Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1840)
- Date
- 1840-01-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Haben wir uns diesem Geschäfte schon immer unterzogen, so mögen wir auch diesmal uns ihm nicht entziehen, je weniger beschwerlich es in diesem Jahre ist, wo allerdings so manche Erscheinung in bestimmter Fassung uns entgegentritt. Eine große Bewegung fand im verflossenen Jahre im Oriente statt: Konstantinopel und Alexandrien rangen um die Obherrschast, mitten inne stieg der Sultan vom Throne in das Grab. Waren .diese Kämpfe nur jenen alten asiatischen gleich gewesen, deren Ausgang nur ein Wechsel der Dynastieen, ohne Lebensveränderungen der asiatischen Völker, waren; so aber deuten die offenbarsten Zeichen auf den Tod des echt orientalischen Geistes hin, der, im glücklichsten Falle, von der europäischen Civilisation befruchtet, einem Regenerationsprozesse sich unterwerfen soll. Die türkischen, wie die ägyptischen Gewalthaber sehen ein, daß nur durch Aneignung der großen europäischen Triebkräfte der Orient einiges Leben wieder erlangen könne. Die Aegyptier griffen längst nach den äußeren Regierungseinrichtungen Europa's, sich stützend auf die dadurch erlangten materiellen Kräfte. Da griff der Divan nach dem innern Lebensprinzip Europa's, um das ihm untergebene Volk von neuem zu beleben. Bei der Wendung, die so die orientalischen Angelegenheiten nahmen, konnte wenigstens der Divan die große Masse der türkischen Juden nicht übersehen, und bei einem, alle Verhältnisse im Allgemeinen betreffenden kaiserlichen Hattischerif, der die Grundzüge der Umgestaltung des verjüngten orientalischen Staatslebens geben sollte, wurden nicht allein die Vorsteher der Juden zur öffentlichen Feierlichkeit hinzugezogen, sondern auch ihr Leben, Eigenthum und ihre Ehre gleicher Gerichtsbarkeit unterstellt, sie zum Kriegsdienste hinzugezogen, und eine gleiche Besteurung ihnen auferlegt. Mögen nun die Elemente des Orients mehr oder weniger befähigt sein, diese Prinzipien zu verarbeiten, und zur Wirklichkeit zu bringen: so ist doch mit dieser allgemeinen Gleichstellung im Prinzips ein Ungeheures gewonnen, und die Bahn zur wahren bürgerlichen Existenz, ohne jene Schmerzen und Bangigkeiten, welche deren Hoffnung in Europa uns verursachte, eröffnet. Auch außerdem verspürten die Israeliten Asien's und Afrika's die Nähe des europäischen Geistes an zwei anderen Punkten. An dem einen, in Aden (Arabien) war schon die bloße Gegenwart der Engländer befähige , Schranken und Fesseln zu brechen, so daß sie nicht allein in den Handwerksstand gezwängt blieben. An dem andern, in Algerien ward es klar, daß die französische Herrschaft sehr nachtheilig auf den materiellen Bestand der eingeborenen Juden wirkte, daß sie den Handel außer Händen verloren, daß sie aber dennoch die einzigen Eingeborenen seien, welche sich, voll Vertrauens, der europäischen Kultur nähern, ihre Anstalten besuchen, und sich ihnen zugeneigt zeigen. Die Civilisation nahet sich auch hier mit Schmerzen und Verlüsten — aber der Jude jedes Himmelsstriches ist ihr von selbst verwandt, und besitzt den möglichen Theil derselben schon durch seine Religion. - In Athen sahen wir eine Gemeinde unter dem Schutze der Regierung und in der Achtung der Oeffentlichkcit sich still und geräuschlos bilden. In Vandiemensland erblickten wir die zweite australische Gemeinde schon sehr herangewachsen. In den Holländischen Kolonieen zu Paramaribo, Curayao rc. war des blühendsten Zustandes der Synagogen und Schulen zu erwähnen; dort, wie in Philadelphia wird schon daS Wort unsres Glaubens lebendig und in der Volkssprache verkündigt. Betrachten wir zuerst den Norden der europäischen Staaten, so war es als eine ganz außerordentliche Erscheinung zu begrüßen, daß an den Storthing von Norwegen ein Antrag gelangte, den Passus der Konstitutionsakte, welcher den Juden den Eintritt in das Reich verbietet, zu streichen. Und wenn auch, nach dem bestehenden Reglement, dieser Antrag erst im dritten Jahre zur Berathung kommen wird, so hat doch der Präsident denselben zu dem feinigen gemacht, und ihn schon vorläufig so sanktionirt. In Dänemark ward zwar die Petition der Roeskilder Ständeversammlung um Wählbarkeit der Israeliten in die Stände vorläufig vom königl. Kommiffarius beseitigt, auch gediehen die Verhandlungen der Holste in'schen Stände', die sich um die kleinlichsten Conceffionen für die Juden, wie um des ganzen Staates Gefährdung benahmen, zu gar keinem Resultate: aber Sr. Majestät der König Christian VIII. sprach bei seiner Thronbesteigung feierlichst das Versprechen, in Holstein und Schleswig wesentliche Verbesserungen der jüdischen Lage vorzu-