Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1840)
- Date
- 1840-01-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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9 tung durch die ungemeinen Wirren, die bald darauf von Zürich aus über die Schweiz ergingen, bis jetzt noch ausgesetzt blieb. Die Israeliten des Kaiserstaates haben in politischer Entwickelung im verflossenen Jahre nur in Ungarn.etwas Bedeutendes erstehen sehen: wo die Stände-, wie die Magnaten-Tafel den Ankauf von Grundstücken durch Juden unbedingt frei gegeben haben. Sonst sah man überall ein reges Leben, in der Kaiserstadt manche neue Anstalt begründen, in Ungarn und Mähren das Schulwesen immer mehr erblühen. Jedenfalls ist diese erste Conccssion der Ungarischen Stände als einer der bedeutendsten Schritte anzusehen. Preußen hat die Toleranz gegen seine israelitischen Unterthanen, die eigentlich von je sein Prinzip gewesen, die nur in den jüngsten Jahren nicht eklatant genug hervorgetreten, im verflossenen mannigfach erwiesen. Es hat die Beschränkungen, welche auf den Israeliten in Paderborn lasteten, theilweise wieder aufgehoben, Ansinnungen von neuen zurückgewiesen, es gestattete unbedingt die Sammlungen zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät, es ertheilte dem Dr, Geiger das Bürgerrecht, somit den wissenschaftlichen Fortschritt der jüdischen Theologie als von ihm begünstigt erklärend. In Berlin und Königsberg that die Kultusverbesscrung einige Schritte nach vorn. Auch das deutsche Vaterland bietet einige erfreuliche Momente für das verflossene Jahr. In Baden erschien eine Petition von Christen für die Emancipation der Juden bei der Kammer. Unter den jüdischen Gemeinden zeichnete sich Heidelberg durch seine Petition aus. Der Oberrath begann, Choräle in die Synagoge einzuführen. In Würtemberg bewährte sich fürder der erleuchtete Geist der Regierung und der edele des Fürsten in lauten Thaten. In Hessen-Darmstadt wurde eine neue Gemeindeordnung durch die Stände votirt, in Mainz zwei Israeliten zu Handelsnotabeln erwählt. In Frankfurt am Main erhob sich ein erbitterter Streit in der Gemeinde um Vervollständigung des Vorsteheramtes, der zum Vortheile der dem Fortschritte Huldigenden aussiel, aber bis jetzt noch keine Früchte getragen. In Sachsen wurde in Dresden die jüdische Armenpflege der städtischen einverleibt, in Leipzig den Israeliten vom Magistrate ein freier Platz zu einer Synagoge geschenkt, an der Universität zum ersten Male für jüdische Wissenschaft ein Lehrstuhl gestattet. Sobald die Stände 'zusammentraten, wurde sofort das sogenannte Wuchergesetz, welches die Juden im Handel und Wandel sehr beengte, aufgehoben, und auf dem vorgelegten Budget stehet eine Position von 280 Thlrn. für den israelitischen Kultus verzeichnet. — Einen bedeutenden Vorschritt that auch das Großherzogthum Schwerin, indem ein Statut erlassen wurde, welches alle Israeliten des Landes in einen Verband bringt, ein Landrabbinat gründet, geeignete Hoffnung zu Besserm giebt, und mit einem jährlichen Zuschuß für den israelitischen Kultus von 200 Thlrn. versehen ist. — In Hamburg sind es besonders die vielen, thätig wirksamen Vereine, welche unsre Aufmerksamkeit auf sich zogen, und die durch die großartige Freigebigkeit Salomon Heine's in einem großen Krankenhause eine Vermehrung fanden. — Zwei Staaten Deutschlands, deren Gränzen sich berühren, haben im verflossenen Jahre in Bezug auf ihre israelitischen Unterthanen ein entgegengesetztes System bewährt: Weimar und Baiern. In dem erstem wurde der deutsche Gottesdienst mit größter Strenge durchgeführt, und sein Besuch durch sonstige Verweigerung der einjährigen Handelspatente erzwungen. Baiern suchte die Juden, namentlich deren Geistlichen aus den Weg der Stabilität zurückzubringen. Wurde nun zuletzt auch wieder die Wissenschaftlichkeit der Rabbinen als Forderung aufgestellt, wurde die früher votirte neue Synagogen-Ordnung Unter- und Mittelfrankens jetzt promulgirt, wurden die Synagogen und Leichenäcker von Abgaben befreit, die Juden als an den Gemeinderechten betheiligt erklärt, so zeigte sich dennoch der Weg immer schwankend, und die Fluth der Judenextragelder, wie die Strenge des Matrikelwesens bewirkten, daß eine ungewöhnliche Zahl Israeliten Heerd und Heimath verließen, um sich in ferne Welttheile einem ungewissen Schicksale preis zu geben. Aus Italien hatten wir nur das Erblühen vieler Wohlthätigkeitsanstalten zu Mailand, Venedig, Parma, Mantua rc. zu berichten, und wie in Rom eine alte Karnevalssitte beibehalten ist, aber doch in anständige Formen sich gekleidet hat. Die palästinensischen Juden hatten in diesem Jahre den Verlust eines vorzüglichen Mannes zu be- 1«