Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 152 (20.12.1838)
- Date
- 1838-12-20
- Page
- Seite 612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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612 ist auch die Angelegenheit selbst, und so geht cs hier mit Allem. Systematische Opposition, der kein Mittel zu schlecht ist, einerseits, Superklugheit andererseits. Wir wollen einen gewissenhaften Lehrer für unsere Normalschule, eine Reorganisirung des Waisen-Lehr-Institutes, eine Ausdehnung des geregelten Gottesdienstes auf alle Synagogen, und nichts wird als leeres Stroh gedroschen; Alles bleibt beim Projecte. Und darüber soll man berichten? G München, ö. Dec. (Privatmitth.). In dem unten mitgetheilten Königl. Rescripte sieht man, wie ernst es unsrer Regierung um die Organisation der kirchlichen Verhältnisse unsrer Glaubensgenossen sei, da es bei der nunmehr vor sich gehenden Besetzung der neu errichteten oder erledigten Rabbinate von höchster Wichtigkeit ist. — Jüngst war ein Gelehrte, Namens Frankel aus Breslau, hier, der Subscribenten zu einer Herausgabe des More Nebuchim sammelt, wozu er unter den hebräischen Handschriften der pariser Bibliothek die fehlenden Stücke des Commentars von Narboni gefunden, die er dieser Ausgabe nun beidrucken lassen will. Von Dr. Klüber in Erlangen erschien eine neue Schrift über die jüdischen Angelegenheiten, unter dem Titel: Historische und staatsrechtliche Lösung der beiden europäischen Lebensfragen über die natürlichsten Mittel der Judenemancipation, zur bleibenden Zufriedenheit von Christen und Juden; dann über die ohne Gewissenszwang erfolgende Adwürdigung des Talmuds. Sie wissen schon, was von den Büchern mit so langen Titeln zu halten ist; dieser Rath weiß weder sich, noch uns zu rathen. Dem Ihnen über Harburg übermachten Bericht bitte ich, am Schlüsse folgendes noch beizufügen: Die Orte Pflaunloch und Oberndorf im Königreiche Würtemberg gehörten früher ebenfalls dem Fürsten Wallerstein. Dieselben sind dieser Steuer enthoben. Tages-Controle. Kein Wort mehr von der Asver-Sage*). (Eingesandt). Sie ist, wie der Herr Dr. K. Gutzkow mit Recht behauptet, eine rein christliche, und findet keinen Platz in einer Zeitung für das Judenthum **). Sie ist ihrem Ur- *) Diesen von sehr verehrter Hand eingesandten Artikel geben wir hier mit Vergnügen, ohne daß natürlich unser individuelles Verhältniß zu dem ,,Telegraphen für Deutschland" dadurch im Geringsten verrückt wurde, indem dasselbe noch immer so bleibt, wie es sich im letzten Artikel No. 129. herausgestellt hat. D. Red. *•) Hat eS auch noch nie. In dem Unjüdischen jener Sage Summten wir immer mit G. überein, aber wir behaupteten auch aö Unchrrstliche derselben. Red. fprung, wie ihrem Charakter nach, so sehr christlich, und als Partei-Aeußerung so antijüdisch, daß es mir unbegreiflich ist, wie sie diesseits nur irgend eine Anwendung auf die Emancipationsftage zulassen, und die mindeste Hoffnung bieten konnte, durch Wendung und Deutung das Gegentheil ihrer Selbst zu werden, nämlich dm Makel eines Gottmordes in eine Kraft und ein Recht umzukehcen. Diesseits halten wir uns an einen andern Ahasver, dunkeln Namens ebenfalls, allein weniger sagenhaft, d. i., weniger der Ausdruck eines Volksgefühls zur Thatsache krystallisirt. Dieser Ahasver hat bekanntlich viel aufs Bewirthen gehalten, und selbst damals schon, sogar in seinem Oriente, den kühnen Gedanken gefaßt, das Weib, seine Wasti, zu emancipiren, und sie gegen das Ende der Schmausereien, als Schaugericht, seinen fröhlichen Gästen vorzusetzen. Diese platonische St. Simonistische Idee mußte zwar dazumal an den Begriffen jener Zeit zu Grunde gehen; doch möchte sie nicht ohne allen Einfluß auf den neuern Versuch, das freie Weib im Oriente zu suchen, geblieben sein. Unsere Ahasversage endigt aber fein bürgerlich-vettermichelich mit einer Emancipation der Männer; und das war, wenn auch kein ideelles, doch ein sehr wohlthatiges Ende der jüdischen Ahasverussage, man frage welchen Mann man wolle, natürlich keinen Unverheiratheten. Eine zweite Sache aber ist das Urtheil über die Mission des Judenthums. Diese Sache ist denn ganz und gar zur Debatte in diesen Blättern geeignet. Nicht also zwar, als ob mit ihr die Emanzipationsfrage in irgend einem bestimmtem Zusammenhänge stände; solche Fragen müssen sorgfältig auseinander gehalten werden, wenn sie sich nicht gegenseitig beeinträchtigen, und, was das Schlimme ist, aus einer theoretischen Abstraction zu einem Wunder-schlagenden Concretum werden sollen. Nachdem wir nun unsere Frage „hat das Juden - thum eine Mission?" von der angrenzenden — im Telegraphen — „hat Asver (nicht Ahasver) eine Zukunft?" und eben sowot von der mit Beiden in Verbindung gebrachten Emancipationsftage getrennt haben, wollten wir gerne ihr allein einige Betrachtungen zuwenden. Ein wenig Anlauf nehmen, die Sache mit einiger Gründlichkeit zu behandeln, wird gewiß unserer Emanzipationssache keinen i Eintrag thun. Im Gegentheil denken wir unsere Qualification nicht besser bethätigen zu können, als durch ein bischen Tiefe und einen ab ovo-Anfang, und rechnen gewiß, wo nicht auf Unterstützung unserer Sachen, doch mindestens auf Enthaltung von jeder Feindseligkeit. Es 4st uns nämlich vor allem jenes prophetische Wort eingefallen, das der „alte Hexenmeister" auf der Höhe Pis-