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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Date
1840-01-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 nehmen, und seine Zufriedenheit mit dem Standpunkte seiner mosaischen Unterthanen, aus. Rußland hat in einzelnen Gesetzen abermals die Stellung der Juden, welche sich über die Stufe der gewöhnlichen Masse erheben, verbessert und näher bestimmt; Israeliten können Mitglieder der Magistrate und städtischen Gerichtsbehörden werden; ärztliche Individuen können in Südrußland in den Staatsdienst treten, in Polen aber freilich nicht; das Schulwesen, wenn cs sich bei den Juden zum Bedürfniß macht, ward befördert; ein bestimmter Eid abgcfaßt; die jüdischen Bauern mit den Rechten der festen Ansiedler versehen. Aber für die Masse, der Ehre und Stand noch zu fern liegen, fehlen noch die anregenden Momente. In England verblieb die Judenfrage, außer einzelnen Lebenszeichen, im statu <juv. Lord John Rüssel, der Minister des Innern, erklärte zwar, einen Antrag aus Emancipation der Juden machen zu wollen; allein die darauf folgenden, politischen, chartistischen und hochkirchlichen Bewegungen verhinderten die Verwirklichung dieses Antrages. Salomons ward zum Oberscheriff der Grafschaft Kent ernannt. Bei diesem äußern Stillstände, erhob sich eine Bewegung im Innern. Viele drangen bei der Gemeinde in London auf zeitgemäße Verbesserungen, Einige auf totale Neuerungen. Es wurde, seit 95 Jahren, die erste Generalversammlung gehalten: die Majorität zeigte sich auf Seiten der stabilen Partei. Es trat' Alles wieder in die alte Stille zurück, nur das Eine scheint daraus hervorzugehen, ein Versuch, ein, dem Unterrichte in neueren Zweigen zugleich gewidmetes Bet hammidrasch zu gründen. Holland bleibt noch immer das gesegnete Land, wo neben unveränderter Liebe und Anhänglichkeit am väterlichen Glauben eine völlig angemessene Organisation des israelitischen Gemeinde- und Schulwesens, unter den Auspicien der huldreichsten und erleuchtetsten Regierung, auf's ausgedehnteste vor sich geht. Ueberall, wohin wir blicken, sehen wir stille, aber reifende Thätigkeit, und nur das Eine ist zu bedauern — daß das Genie und der Schwung noch nicht in die holländischen Israeliten gekommen, und ihre Tendenz noch immer sehr oberflächlich, meist ohne Gründlichkeit und ohne Liefe, ist. Zum Synagogenbau der Gemeinde Mastricht bezeugte der König Wilhelm abermals die Freigebigkeit seiner Hand, die ihre . Gaben ohne Berücksichtigung des Glaubens, zur Verherrlichung Gottes, vertheilt. Nicht zu übersehen ist es, daß auch in diesem Jahre in Paris die Israeliten sich ihrer schönen Stellung würdig zeigten; daß solche zu den Eifrigsten gehörten, welche die Ruhe und das Gesetz gegen Aufwiegler vertheidigten, und mit ihrem Blute besiegelten. Wenn auch in den Reihen loyaler Opposition (der Coalition>, doch nirgends in dm Reihen blutgieriger Empörer zeigte sich ein Jude. An der Wittwe eines für den Staat in solchem Kampfe gefallenen Juden zeigten alle Instanzen der französischen Regierung, daß sie alle ihre Staatsmitglieder gleicher Weise berücksichtigt. Je weniger nun im Außen Störungen für die französischen Israeliten möglich sind, desto fühlbarer machte sich seit lange die Nichtigkeit derselben in religiöser Beziehung. Die französischen Israeliten sind in zwei Lager getheilt, von denen das erste die Religion nur dem Namen nach kennt und den hohlsten Geist der Gleichgültigkeit athmet; das andere, (Metz und der Elsaß,) in der größten Bigoterie ihre Lebenslust findet, und von den „Wehen der Zeit" gar wenig empfunden hat. So schwieg es überall; die Regierung hat sich nicht darum zu kümmern, die Konsistorien, wenigstens nach den Lebenszeichen zu urtheilen, die sie von sich geben, (das Straßburger allerdings rühmlichst ausgenommen,) scheinen sich um nichts zu kümmern. Da hat denn eine scharfe Bremse versucht, das träge Roß so lange ihren Stachel fühlen zu lassen, bis es seinen Schritt beeile. Der Tsarphatische Streit, der im Courr. de la Moselle mehr zur Oeffentlichkeit kam, hat wol zunächst zur Ursache gehabt, daß das Konsistorium endlich zu einer Reform des Kultus schritt, und sie einzuleiten beschloß. Mittlerweile ist. in Paris französische Predigt eingeführt. Eine besondere Streitfrage gaben auch die Chebrot in Paris ab, welche von der Regierung plötzlich unterdrückt wurden. Dafür hat man im Sinne, ein besonderes Hospital zu errichten. Noch einmal mußte Frankreich um der Israeliten willen bei einem Nachbarstaate einschreiten. Basel- Landschaft erneuerte ein älteres Gesetz, um plötzlich allen fremden Juden den Aufenthalt zu weigern. Da dies namentlich gegen Franzosen gerichtet war, so richtete der französische Gesandte deshalb eine sehr scharfe Note an die Tagessatzung: deren Beantwor-

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