Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 153 (22.12.1838)
- Date
- 1838-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. AllgkMeMe N». ISS. Zeitung des Zudcnthums. Ein uupartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnä'digfter Concesiion.) Leipzig, den 22. December 1838. Zeitungsnachrichten. Kopenhagen, 20. Nov. (Privatmitth.). Au gleicher Zeit, da bei den Seeländischen Ständen die für uns wichtigste Debatte unsrer Zeit gehalten wurde, nämlich die Wählbarkeit der Israeliten in die Ständeversammlungen, was nun doch durchgefochten ist, wenn auch mit einer kleinen Majorität — ist in unsrer Gemeinde bei dm Repräsentanten eine nicht minder heftige Debatte vorgefallen über einen Gegenstand, der an und für sich von sehr geringer Bedeutsamkeit, jetzt, wo überall sich eine Principiensrage entwickelt, dennoch nicht zu übersehen ist, nämlich dj§ Vergebung des Amtes eines sogenannten Bet-hamidrasch - Mannes oder Klausener's. Wie überall, so war es bis jetzt auch hier Sitte, solche Stellen an alte Männer, die gute ralmudische Kenntnisse besitzen, zu vergeben. Daß dieser Schlendrian, der bei den geringen jüdischen Mitteln die besten Kräfte nutzlos consumirte, eine Art Reform erleiden mußte, sah man natürlich ein, und setzte insbesondere eine kräftige Erklärung unseres Dr. Wolfs an die Repräsentanten auseinander, worin er erwies, daß es in unsern Tagen nicht bloß eines Lamden bedarf, sondern eines zugleich wissenschaftlich gebildeten Mannes. Die Wahl traf denn auch auf einen jungen Mann, der Alles für sich hatte, außer daß er ein Fremder lst, den H. Rubin. Diesem jungen Manne, aus dem Großherzogthum Posen gebürtig, der seit sechs Jahren hier ansässig ist, ist es gelungen sich die Achtung aller Besseren so zu gewinnen, daß die Wahl einstimmig auf ihn siel. Rubin vereinigt klassische Studien mit talmudischem Wissen, ist tüchtiger Kenner der neuern Theologie, hat auch die in dieser Zeitung schon erwähnte Lesegesellschaft zur Belebung der wahren Kenntniß des Judenthums gestiftet. Ader daß derselbe auch das Herz auf dem rechten Flecke hat, ersieht man daraus, daß er dem Sohne des Legators seiner Stelle, der sehr verarmt ist, freiwillig einen Theil seines Gehaltes abgetreten. Herrn Rubin liegt es aber nun ob, dem Vertrauen, das man in ihn gesetzt, zu entsprechen, von seinen Handlungen alles Unentschlossene zu verbannen, -und einen festen Charakter anzunehmen und zu bethatigen. Bei der Muße, welche diese Stelle bietet, wird man ihn einst wohl fragen müssen, wie er sie angewendet. M. N. München, 5. Der. Unterm 23. Oktober ist folgender Erlaß aus dem Ministerium des Innern ergangen. „Mit Beziehung auf §. 26. und folgende des Ediktes vom 10. Juni 1813, die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen betreffend, dann mit Bezug auf das Ministerial- Ausschreiben vom 19. Februar dieses Jahres, die Anzeige des Rabbiners Dr. Aub zu Baireuth bezüglich der religiösen Verhältnisse der Israeliten betreffend, und unter Vorbehalt der Anordnungen, welche über die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten überhaupt und die Vorbildung, Prüfung und Bestätigung der Rabbiner insbesondere künftig etwa werden getroffen werden, wird der Königlichen Regierung, Kammer des Innern, hierdurch eröffnet, daß Se. Majestät der König für die zu besetzenden Rabbinate nur gründlich gebildete und zugleich den echten mosaischen Glaubenslehren und Ceremoniat-Satzungen treu anhängende, nicht verderblicher Neologie huldigende Kandidaten fortan bestellt und resp. bestätigt wissen wollen. Für den genauen Vollzug dieser Allerhöchsten Willens-Meinung wird die Königliche Regierung, Kammer des Innern, sowol eine allgemeine als in jedem speziellen Falle die geeignete Sorge tragen und diesen Gegenstand fortwährend mit entsprechendem Eifer überwachen." Man vergleiche diesen Artikel wol mit dem, was über die Prüfungen jüdischer Rabbinatskandidaten in dieser Zeitung No. 117. 120. 124. 126. berichtet worden, man bedenke, welche Anstalten wol getroffen sind, tüchtige Rabbinatskandidaten zu bjlden, noch dazu, da in Baiern vom Beginne an die Collekte für die jüdisch-theologische Fakultät verboten wurde, und man muß gestehen, daß jedenfalls dieses Allerhöchste Rescript die so schon verworrenen Angelegenheiten der Israeliten in Baiern nur noch verwirrter macht, und so ohne bestimmte Folgen sein muß. Von der einen Seite „gründlich gebildete," von der andern Seite „den Eeremonial-Satzungen treu anhängende" Männer, das ist 1a scbon Ziel, Lösung, und das einzige Mittel, das zu dieser Lösung führen könnte, die jüdisch-theologische Fakultät — hat man verschmäht und verworfen! Aus der Schweiz, 23. Nov. Man meldet aus Zürich vom heutigen: Dem großen Rath liegt gegenwärtig ein Gesetzesvorschlag, betreffend die Niedertaffung und den Verkehr der Juden, vor, und bereits haben sich vorläufig mehrere Mitglieder darüber in sehr abweichendem Sinne vernehmen lassen, indem einige derselben unbedingte Niederlassung, andere nicht oder nur unter sehr erschwerenden Bedingungen gestatten wollen. Hamburg, 6. Dec. (Privatmitth.). Die Erklärung, welche in No. 143. Herr Dr. Creizenach in Bezug auf Herrn Rabb. Hirsch abgegeben, ist hier nicht ohne volle Aufmerksamkeit zu erregen, vorübergegangen. Nicht um Herrn Rabbinen Hirsch vorzugreifen, wohl aber — und dies