Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Date
1840-01-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225121--02407-3311884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 Raja's") mit dem neuen Hattischerif deshalb sehr unzufrieden seien, weil er sie der Consrription unterwirft, beruht auf einem großen Irrthum e. Jedermann weiß, daß die türkische Marine schon langst größtentheils auf dem Wege der Conscription enrolirt wurde, und daß schon seit mehreren Jahren alljährlich, selbst in Konstantinopel, Raja's zum Militairdienste conscribirt wurden. Die christlichen Patriarchen und der Oberrabbine erhalten alljährlich den Befehl, die erforderliche Anzahl von ihren Gemeinden zu stellen. (So sind denn auch die Israeliten in den Lebenskreis des türkischen Reiches getreten und gezogen worden: der Staat hat ihnen gleiche Gerechtigkeit verbürgt, Unverletzlichkeit ihres Lebens, Eigenthums und ihrer Ehre, hat sie als integrirenden Theil ihrer selbst anerkannt, durch, wenn auch, wie bei allen türkischen Unterthanen, passive Theilnahme an der Gesetzgebung, und durch Stellung ihrer Jugend in den Reihen des türkischen Heeres.) Algerien. Algier, 15. Dez. Wir haben bereits in den letzten Nummern des vor. I. mehrere Materialien zur Beurtheilung der Stellung, welche die Israeliten, als Eingeborene, in Algerien einnehmen, herangebracht. Herr Blanqui, der wieder einige Vorträge über die Zustände in Algier gehalten, berichtigt die allgemeine Meinung auch in Bezug der dortigen Juden in zwei Punkten. Haben die Franzosen in Algier, sagt er, die Araber der Ebene, die Kabylen, die maurischen Städtebewohner, die Kuluglis, die Neger, die Juden als feindlich sich gegcnüberstehende Massen gefunden, so haben sie nichts gethan, um sich dieser Feindseligkeit zur Unterwerfung Aller zu bedienen. Auch die Juden hat im Ganzen ein trauriges Geschick getroffen, denn sie müssen den Europäern den Handel überlassen, der früher ganz in ihren Händen war, und sie sehen sich immermehr verdrängt: so daß nur die niederen Klassen aller Eingeborenen sich den Franzosen näher anschließen. Zweitens behauptet er, und aus eigener Erfahrung, daß die Juden in Algier viel zu sehr von den Journalen angeschwärzt werden, daß sie im Gegentheil einen großen Fonds von Moralität, Rechtlichkeit und tüchtiger Betriebsamkeit haben. Dänemark. Aus Holstein, 16. Dez. (Privatmitth.) Nachdem wir lange in den Herzogthümern auf eine Verbesserung unserer politischen Lage gehofft hatten, scheint sich uns jetzt eine günstige Zukunft zu bereiten. Der Fürst, der den dänischen Thron so eben bestiegen hat, einer der Aufgeklärtesten und Humansten, hat es feierlich ausgesprochen, daß wir nicht lange mehr unseren Glaubensgenossen im Königreiche Dänemark so weit nachstehen sollen, wie es bis jetzt geschehen war, Worte, die sich tief in das Herz eines jeden seiner mosaischen Unterthanen in den Herzogthümern eingeprägt haben, und die angeerbte Liebe zu seinem Landesvater noch erhöhen. Was der verstorbene Monarch für einen Theil der mosaischen Glaubensgenossen begonnen, wird der jetzige für den andern vollenden. Der Prediger der mosaischen Gemeinde in Kopenhagen, Herr Dr. Wolf, brachte, von einigen Repräsentanten begleitet, Sr. Majestät zu Seiner Thronbesteigung den Glückwunsch der mosaischen Unterkhanen dar und hielt dabei folgende Anrede: Allergnädigster König, Ew. Majestät wollen Allergnädigst geruhen, den Glückwunsch und die Huldigung der Repräsentanten der mosaischen Gemeinde bei Ew. Majestät Allergnädigster Thronbesteigung zu empfangen. Wie groß und tief unser Schmerz über das Hinüberschlummern eines in jeder Hinsicht väterlichen Königs auch ist, dem Dänemarks mosaische Glaubensgenossen ewigen, unaussprechlichen Dank schuldig sind, „indem er mit königlicher Fürsorge den Grund zu ihrer gegenwärtigen bürgerlichen Stellung gelegt hat, so ist doch unsere Hoffnung zu Ew. Majestät Gnade und Gerechtigkeit, Weisheit und Erfahrung, daß Sie dieses wahre Humanität athmende Werk, einer ganzen Genossenschaft staatsbürgerliches Wohl zur Vollendung bringen werden, nicht minder groß. — Indem ich so glücklich bin, als Dolmetscher der innigsten Gefühle der Ergebenheit, Treue und Liebe, welche meine Glaubensverwandten für Ew. Majestät hegen, vorzutreten, sei es mir als erstem Geistlichen sämmtlicher mosaischen Glaubensgenossen in Ew. Majestät Reich vergönnt, die frommen Wünsche darzubringen, die Jeden von Ew. Majestät mosaischen Unterthanen beseelen. Und diesen herrlichen Beruf wage ich in einem so höchstwichtigen Augenblicke allerunterthänigst dadurch zu erfüllen, daß ich mich nach einem uralten, bei den Israeliten übrigen Ge- °) Raja's heißen alle Nicht-Türken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.