Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 154 (25.12.1838)
- Date
- 1838-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. z-hrg-ng. Allgemeine No. i.»j. Zeit««« des Zudcnthumö. Ein rmpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit Kömgl. Sächsischer allergnadigster Lonceffion.) Leipzigs den 2ö. December 1838. Bemerkung: So eben, am Schluffe dieser Woche, laufen Berichte des schon mehrfach besprochenen Reisenden, Herrn Loewe, bei uns ein, worin zuerst seine Reise von Alexandrien nach Jerusalem zur See beschrieben wird, und datirt sind aus Alexandrien, Zidon, vom Libanon, wo^er einige Tage bei der Lady Stanhope zugebracht, von Zafed, Nablous (öde), wo er höchst Merkwürdiges über die Samaritaner mittheilt. Wir werden diese Berichte in den nächsten Wochen mittheilen, und sind sie vom höchsten Interesse. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Aus dem Großherzogthum Baden, 16. Dezbr. (Pcivatmitth.). In Baden wird von den Israeliten eine besondere Abgabe unter dem Namen „Oberrathsgelder" erhoben, welche zur Verbreitung der Handwerke, zur Unterstützung von Studirenden uno angehenden Lehrern verwendet wird. Die Vertheilung geschieht jährliche durch die Kreisregierungen. Aus einer neulichen Zusammenstellung der Regierung des Unterrheinkreises hat sich folgendes Resultat ergeben. Die Zahl der Unterstützten betragt: 172; davon treiben das erlernte Fach gegenwärtig 86; auf der Wanderschaft befinden sich als Gesellen 39; gestorben sind 7; Handelsleute wurden 11; Soldaten 2; Knechte 5; verschiedenen andern Ecwerbszweigen haben sich zugewendet 22. Unter den ersten bemerkt man: 11 Lehrer, gegenwärtig angestellt, 5 Theologen, 1 Arzt, in Mannheim praktickrend, 11 Schneider, als Meister etablirt, 21 Schuster, 2 Seiler, 3 Buchbinder, 4 Glaser, 2 Kleber, 5 Bäcker, 2 Seifensieder, 4 Schreiner, 1 Kammacher, 3 Metzger, 1 Gold- und Silberarbeiter, 1 Schmidt, 1 Landwirth, 8 in verschiedenen Handwerken etablirt, die nicht angegeben sind. Auf der Wanderschaft befinden sich als Gesellen: 12 Schneider, 6 Schuster, 1 Seiler, 1 Glaser, 2 Bäcker, 1 Schloffer, 2 Schreiner, 1 Kammmacher, 1 Juwelier, 1 Tuchmacher, 1 Sattler, 1 Büttner, 9 in verschiedenen Handwerken. In den andern Kreisen des Großherzogthums sind verhältnißmaßig eben so viel Handwerker, Lehrer und Studirende unterstützt worden, worüber jedoch dem Einsender dieses officielle Nachweisungen fehlen. Neben dieser vom Staat ausgehenden Maßregel zur Verbreitung der Künste, Wissenschaften und Handwerke unter unfern Glaubensgenossen eristiren noch Privat-Vereine zu gleichem Zweck in Carlsruhe, Mannheim und Heidelberg. Diesen vereinten Bemühungen, vorzüglich dem unter den Israeliten selbst erwachten Streben, den ihnen so vielseitig gemachten Vorwürfen, als beschäftigten sie sich allein mit dem Handel, für die Zukunft zu entgehen, ist es auch gelungen, recht erfreuliche Resultate in dieser Beziehung zu erhalten. Nach einer im Jahr 1826 vorgenommenen genauen Zählung betrug die jüdische Bevölkerung Badens 17,270 Individuen, oder die Familie zu 6 Individuen angeschlagen, 2878 Familien. Unter diesen gab es damals schon 93 Bauern und 403 Handwerker, zusammen also 496 Familienhäupter, welche sich von Handwerken und Ackerbau ernährten. Vergleicht man diese Zahl mit der Gesammtzahl der Familien — da bei gewerblichen Verhältnissen nicht die Zahl der Individuen, sondern nur der Familienhäupter in Betracht kommen kann, — so ergiebt sich das gewiß beachtenswerthe Resultat, daß mehr als ein Sechstheil der Israeliten Badens sich schon im Jahr 1826 von Handwerken und dem Ackerbau ernährte. Zu diesem Resultate mag auch die dankenswerthe Bemühung des Badischen Oberraths, der obersten israelitischen Kirchen- Behörde, überall wo es die Mittel der Gemeinden gestatten, israelitische Volksschulen zu gründen, nicht wenig beigetragen haben. Schon im Jahr 1826 gab es 32 iftael. Volks- Schulen mit 44 Lehrern, welche einen Gehalt von 8797 fl. von den Gemeinden bezogen. Die Anzahl der Schulen hat sich seitdem noch bedeutend vermehrt. Doch ist Einsender nicht im Stande, das jetzige Zahlen - Verhältniß anzugeben. Welche unglaubliche Resultate durch solche Schulen erzielt werden, sieht man z. B. recht augenscheinlich in Mannheim, wo die iftael. Volksschule in dem Jahr 1817 unter der Leitung des würdigen Oberlehrers, Herrn 0r. Wolff begründet wurde. Die gewerblichen Verhältnisse der Israeliten sind seit jener Zeit, freilich begünstigt durch die Gewerbfreiheit, welche den badischen Juden schon seit 1809 zugestanden wurde, völlig umgeändert worden. Geregelte kaufmännische Geschäfte sind an die Stelle des frühem unordentlichen Handels getreten. Blühender Wohlstand ist allenthalben sichtbar. Es giebt 32 Meister verschiedener Handwerke, .unter andern ein Küfer und Bierbrauer, 18 Gesellen auf der Wanderschaft, und 6 Lehrlinge. In Carlsruhe giebt es 37 Meister, 11 Gesellen und 9 Lehrlinge; außerdem zwei Advokaten, vier Aerzte, drei ange-