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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Date
1840-01-04
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 doch was wir durch Erziehung geworden, das gibt unsrer Seele Selbstgefühls Willenskraft." „Das ist die Sprache des Teufels!" rief Hedervüri heftig. „Ruhe, ehrwürdiger Herr," ermahnte der König: „was thut die fromme Jungfrau anders, als ihre Religion, ihren Glauben in Schutz nehmen?" „Mir ist mein Glaube, Alles!"— fuhrAminha fort: — im Sturme meines Lebens die Säule, an die ich mich fest klammere und von der ich nimmer lasse. — Und Ihr, o Menschen! Christen! Ihr wollt meiner letzten Stütze mich berauben? — Könntet Ihr der Treulosen vertrauen, die gegen ihre Ueberzeugung ihren alten Glauben verleugnen würde? — O laßt mir ihn!" flehte sie mit gefalteten Händen, während sie sich von ihrem Sitze erhob: — „mag Eure Religion immerhin die bessere sein!- Die meinige ist, wie sie immer ist, mit meinem Herzen in eins verwachsen! — Ich habe meinen Vater gesehen, seine sterbende Hand lag auf meinem Haupte und gab mir den Segen! Er fragte nicht, was ich glaube? — er wollte nur die Tochter sehen und segnete mich! — — Eine Cbristenhand hat mich gesegnet, und knieend habe ich den Segen empfangen. — Ruhe der Asche jenes Mannes, von dem Ihr sagt, daß er mein Vater war! Seht diesen zitternden Greis da, am Rande des Grabes, er ist mein Vater! — seitdem ich denke, seitdem ich die Sonne kenne, und Gottes gestirnten Himmel und seine große Welt und sein herumirrendes Volk: ist er mein Vater!" — Aminha sank auf die Kniee, sie zog die welken Hände des von Rührung überwältigten Greises an ihre Lippen und benetzte sie mit Thränen. — „Diese Hände," stammelte sie: „haben mich genährt, geliebkost, gepflegt! — Darf ich ihn nun verlassen? — Ich bin ja sein Alles! — Dieser arme Mensch steht ohne mich so allein und verlassen im Leben! — — Abrahams Kopf sank auf die Brust seines sanften treuen Kindes, sein Antlitz verrieth solch einen schmerzensreichen Ausdruck tiefen Grams und bitterer Verzweiflung, daß Aminha mit beiden Händen sein greises zitterndes Haupt erfassend, leise schluchzte. „Du kannst ja Deinen Pflegevater deshalb lieben," nahm der Erzbischof Dionisius gerührt das Wort: „Du kannst ihn verehren, wie bisher, denn der christliche Glaube lehrt: den Dank gegen seine Wohlthäter!" „Weißt Du, starrsinnige Maid!" siel Hedervüri heftig ein: „daß Deine sündhafte Hartnäckigkeit Dich und diesen höllischen Alten, der Dich mit seinem gottlosen Rath bethört und so vermessen gemacht hat, von Rechtswegen auf den Scheiterhaufen führen kann!" „Durch die Feuerprobe in den Schooß Abrahams wolltest Du sagen, grausamer Mann! — Mit uns ist unser Glaube, unser Gott — wir fürchten, wir kennen keine Hölle, keinen Teufel! Mein Glaube und die Lehren dieses frommen Greises haben meine Treue für meinen Gott, mein Vaterland und meinen König zur Reife gebracht; wenn Ihr mich zum Scheiterhaufen verdammt und ich zu sterben wissen werde, so ist es mein Glaube, der mich dies gelehrt. Ich sehe Moses!" fuhr sie mit prophetischer Begeisterung fort: „ich sehe ihn mit den heiligen Strahlen um die Stirn auf dem Gipfel des Berges Sinai! Ich sehe ihn dem flammenden Dornbusch gegenüber an der Spitze seines Volkes. — Die Feucrsaule zieht lodernd durch die Fluthen des Meeres:-mit mir ist Jehova! ich bleibe treu meinem Glauben! — ich bin und bleibe eine Jüdin! — Führt mich zum Tode!" „So komme denn Fluch und Verderben"- „Halt ein, Hedervari!" rief der König mit unaussprechlicher Hoheit. — „Friede, Ihr heiligen Väter! unser Glaube ist der Versöhnung und der Duldsamkeit Glauben! Nicht Flüche athmet unsere Religion; Sanftmuth und Segen verkünden die Heiligkeit ihrer Worte, und ihren göttlichen Ursprung. — Dieser frommen Jungfrau," fuhr der König mit vor Rührung bebender Stimme auf Aminha zeigend fort: „ist ihr Glaube ein Heiligthum, ein Geschenk Gottes, dessen wir sie nicht berauben dürfen! — Edle Jungfrau! von heute an bist Du unter meinem Schutze und frei! — Unter Deinen Glaubensgenossen ist diese hohe Heiligkeit religiöser Gefühle nothwendig; denn Viele unter Euch lassen sich von schimpflichem Eigennutze und unersättlicher Goldgier auf Irrwege leiten. — Begib Dich zurück zu Deiner Heerde! ehre Gott nach Deinem Sinn und Herzen, bis das heilige Licht seiner Gnade in Deiner Seele aufdämmert. — Gedenke mein in Deinem Gebete! sei gut und edel, und erziehe Deinem Volke Dir ähnliche Wesen! — Ihr aber, Seelen-

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