Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1840)
- Date
- 1840-01-04
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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li .die Macht gegeben wurde, sein Volk durch die Fluchen des rochen Meeres, trocknen Fußes, zu geleiten, und ihnen Gesetze zu verkünden, die von Gott kamen!" j „Das Gesetz wurde aber von Gott selbst umge-! staltet, gesanstigt, und durch das Blut des eignen Sohnes geheiligt," bemerkte Vincentius mit Weihe. Aminha gerieth in Wallung; „Sonderbare Menschen, rief sie aus: was ist zwischen uns für ein Unterschied? — wir hoffen auf den Messias — der Eurige ist gekommen; wir glauben, wie ihr behauptet, was da war; — Ihr glaubet, unserer Meinung nach, was sein wird, — und was wir einst vielleicht glauben werden. — Die Zeit ist die Kluft, die zwischen uns liegt. — Ihr lebt, unfern Begriffen gemäß, in der Zukunft, wir, vermöge der Eurigen, in der Vergangenheit. — Und welches ist das Schwierigere, was wir thun? — oder was Ihr? — Wir sind unter Ertch ein gehetztes Wild! fuhr die reizende Jungfrau mit seltener Seelenstärke fort: Salomons Tempel ist eingestürzt, Jerusalems Mauern zusammengesunken, und Gottes Volk, das er nach Kanaan führte, unstät und flüchtig. Ihr habt uns unter Euch ausgenommen, ihr gebt uns Lust und Wasser, das ist die einzige Gabe, die uns Eure Gastfreundschaft bietet. Der Preis alles Uebrigcn ist blutiger Schweiß, — und in diesem das Gastrecht ehrenden Lande wird der beherbergte Fremdling zu Boden getreten, verlacht, verhöhnt und verspottet? — Keine Scholle Erde gehört ihm an, und die Grube, die er nach seinem Tode einnimmt, löst er mit seinem Leib, mit seinem Leben aus? — Die Gerechtigkeit flieht vor ihm, auf seiner Stirn trägt er das Kainszeichen, das Brandmal der Schmach und Schande; mag sein Herz wahr sein, oder nicht, gleichviel, sein Name ist: Jude! — Und auf diesem mit Dornen und glühenden Kohlen bestreuten Wege glaubt und hofft der arme Jude zu seinem einzigen Gott, und der verachtete Heimathlose erfüllt wandellos und ewig, treu die Gebote seines Herrn." Der König fühlte sein Herz durch die Worte der Jungfrau, die in diesem Moment einer begeisterten Seherin glich, seltsam ergriffen, doch in edlem Selbstgefühle sprach er: „Aminha! was macht Dich so bitter? — blicke um Dich und sprich, wer es jetzt noch wagen dürste, Euch in Eurer Ruhe zu stören, und Euer Leben zu gefährden? Das Unglück, das Dich und Deinen Pflegevater traf, ist die Frucht jener Zeitwikren und zügelloser Willkühr, von denen nicht allein Deine Glaubensgenossen, sondern das ganze! Land heimgesucht wurde. Sprich, ist dieser würdige Alte bei all seinem Verluste nicht reich? sind Deine Glieder nicht in Sammt und Seide gehüllt? Breitet die Kirche nicht ihre Arme aus, um Dich liebend zu empfangen, und ihrem Herzen zu verbinden? räumten wir unfern israelitischen Unterthanen nicht Freiheiten und Gerechtsame ein? und blieb das Ohr des Königs Euren Klagen und Beschwerden je verschlossen?" „Du bist groß und gut, o König! siel die Jungfrau ein: Dein Name wird in Israel leben immerdar! — Du? — o Du wirst in Abrahams Schooß gelangen, denn Du bist gut und gerecht! ja, es ist wahr. — Vieles ist bereits anders, als es war; doch sage, hochherziger König! können wir glücklich sein, wenn der Letzte Deiner Unterthanen das Recht zu haben glaubt, uns verhöhnen und verspotten zu dürfen; wenn wir von der Geburt an, in Folge eines gotteslästerlichen Vorurtheils, das Schandmahl des Argwohns und der Absonderung auf der Stirn tragen müssen? — Ach! glaube nur nicht, mein Herr und König, und auch Ihr nicht, Ihr heiligen Vater, daß dies ein Vorwurf sei! — o Ihr kennt Aminha nicht. — Alles will ich ertragen und erdulden, ja ich will mich freuen, dulden zu dürfen, — nur lasset mir meinen Glauben!" „Du bist eine Christin," rief Hedervüri in strengem Ton: „wenn der Satan seine Arme nach Dir ausstreckt, so ist es Pflicht, dich von dem bodenlosen Abgrund, an dessen Rand du stehst, hinwegzureißen." „Wie lieblos!" ries Aminha: „zeige mir den Abgrund, an welchem ich stehe, was ist denn Verdammliches an meinem Glauben? — Daß ich nicht das esse, was Du? daß ich meinen Gott anbete, wie die Väter dieses frommen Greises, die Du doch selbst Heilige nennst? — Ich wäre eine geborne Christin, sagt Ihr, aber ich wurde als Jüdin erzogen! — Die Geburt ist ein Werk des Zufalls, doch die durch Erziehung dem Herzen eingeflüßten Wahrheiten sind die Ergebnisse des Willens und des Vorsatzes., — Welches ist nun das stärkere Band? — Geboren werden ist ein Ohngesähr; Erziehung gibt uns erst das eigentliche edlere Leben! — Zur Welt kommen ist zufällig, doch sein ist Wahrheit!— Ohne Vernunft, ohne Grundsatz, ohne Willen treten wir ins Leben;