Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1840)
- Date
- 1840-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 geschick ^stets auf einen günstigen, erfreulichen Erfolg und auf zahlreiche Theilnehmer rechnen kann. Nach abgesungenem Dankhymnus wurde der Bewillkommnete von den vornehmer» Israelitinnen mit Blumen und Guirlanden bekränzt. — Alles geschah aus eignem Antriebe der Gemeinde, zum sprechenden Beweise darüber, daß der Mann, der dem polnischen Adel angehört, seinen Standesgenossen gleich, seine Untergebenen nicht tyrannisirte, sondern vielmehr ihre dankbaren Herzen durch Wohlthaten dermaßen zu gewinnen wußte, daß sie seine Rückkehr als ein Glück ansahen und feierten. — Magdeburg, 22. Dez. (Privatmitth.) Herr A. Schwab zu Ichenhausen in Baiern erklärt uns durch ein Schreiben vom 10. Dez., daß er dem vom Hamb. Telegraphen angeregten Vereine zur Unterstützung unbeamteter jüdischer Gelehrten, vom Tage des Zustandekommens an auf zehn Jahre die Zinsen eines Kapitals von 1000 fl. mit jährlichen 40 fl. widme, was wir hiermit zur Kenntnißnahme empfehlen. Die Redaktion. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 22. Dezemb. (Privatmitth.) Angekommcn: Ozar haschoroschim, hebräisch-deutsches und deutsch - hebräisches Wörterbuch über das Alte Testament von Bensew. Dritte Auflage vermehrt und verbessert von M. Letteris. 1. Theil. Wien, 1839. — Eie Bne haneurim von Ephraim Luzzato. Wien, 1839.— Higajon bekinor von Joseph Almanzi. Wien, 1839. Wien, 25. Nov. (Privatmitth. Verspätet.) Die neue Ausgabe von Benfew's Wörterbuch zeichnet sich durch vielfache Verbesserungen und Vermehrungen durch Anführung von Textesstellen, und deren genaue Angabe auS. — Die Zugabe des Herrn Rab. Neh. T re bi t sch zum Rambam wird nach Vollendung der 'pmn *p in einem besonder» Bande erscheinen. — Leipzig, 16. Dez. (Privatmitth.) Ein geselliger Verein unter den hiesigen Studirenden mos. Glaubens giebt zum Beginne dieses Jahres ein deutsches Taschenbuch, „Jeschurun" betitelt, heraus, dessen Zweck in diesem Titel ausgesprochen ist. Die Redaktion hat Herr E. W. Wolfsohn aus Odessa übernommen. Leipzig, 22. Dez. (Privatmitth.) Die fünfte Lieferung des großen Bibelwerkes, welche sich durch sehr gelungene Holzschnitte auszeichnet, wird so eben ausgegeben. Die sechste Lieferung wird in diesen Tagen fertig. Leipzig, 22. Dez. (Privatmitth.) So eben hat in Paris der früher angezeigte, höchst interessante Roman des Herrn von Balzac „i'lorselite" die Presse verlassen. Eine Uebersetzung erscheint binnen Kurzem in der hiesigen Belgischen Buchhandlung. Das Jahr 1839. Jahre sind Meilenzeiger auf dem großen Wege des Lebens. Sie sind nicht die Ziele, nach denen man wandert, nicht einmal Ruhestationen, die Kraft zu erfrischen, vom Ermüdeten ersehnt: sondern man gehet nur an ihnen vorüber, und merkt ihre Zahl. So diese wächst, fühlt man sich -dann und wann angeregt zu beflügeltem Schritte, weil das Ziel noch in der Ferne steht; bisweilen werden wir auch das Gefühl des Stolzes in uns eingehen lassen, um der Menge derer willen, die wir mit unverminderter Kraft zurückgelegt. Dennoch aber ist der Inhalt unsres ganzen Lebens in ihnen enthalten; unsre Freuden und Schmerzen reihen sich an ihnen auf, wie an einem Faden; unsre Verluste und Erwerbnisse benennen sich nach ihnen. So haben sie zwar an sich keine geistige Kraft, keine innere Bedeutung, aber, indem wir mit ihnen vermählen, was Großes und Kleines, was Herrliches und Schadenreiches unserm Dasein sich anhastete, was von innen heraus wir schufen, was von außen in unfern Lebenskreis sich drängte: . überschauen wir sie mit Ernste, und werden sie uns zum Thermometer und Barometer unsres Lebens. Und in dem Leben großer menschengeschlechtlicher Produkte, in dem Dasein umfassender Körperschaften, wo das Einzelwesen verschwimmt, und der Auf- und Untergang der Persönlichkeiten nur einen Wellenschlag bewirkt, bleibet ja so nur für die Gegenwart der einzige Schrittmesser, von Jahre zu Jahre nachzusehen, wie weit die Prozesse gediehen, wie weit die Produkte gezeitigt, wie weit die Keime der Zukunft gewurzelt, Blüthe und Knospe sich entfaltet haben, aber auch wie weit gereifte Früchte verzehret, genossen, zum Besten des Ganzen konsumirt, oder aber unbenutzt vermodert sind. Nur dadurch verfliegen eben die Einzelheiten und Persönlichkeiten, diese Flitter der Gegenwart, vor dem Blicke, der das Allgemeine und Wesentliche schauen will, und wir fühlen uns in die Hallen der Geschichte versetzt, wo die Gerechtigkeit eine Wahrheit geworden.