbst zu ernennen, und in die vorzüglichsten israelitischen Gemeinden junge Theologen zu senden, deren Reden die Hälfte unsrer langen und monotonen Sabbatgebete ersetzen sollen. Dieses System der Neuerung soll so lange befolgt werden, bis alle Nabbinenstellen durch in den profanen wie in der Religionswissenschaft unterrichtete Männer besetzt sind. Man sagt im Allgemeinen, daß der Rabbine von Metz, und die des Ober- und Nieder-Nheins sich verständigt hätten, der Ausführung dieses Planes Hindernisse entgegenzustellen. Aber alle ihre Anstrengungen, versichert man, werden nichts nützen, um sich den weisen und wohlwollenden Absichten des Central-Konsistoriums zu widcrsetzen." Oesterreich. Wien, 16. Dez. (Privatmitth.) Aus Bersehn sind .in meiner Korrespondenz vom 2V. v. M. die Namen der Herren Gabriel Ulmann in Pesth und S. Löwenstein in Groß-Kanischa, welche ebenfalls zu den Notabeln gehören, ausgeblieben. Wien, 17. Dez. (Privatmitth.) Fast alle ungarischen und mehrere hiesigen Blätter meldeten vor einiger Zeit, daß Herr Hermann Löwy, Großhändler in Pesth, defltzDhumaner Sinn eben so gerühmt «Hjk, als seine glanzende talmudische Gelehrsamkeit,evangelischen Prediger Herrn Lang, der sich wahrend der schrecklichen Katastrophe der Uebcrschwemmung' in Pesth durch menschenfreundliche Behandlung auch der jüdischen Bedrängten so sehr ausgezeichnet hat, einen werthvollen Pokal mit einer passenden Inschrift überreicht habe. — Die Nachsicht, daß Herr vr. Geiger endlich, was die Hauptsache betrifft, reußirte, verbreitete hier in denjenigen Kreisen, in denen man für jüdisches Interesse noch, oder schon nicht indifferent ist, eine freudige Sensation; da Herr llr. Geiger hier viele Freunde hat, die seinen wissenschaftlichen und praktischen Bestrebungen die besten Erfolge wünschen.. .Sicherm Vernehmen nach hat auch die Aufnahme Rapoport's in Prag in der letzten Zeit eine sehr günstige Wendung genommen, und es soll, wie sonst sehrgut unterrichtete Personen versichern, die Bewilligung zu derselben Allerhöchsten Orts bereits erfolgt sein. Ich behalte mir vor, Ihnen hierüber nächstens ausführlicher zu berichten. Wiele bedauern, daß sich der scharfsinnige Kritiker durch die bekannte Gciger'sche Affaire compromittirt habe, wiew'ol Dr. Geiger dieselbe mit aller Mäßigung und Schonung besprochen «t. Wozu hat auch jenes Desavouiren genützt? ie alten Freunde Rapoport's hat es nicht befriedigt; die neuen gekränkt und mißtrauisch gemacht.