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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-22 · Heft 153 (22.12.1838) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 153 (22.12.1838)
Date
1838-12-22
Page
Seite 616 (sequence 2)
Language
German
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616 wird auch er uns Dank wissen — um die öffentliche Meinung auszusprechen, mögen folgende Worte hier eine Stelle finden. Die Zeit ist Gott sei Dank! vorüber, oder soll vorüber sein, wo es im Judenthume nur darauf ankam, sich eine Partei zu machen, und dann, ohne Verhältniß mit den anderen, ohne Bezug- und Kenntnißnahme der anderen, nur auf diese seine Partei zu wirken, sie zu erhalten, zu vergrößern, gestrebt ward. Sondern es hat sich im Judenthume eine schöne allgemeine Partei gebildet, welche wol die Mehrzahl umfaßt, die, ohne den Extremen zu huldigen, die Resultate eines mit großen Kräften geführten Kampfes erwartet. Unparteiisch erwägend, bleibt bei ihr Ironie, Schmähung ff. der einen wie der andern Partei ganz wirkungslos, sondern sie verlangt nur Evidenz des Beweises. Wohl weiß sie, daß die reformatorische Partei des Judenthums lang genug auf die konservative mit Schmähung Losgefahren ist, daß sie nicht auch dieser Ähnliches einmal Nachsehen sollte. Aber Zeit ist es, daß beide diese ungeziemenden, und aller Religiosität, namentlich dem jüdischen Chaßid verhaßten Waffen bei Seite lagen. Sehr gut wäre es, wenn daher Herr Rabbine Hirsch uns seinen wahrhaft frommen Eifer dadurch bewiese, daß er die Form seiner quastionnirten Kritik freiwillig aufgäbe, sich von ihr lossagte, unter dem Vorbehalte, daß er in die gedachte mhige Diskussion, für dieses Opfer gern, kommen wolle. Dadurch würde er sich erst unsre Achtung sichern, und zeigen, daß es ihm nicht auf's Poltern, sondern auf's Lehren und Wirken ankommt. Er würde dadurch aufhören, ein bloßes Meteor zussein, und sich zu einem festen, gestalteten Körper bilden. Politik. Zweite Verhandlungen der Provinzialstände für Nord-Jütland, über die Wählbarkeit der mosaischen Glaubensbekenner zu Ständemitgliedern. (AuS dem Dänischen der Ständezeitung, kkr Auszuge,) (Fortsetzung.) Bischof Oltgard hielt es für Pflicht, sich etwas naher über diese Sache auszuspcechen. Toleranz ist gewiß eine so acht christliche Tugend wie eine; was ist aber Toleranz? Der Redner will es einem Manne nach angeben, den Niemand, der ihn gekannt, in Verdacht der Intoleranz haben wird, dem letztverstorbenen Bischof von Seeland, der in seinem 1808 herausgegebenett Moralsystem sagt, Toleranz ist „die Gesinnung, der zufolge man sich hütet, die Bürgerrechte wie den Menschenwerth vermeintlich Irrender zu verkennen." Ist dem also, wird denn der Menschenwerth der Juden verkannt, wenn ihnen „Achtungswürdigkeit, Rechtschaffenheit und Tüchtigkeit" eingeräumt wird? Verkennt man ihre Bürgerrechte, wenn man sich darüber freut, daß „alle allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte zugesianden sind?" Ist es Verkennung, ihnen nicht ein Bürgerrecht ein, räumen zu wollen, welches sie doch in jedem Fall nur zum Theil und unter wichtigen Beschränkungen würden ausüben können? Judenthum und Christenthum sind ja doch nicht eins und dasselbe, und so gewiß wie wir glauben, daß Christenthum Wahrheit ist, so gewiß müssen wir auch das Judenthum, wie es jetzt ist, und insofern es in Glauben und Lehre mit dem Ehristenthum nicht übereinstimmt, sondem davon abweicht, als Jrrthum betrachten; ist es denn Verkennung, wenn wir behaupten, daß wir den von uns in Glauben und Lehre Abweichenden das bürgerliche Recht nicht einräumen können, ..einräumen dürfen, mit uns zu Rath und Urtheil in Angelegenheiten zu sitzen, welche in genauester Verbindung mit unserm Christenglauben und den mit demselben zusammenhängenden Grundsätzen und Lehren stehen? Es kann in dieser Hinsicht nicht genug sein, daß die Juden von Rath und Stimmgebung in eigentlichen Religions- und Kirchenangelegenheiten ausgeschlossen werden, denn, wie der königliche Commissarius vorher gesagt und kürzlich näher entwickelt hat, und Jeder, der die weit ausgreifenden Wirkungen des Christlichen in der Gesellschaft bedenkt, zugestehen muß, die Religion hat einen in alle, also nicht blos in die eigentlich kirchlichen und. religiösen, aber zugleich in so viele andere bürgerliche Verhältnisse eingreifenden Einfluß. Wenn selbst daher die Erlösung, dke der Jude als solcher und so weit er wirklich den Glauben seiner Väter hat, erwartet, nicht eine irdische wäre, selbst wenn wir dem beistimmen könnten, was als der letzte Zweck des jetzigen Judenthums für Kirche und Staat und letzte Hoffnung für die Bestimmung des Einzelnen und der Menschheit aufgestellt wird, würde doch damit die Scheidung nicht gehoben sein, denn zur Erreichung müßte doch einerseits auf den Weg hingewiesen werden, welchen das Ehristenthum zeigt, und andrerseits auf den, welchen das Judenthum zeigt, und zwischen diesen beiden kann keine Vereinigung Statt finden, ohne daß das letztere das aufgibt, was eigentlich sein Wesen ausmacht. Der Redner kann deshalb noch immer nicht in die Aufnahme der Juden in den auch in die höhere Staatsführung eingreifenden Volksrath seines christlichen Volkes stimmen, und er denkt, daß jeder aufrichtige Jude auch ihn, als Christ, nicht in seines Volkes Rath ausgenommen wünschen möchte, worin

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