Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 155 (27.12.1838)
- Date
- 1838-12-27
- Page
- Seite 625 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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623 stimmte Kunde von denselben hatten (s. Trigaut de exped. Sinica, B. 1 C. 3, Semedo Pelatione della China Part. 1 Cap. 30, pag. 130). Zu Cai-fong-fou, der Hauptstadt der Provinz Honan, wohin er sich auf Verlangen eines seiner Freunde begeben hatte, empfingen ihn die jüdischen Landesbewohner sehr zuvorkommend, unterrichteten ihn über ihre religiösen Gebrauche, und zeigten ihm ihr Gotteshaus nebst den daselbst sorgfältig ausbewahrten heiligen Büchern. Seine von ihnen und diesen heiligen Büchern gemachten Erfahrungen theilt er einem seiner Ordensbrüder in einem höchst interessanten Schreiben mit, welches sich unter seinen Lettres edifiantes, Tome 7. p. 4—40 befindet (die beigefügten Erläuterungen sind von Ludwig Wihl im Ausland, 1830, No. 90.) Das Schreiben ist von Cai-fong-fou den 5. Nov. 1704 datirt, und lautet ungefähr folgendermaßen: Es sind bereits zwei Jahre, daß ich mich zu denjenigen, welche man Tiao-kin-kia nennt, sie für Juden haltend, zur Untersuchung des alten Testaments begeben wollte. Doch hielten mich von diesem Vorhaben sowol meine Unkenntniß der hebräischen Sprache, als auch sonst mehrere, sich darbietende Schwierigkeiten ab. Seitdem ich aber durch Ihre, mir erwiesene, Güte, angefangen habe, mich genauer über dieselben zu unterrichten, war ich stets bemüht, trotz jener Hindernisse mit aller mögiichen Sorgfalt und Genauigkeit Ihren Wunsch zu erfüllen. Wahrend ich mir die Freundschaft dieser Leute zu erwerben suchte, kamen sie mir nicht allein sehr freundschaftlich entgegen, sondern hatten auch die Artigkeit mich zu besuchen. Ich ging in ihre Synagoge (Lipai-fou), wo ich sie Alle versammelt fand, und unterhielt mich lange mit ihnen. Bon den Inschriften, die ich daselbst bemerkte, waren einige chinesisch, andere in ihrer eigenen Sprache abgefaßt. Nachdem sie mir ihre heiligen Bücher gezeigt hatten (King«), ließen sie mich in das Atterheiligste gehen, obgleich ihnen selbst der Eintritt dahin nicht gestattet, vielmehr dieser Theil des Gotteshauses für den Vorsteher der Synagoge (Cham-Kiao) bestimmt ist, der sich nicht anders als mit der tiefsten Ehrfurcht demselben nähert. Hier befanden sich auf Tischen Dreizehn Bundesladen, so möchte ich sie ihrer Form nach nennen, — mit kleinen Borhangen umgeben. In jeder derselben war der Pentateuch, das sogenannte heilige King von Moses, .eingeschlossen. Zwölf stellten die zwölf Stämme Israels, das dreizehnte Moses vor. Diese Pentateuchs waren auf Pergament geschrieben und um eine Rolle gewickelt. Sie standen keinen Augenblick an, meinen an den Synagogenvorsteher gerichteten Wunsch, den Vorhang von einem dieser Tabernackel abziehen und eine dieser Pergamentrollen abwicketn zu -lassen, zu erfüllen. Die Schrift schien, so kam es mir wenigstens vor, schön und genau. Sie erzählten mir, daß Eine dieser Rollen aus der großen Ueberschwemmung des Flusses Hoango, welcher in die Hauptstadt der Provinz Cai-fong-fou übertrat, gerettet worden wäre; daß sie sich aber, weil die Buchstaben fast zur Hälfte verwischt waren, es sich angelegen hatten sein lassen, zwölf Abschriften von dem einen Exemplare zu nehmen. An zwei andern Seiten der Synagoge befanden sich zwei alte Kasten, welche eine große Anzahl Bücher, in welche sie den Pentateuch eingetheilt haben — die Theile werden von ihnen Takim genannt — wie auch die übrigen . Schriften des alten Testaments enthalten. Diese dienen ihnen zu Gebetbüchern (?). Von denen, welche sie mir zeigten, schienen einige hebräisch geschrieben zu sein. Sie waren theilweise neu oder alt und halb zerrissen. Wie Kleinodien heben sie diese Bücher auf, sorgfältiger als ob sie aus Silber oder Gold verfertigt wären. Eine höchst prachtvolle, sehr hohe und mit einem schönen, gestickten Polster versehene Kanzel erhebt sich in der Mitte des Gotteshauses. Von diesem Stuhle Moses (so nennen sie die.se Anhöhe wird jeden Sonnabend und alle Feiertage der Pentateuch vorgelesen. Auf einem auf demselben bemerkbaren Schilde steht der Name des chinesischen Kaisers geschrieben. Doch sieht man außerdem weder Bildsäulen noch Gemälde. Die Synagoge liegt ostwärts; doch wenden sie sich, wenn sie beten, von dieser Seite ab; Gott beten sie unter dem Namen Tien, Cham-Tien, Cham-ti, Teao-van-voe-tche an, das heißt aller Dinge Schöpfer, und endlich unter dem Namen Van-voe-chu-tiai, d. h. Schöpfer der Welt. Sie bemerkten mir zugleich, daß sie diese Namen aus den chinesischen Schriften genommen hätten, um damit das höchste Wesen, die erste Ursache aller Dinge, zu bezeichnen. In einem großen Saal, der am Ausgange der Synagoge liegt, bietet sich dem Auge nichts als eine Menge Rauchpfannen dar, mit welchen sie ihren Chim-gins, das heißt, den großen Männern des Gesetzes, ihre Hochachtung erweisen. In der Mitte des Saals -gerade sah ich die größte dieser Rauchpfannen, welche, wie sie mir sagten, dem Urheber ihres Gesetzes, dem Patriarchen Abraham, angehört. Darauf folgten die von Jsak und Jakob und seinen 12 Söhnen, die sie die zwölf Stämme Israels, Chel-cum-paife, nennen. Zunächst kommen die von Moses, Ahron, Josua, Esra und vielen andern berühmten Menschen, seien es nun Männer oder Frauen. (Fortsetzung folgt.)