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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. Seite 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Date
1840-01-04
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 Hirten, flehet von Gott sein Heil auf dies ftvmme Kind herab!" Abraham und Aminha sanken zu den Füßen des Königs nieder. „Braut Nephtali's!" sprach Matthias huldvoll: „kehre zurück in die Wohnung Deines Vaters Abraham — Friede sei mit Euch!" Correspondenzen. Von der galizischen Gränze, Dez. 1839. Die Gemeinde Lemberg. In meinen Berichten über die Zustande und Verhältnisse der vorzüglichem Judengemeinden Galiziens gebührt denen der Hauptstadt Lemberg, als der größten und zahlreichsten, billig der Vorrang. Unstreitig auch an innerm Gehalte werden Sie fragen? Leider muß ich dieß verneinen! — Lemberg, mit seiner überreichen jüdischen Population, mit seinen vielgewaltigen Ressourcen; der Sitz der höchsten Landesbehörden, der Sammelplatz ausgezeichnet intellektueller Eapacitaten, dürfte mit Fug und Recht den, an äußerer Anregung und innerer Kraft schwachem, und in vieler Beziehung untergeordnetem Gemeinden Galiziens auch als geistig höhergestellte Potenz zum Vorbild und Leitstern dienen. Ja wir begegnen daselbst nicht nur einzelnen in Kunst und Wissenschaft ausgezeichneten Israeliten, die durch Intelligenz und Geistesrüstigkeit den Besten ihrer christlichen Mitbürger gleichkommen, sondern sogar ganzen, freilich nicht zahlreichen, jüdischen Familien, die in jeglicher Beziehung auf einer hohem Eulturstufe stehen, und die Zierde jeder deutschen hochgebildeten Gemeinde wären! Aber wie verschwimmen diese Einzelnen, diese Wenigen im überfluthenden Andrange der Massen, die mit ihrem gewaltigen Wellenschläge das kleine Haustein fast zu erdrücken, und in Nacht und Finsterniß zu hüllen drohen. — Forschen wir genauer um die Grundursache dieses traurigen Zustandes, so finden wir eine, vor der Hand fast unheilbare Krankheit: den furchtbaren, die innerste Organisation zerstörenden Krebsschaden des Jndifferentismus. — Vorurtheil und Aberglaube, Schwärmerei und hartnäckiges Festhalten an verjährten Gebräuchen sind wol schwere, gewaltiges Unheil ins Leben rufende Hebel! Da jedoch, wo der Geist durch Regsamkeit und gesteigerte Kraft sich offenbart; wo die Seele an Satzungen, wenn auch an verkehrten, im begeisterten Drange festhaftet, da stehen auch gewaltige Mittel zu Gebote, dem aus seinem Geleise gehobenen Denkvermögen auf die rechte Bahn zu helfen, und den umnachteten innern Sinn von unbestimmten schattenhaften Bildern zur Natur und Wahrheit zurückzuführen. Den wirren Illusionen des Aberglaubens begegnet man mit der Hellen Leuchte der Ueberzeugung; der schwärmerisch-mysteriöse Aufschwung krankhafter Exaltation wird allmahtig vom kalten Hauche des Lebens, von der frostigen Berührung der Wirklichkeit herabgestimmt und niedergehalten; Jndifferentismus jedoch ist der trostlose Blindgeborne, an dem die Erscheinungen und Ereignisse der Zeit spurlos vorübergehen; dessen starrer unbeweglicher Augapfel weder die dichte Finsterniß vergangener Jahrhunderte zu erschrecken, noch der strahtenreiche Schimmer einer glanzvollen Zukunft zu bewegen und zu beleben vermag! — Selbst der Rückschritt setzt Bewegung und Leben voraus, wenn auch in verkehrter Richtung; Jndifferentismus ist geistiger Tod! — Noch immer hat eine Reaktion, eine politische sowol als religiöse, eine andere im entgegengesetzten Sinne hervorgerufen; und mehr als jede andere Anregung hat der religiöse Rigorismus in fast allen Landern der Eivilisation Bahn gebrochen. Ganz natürlich! Die Eiferer und Frömmlinge, die mit der leichenhaften Schwere der Gedankenlosigkeit an den Speichen des Zeitrades sich festklammern, um es in die Tiefe der Vergangenheit herabzudrängen, werden ja selbst zur Ursache, daß dasselbe Rad im Umschwünge die entgegengesetzte Meinung in eine höhere Region des Lichtes trage; und diese muß um so mehr auf sicherer Höhe sich halten, je tiefer und bodenloser die anderen sinken! — Dieser um so traurigere, in seinen Folgen höchst verderbliche Jndifferentismus ist auch in Lemberg die Quelle mannigfacher Uebelstande. Betrachten wir (bis auf ein vortrefflich organisi'rtes Krankenhaus) die öffentlichen Anstalten der ersten Judengemeinde Galiziens, und eine der größten Europas, so muß der Blick des Menschenfreundes vor Schamröthe sich zu Boden senken, und das Herz muß banger schlagen, in dieser erleuchteten Zeit der Bildung und des Fortschrittes keinen Ueberresten, sondern der ganzen trostlosen und unförmlichen Gestaltung des Mittelalters zu begegnen; betrachten wir diejenigen, die unter mehr als 30,000 Individuen dazu erlesen sind, der Jugend in ihrer moralischen und geistigen Ausbildung als Wächter und Schirmer vorzustehen, möchte man 'sie kaum würdig finden, mit einem Mandarinen des himmlischen Reiches um den Lorbeer der Eivilisation zu ringen! — Und dennoch finden wir in dieser zahlreichen Gemeinde die Reihen der Eiferer und Schwärmer unendlich gelichteter und geringer, als in allen andern Städten Galiziens, und wo dennoch in viel kleinern Orten treffliche Schulen bestehen. Die Apathie und unerschütterliche Gleichgültigkeit ist es hier, die in behaglicher Ruhe am Bestehenden und Alten sich wohlgefällt und festnistet, geduldig harrend, bis sich die mit lautem Wellenschläge ringsumher kundgebende Strömung des Zeitgeistes doch endlich einmal verlaufen werde. — Man wird daher begreifen können, welch geisiigregsamer Kraft

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