Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1840)
- Date
- 1840-01-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 ten und Grundsätze — Früchte einer vieljährigen strengen Forschung, eines geläuterten Sinnes und reinen Willens — zur Prüfung vorzulegen, und Vorschläge zur Realisirung seiner Accomodationstheorie zu machen. — Auch an die Gemeinden Israels richtet der Jubilar treffliche Worte. Er legt darin gleichsam Rechenschaft ab von seinem bisherigen Leben, Lehren und Wirken, macht einige auf Religionsurkunden gegründete Verbefferungsvorschläge und ermahnt zur Beherzigung derselben. - Diese sind folgende. 1) Es ist erlaubt zur Verherrlichung des Gottesdienstes, das Gebet, am Sabbat selbst durch einen Israeliten mit Orgelspiel begleiten zu lassen; — 2) es ist dem Israeliten gegönnt, an der Eisenbahnsahrt am Sabbat Theil zu nehmen; — 3) wie und auf welche Weise man die dem Israeliten so lästige siebentägige Trauerzeit verkürzen könne. — Auch der Nichtisraelit wird die Schrift mit hohem Interesse lesen, und sich freuen, einem Manne zu begegnen, der Salomo's Ausspruch, welcher der Schrift zum Motto dient, selbst gewissenhaft erfüllt. „Säe am Morgen deine Saat, und am Abend laß deine Hand nicht ruhen. (Pr. Sal. XI. 6)". Ich muß Ihnen hierbei nur noch bemerken, daß dieser Artikel in mehrere ungarische Journale übergegangen. Sie werden auch hieraus ersehen, daß Ihr Wiener Correspondent nicht übertreibe und lobhudle, wenn er von der in Ungarn allgemein herrschenden Humanität spricht. Es wäre nur zu wünschen, und sehnlichst zu wünschen, daß die wissenschaftliche Bildung und das Streben aller unserer Rabbinen geeignet wären, nach innen Achtung und nach außen Anerkennung einzuflößen. Dieser Wunsch gehört wol zu den ersten piis desidcriis für die Israeliten in Ungarn; möge er recht bald, wenn auch nur zum Theil, in Erfüllung gehen! Deutschland. Leipzig, 15. Dez. (Privatmitth.) Die deutschen Zeitblätter nehmen es fast sämmtlich im besten Sinne auf, daß zum ersten Male seit der Gründung der hiesigen Universität im laufenden Jahre ein Jude in den Lebenskreis der Universität ausgenommen worden. Der Orientalist, Dr. Julius Fürst, wurde, wie wir bereits zu öfters besprochen, im verflossenen Sommer nach vorausgegangener Begutachtung und Empfehlung von Seiten der theologischen und philosophischen Fakultät, durch Ministerialverfügung zu Vorlesungen über hebräische und talmudische Sprache ermächtigt, und im Lectionskataloge der letztgenannten Fakultät zugewiesen. Die Leipz. Zeit., die Allg. Leipz. Zeit., die Allg. Augsb. Zeit, und viele andere, sprechen sich im anerkennendsten Sinne darüber aus. So ist wenigstens an einer deutschen Universität die jüdische Wissenschaft, wenn auch noch besonders vom linguistischen Standpunkte, repräsentirt. Wie segensreich Dr. Fürst hier wirken kann und wird, läßt sich von selbst absehen. Derselbe hat bereits die Geschichte der Juden und die Pirke Abot, von denen er deshalb einen korrekten Abdruck für seine Zuhörer veranstaltete, zu Gegenständen seiner Vorlesungen gemacht. Jesnitz, (bei Dessau) 16. Dez. (Privatmitth.) Der Verein der barmherzigen Brüder ('p 'n) der hiesigen, 40 Familien fassenden Gemeinde hat am 22. Nov. sein hundertjähriges Bestehen durch Gottesdienst mit Gesang und Predigt, die der Landrabbine, Herr S. Hirsch, abhielt, so wie durch fröhliches Mahl feierte. Ein neunzigjähriges Mitglied zierte die Versammlung. Der Bau eines Leichenwagens und eines Leichenreinigungshauses wurde zu Ehren des Festes beschlossen. — Preußen. Von der Warthe, 12. Dez. Die Leipziger Allg. Zeit, vom 11. Dez. enthält einen interessanten Artikel, welcher erweisen soll, daß die polnischen Gutsbesitzer nicht immer ihre Untergebenen so tyrannisiren, wie es von Zeit zu Zeit in Zeitblättern verschrieen wird. Es wird darin von der Rückkunft eines solchen zum väterlichen Schlosse nach neunjähriger Abwesenheit berichtet, und wie derselbe von den Bewohnern seiner beiden Städte und der Dorfschaften in freiwilligen Feierlichkeiten empfangen worden. Auch die Israeliten blieben nicht zurück, und hatten sich mit ihrer Schuljugend zu seinem Empfange gestellt. Nicht minder wurde in der Synagoge ein förmlicher Gottesdienst unter Anzündung von mehren hundert Kerzen und Beleuchtung der Fayade des Tempels abgchalten und der eingcladene Grundherr mit einer tief ergreifenden Rede bewillkommnet, in welcher der stellvertretende Rabbi sehr triftig ausführte, daß standhafte Verehrung des Glaubens der Väter und beharrliche Ausdauer gegen das menschliche Mis-