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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-25 · Heft 154 (25.12.1838) · p. Seite 620

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 154 (25.12.1838)
Date
1838-12-25
Page
Seite 620 (sequence 2)
Language
German
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620 stellte Lehrer, einen Professor, einen Bergwerker, zwei Rechtspraktikanten, welche jüngst ebenfalls zu Advokaten befördert wurden. Auch dort besteht eine,erst später begründete Volksschule unter der Leitung des Oberlehrers Nelson, eines Schülers des Herrn Dr. Wolfs. Neben diesen beiden verdient die mit geringem Mitteln dotirte, aber durch die unermüdliche Thätigkeit des Oberlehrers Rehfuß gleichen Resultaten entgegenstrebende Volksschule in Heidelberg rühmliche Erwähnung. Herr Rehfuß hat sich auch durch mehrere Schul - Schriften einen Ruf in der Literarischen Welt erworben. In Einem Punkte jedoch sind unsere Bemühungen bisher gescheitert, nämlich in dem Versuch, den Ackerbau unter unsern Glaubensgenossen zu verbreiten. Wir haben zu diesem Zweck Vereine stiften wollen; aber wir fanden nicht Mittet und Wege, zu unserm Zweck zu gelangen. Es war in Vorschlag, Preise auszusetzen — aber es war vorauszusehen , daß dieses Mittel nur geringen Erfolg haben werde. Man hat auch vorgeschlagen, junge Leute in die Lehre zu thun, damit sie wie bei Handwerken so auch den Ackerbau erlernen. Aber man hat gefunden, daß den Juden auf dem Land nicht die Kenntniß, wol aber häufig der Wille, gewöhnlich aber die Mittel zur Betreibung des Ackerbaues abgehen. Man dachte nun daran, die Mittel durch vereinigte Kräfte herbeizuschaffen. Man ging mit dem Plane um, ein Kapital aufzubringen, um an verschiedenen Orten Grundstücke anzukaufen, und diese nachher unentgeldlrch oder gegen einen geringen Pacht an Personen, die den Ackerbau treiben wollen, unter der Bedingung zu überlassen, daß sie sich nur ausschließlich damit befassen dürfen. Auch dieser Plan scheiterte, weil man das hiezu nöthige Kapital nicht aufzubringen vermochte. Seitdem ist kein weiterer Versuch der Art gemacht worden. Es verdient aber gerade dieser Gegenstand die Aufmerksamkeit Aller, denen das materielle wie das politische Wobl unserer Glaubensgenossen am Herzen liegt. Ja er dürste die wahre Lebensfrage in Bezug auf das Wohl der Massen genannt werden! Denkende und erfahrne Männer werden daher aufgefordert, ihre Ansichten darüber in diesen Blattern niederzulegen. Vielleicht ist die Aufgabe irgendwo schon gelöst, und wir könnten durch diese Blatter die Lösung erfahren. Tages-Controle. Anzeige eines neuen Werkes. Erster Artikel. In diesem Augenblicke beginnt der Druck eines Werkes, das nicht allein eine große Lückeunserer Literatur auszufüllen , sondern auch ein von Tag zu Tage immer fühlbareres Bedürfniß zu befriedigen bestimmt ist, und so die volle Aufmerksamkeit und Theilnahme des Publikums, insonders des israelitischen, in Anspruch nehmen wird. In den Wirren des jetzigen Lebens, in dem bunten Gemisch der religiösen Ansichten, da dem Einzelnen bei dem Drangen menschlicher Autoritäten der Boden immer schwankender, der Faden, der zu sicherm Ziele führe, immer dünner wird: jetzt wird der Ruf „zur heiligen Schrift!" immer lauter, immer durchdringender, immer überwältigender. Auf diese berufen sich ja Alle, diese nehmen Alle als ihr Fundament in Anspruch, von dieser versprechen Alle nicht abweichen zu wollen, diese sollen und wollen Alle heilig halten, und dnnch das Leben tragen. In sicheren Zeiten wird die Fahne, das Panier wohl verwahrt aufgehoben, aber in Ruhe gelassen. So aber der Krieg über die Erde schreitet, und der Kampf zwischen gerüsteten Männern entbrennt, dann wird sie entrollt, und vorgetragen, Aller Blicke sind auf sie gerichtet, sie soll zum Siege führen. Wahr ist es, Verschiedenheit der Meinungen hat sich in Israel noch nie so offen und stark ausgeprägt, wie jetzt. Wahr ist es, daß zu keiner Zeit die Religion Israels sich ihre göttliche Selbstständigkeit bei den Geistern aller Völker mit solcher Kraft erringen wollte, wie jetzt, und daß sie eben darum zu keiner Zeit mit solcher Heftigkeit angegriffen wurde, wie jetzt. Darum muß die, göttliche Ociflamme der heiligen Schrift mehr als je in unseren Reihen erhoben werden, daß sie nach innen und außen mit ihrer alten Siegeskraft, der Wahrheit den Sieg bereite, dem Rechte die Obmacht und der Erkenntniß den Pfad. Unantastbar ist die heilige Schrift in ihrer unerreichbaren Ursprache, und wie schon von allen Völkern sie in dieser gelesen, unter allen Nationen ihre Kenntniß in dieser Ursprache gefordert wird, wie könnte sie je anders den Israeliten zueigen bleiben, deren ganzes, geistiges wie materielles, Dasein von ihr begründet und gehalten wird? So dir die heilige Schrift als solche in die Hände gegeben werden soll, muß dir ihr göttlicher Geist aus den Charakteren der Ursprache entgegenleuchten können. Aber utifere Muttersprache ist sie nicht mehr, die Sprache, in der wir, groß und klein, gelehrt und ungelehrt, denken und empfinden nicht mehr; selbst in den Augenblicken, wo wir uns am meisten in die Tiefe ihrer Aussprüche versenken, übertragen wir ihre Laute unwillkübrlich in die Sprache, der wir durch Raum, Zeit und Geburt angehör ren, die seit dem Lallen unserer Kindheit die unftige geworden. Die Uebertcagung in diese Sprache ist die Brücke, auf der schneller die Gedanken und Gefühle, welche die Schrift erwecken will, in unser Inneres, in unser Seelenleben hinüberdringett. Aber die heilige Schrift stehet durch einen großen Zeit- und Raumabstand uns entfernt; ihre Geschichten gehen vor

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