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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-27 · Heft 155 (27.12.1838) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 155 (27.12.1838)
Date
1838-12-27
Page
Seite 624 (sequence 2)
Language
German
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624 schwiller, Sohn des Ober-Rabbinen in Pfalzburg, hat der Direction des Israelitischen Theaters aus Paris eine Tragödie, „Esther," in reinem Hebräisch übersandt; sie ist jedoch noch nicht angenommen worden, weil man es nicht für angemessen halt, Stücke aufzuführen, die in einer dem größeren Theile des Publikums unverständlichen Sprache abgefaßt sind. Kopenhagen, 4. Dezember. Zn der 47sten Sitzung (am 23. Nov.) der Ständeversammlung zu Roeskilde, wurde der Vorschlag des Abgeordneten Drewsen, den Juden Wählbarkeit zur Ständeversammlung zu verleihen, schließlich behandelt, und dahin entschieden, daß eine Petition für diese Emancipation einzugeben sei, (so lautete nämlich der Vorschlag. s.No. 130.). Leipzig, 8. Dezemb. Die hiesige Allg. Zeit, enthält über das Baiersche Ministeriatrescripr, die Anstellung der Rabbinen betreffend, folgende Korrespondenz: „Vom Main, 4. Dezemb. Der kirchlichen Richtung unserer Zeit, oder richtiger, den Bemühungen, welche man macht, der Zeit eine bestimmte kirchliche Richtung zu geben, in diesem Bezug Alles und Jedes unter jedem Verhaltniß auf einen und denselben Standpunkt zu bringen, mit Einem Worte, das Jetzt mit einem Sonst auf jede Gefahr hin zu vertauschen, haben in Baiern auch die Israeliten nicht langer entgehen können. Durch eine universellere Bildung unter den vermögenden Juden überhaupt, durch verbesserten Unterricht der gesammten Jugend derselben, vor Allem;burd> die Erziehung vieler Einzelnen auf Gymnasien und Universitäten war selbst unter die Masse der israelitischen Bevölkerung eine Intelligenz gedrungen, welche es nach und nach den Theologen alttestamentlichen Glaubens unmöglich machte, auf der lange Jahrhunderte hindurch unausgesetzt behaupteten Bildungsstufe ferner stehen zu bleiben. Daher war es gekommen, daß die Lehrer wie die Theologen in den Judengemeinden tbeils eine edlere Wirksamkeit erhielten, theils an äußerer Achtung gewannen, vorzugsweise in Franken, wie überhaupt in Baiern diesseit des Rheins. Die Städte Baireuth, Fürth, Forchheim, Baiersdorf und viele andere, große Dörfer', wie Brück bei Erlangen, Kriegshaber bei Augsburg, nicht minder der Umstand, daß die reichsten Judenfamilien in München, Augsburg, Fürth und Baireuth ihren Kindern sorgfältige Erzieher in eignen Glaubensgenossen geben konnten, mögen zusammen füglich als Beweise gelten, daß die jüdische Kirche und Schule in dendrei letzten Jahrzehnten außerordentliche Fortschritte zum Bessern gemacht, in einzelnen Lehrern und Theologen sich selbst nicht selten der christlichen ehrenvoll an die Seite zu stellen vermochte. Wie in jeder andern Confeffion, so war aber auch in der jüdischen BaiernS mit dem Auftauchen des Lichtes den Freunden der Finsterniß das Signal zum Lärm und Toben gegeben. Fast nirgend wurde der Kamps so heftig wie bei uns, kaum irgendwo hat sich die Kluft zwischen den Anhängern des Veralteten und den Verehrern des Zeitgemäßen, oder zwischen den Alten und Jungen, zwischen den orthodoxen Vätern und den liberal erzogenen und geistig gebildetem Söhnen, schroffer gezeigt als wieder bei uns; aber nirgend schien der Sieg bei fernerer Unterstützung durch die Regierung der Sache wahrer Humanität sicherer zu sein als abermals bei uns in Baiern. Solcher Hoffnung scheint man sich nicht mehr hingeben zu dürfen, seit ein Ministerialerlaß (No. 336) nur alt-orthodoxe Rabbiner anzustellen befiehlt. - Der Eindruck, welchen dieser Erlaß gemacht hat, mußte nothwendig ein doppelter sein, je nachdem er den.Alten das Gelangen zu dem längsterstrebten Ziele, den Jungen die Vernichtung jeder Hoffnung für Begründung dauernder Gesittung unter den Glaubensgenossen brachte. Die Sache ist natürlich zu neu, um in ihren Folgen schon kenntlich zu sein; daß diese aber nicht ausbleiben können, vermag nur zu bezweifeln, wer durchaus keine Einsicht in die ^betreffenden Verhältnisse hat. Eins wird das Frühjahr schon lehren: die ohnehin schon zahlreichen israelitischen Auswanderer nach Amerika auS Franken und ganz. Baiern werden sich zweifelsohne außerordentlich mehren." München, 9. Dezemb. (Privatmitth.). Obwol ich Ihnen nun schon mehrere allerhöchste Regierungsverfügungen mitgetheilt habe, die es darthun, daß in dem Ministerium an einer Organisation unserer kirchlichen Verhältnisse mit allem Ernste gearbeitet wird, so sehen wir" in Betreff der politischen Lage unserer israelitischen Glaubensgenossen noch stets vergebens einer verbessernden Aenderung entgegen. Denn in dem Abschied an den Landrath von Pfalz und Regensburg ist die allerhöchste Willensmeinung ausgesprochen, daß man in Betreff der Juden sich strenge an den beschrankenden Gesetzen des Ediktes vom 10. Juni 1813 zu halten habe, so wie auch alle'werter erfolgten Beschränkungsgesetze zu befolgen sind. Würzburg, 10. Dezember. (Privatmitth.). Einen Beitrag zur Beurtheilung unserer Verhältnisse liefert folgende beklagenswerthe Thatsache. Ein Israelit unsres Kreises hat unlängst die Erlaubniß zur Ansässigmachung auf den Betrieb des Lumpensammelns und der Lohnarbeit (Tag- Löhner) erlangt. Vor Kurzem ist ihm nun durch das Rentamt seines Gecichtsbezirks einhundert und zwanzig Gulden Receptionsnebst zehn Gulden jährliches Schutzgeld zu entrichten abgefordert worden! Derselbe ist, wie sich leicht entnehmen läßt, ein unbemittelter Mann und sieht sich der Gefahr ausgesetzt, daß ihm sein Wohnhauschen, sein einziges Realgrundstück, verkauft wird, um von dessen Erlös das Receptionsgeld zu bezahlen. Historische Mittheilungen über die Inden in Asien und Afrika in dem letzten Jahrzehend. (Eingesandt durch vr. I. Fürst.) (Fortsetzung.) I) Der Missionär Pater Gozani war im Anfänge des vorigen Jahrhunderts der erste, der uns genauere Nachricht über die Juden in China ertheilt, wahrend di« früheren Missionäre, die dahin gesandt worden waren, nur unbe-

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