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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-20 · Heft 152 (20.12.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 152 (20.12.1838)
Date
1838-12-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. M'gMg. Allgemeine No. ISS Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsisch« »««gnädigst« Lonceflion.) Leipjlg, den 20. December 1838. Zeitungsnachrichten. Prag, 30. Novbr. s Privatmitt.). Zum Beweise, wie viel hier ge- und besprochen wird, und wie wenig geschieht, und wie Ihr Correspondent N. Unrecht hat, mir Nachlässigkeit im Berichterstatten über hiesige Ereignisse vorzuwerfen, mag der Gegenstand selbst dienen, über den sich dieser etwas verblümt ausgesprochen hat. — Es handelte sich nämlich darum, einen Mann an die Spitze der religiösen Angelegenheiten zu stellen, dessen Geistesgaben, Bildung und Charakter dem ihm. anzuvertrauenden Amte am meisten entsprechen. Alle Erkundigungen die man eingezogen, widerlegen nicht nur Alles, was niedrige Bosheit gegen den Mann auf's unverschämteste hervorgebracht, sondern tragen nur dazu bei, den Wunsch bei allen Gutgesinnten zu erhöhen, Rappoport aus Tarnopol möge als Oberrabbine für unsere Gemeinde gewonnen werden. Wie richtig nun auch N. die Stimmen, die sich für und gegen ausgesprochen, bezeichnet, hat er sich doch in der Voraussetzung verrechnet, der Plan werde immer mehr und mehr an Anhängern gewinnen. Denn so viele ihm auchseitdem beigetreten sein mögen, werden denn doch die Schwierigkeiten immer größer, da es ssch jetzt darum handelt, die nöthigen Fonds herbeizuschaffen, um einem solchen Manne eine seiner persönlichen und der Würde seines Amtes entsprechende unabhängige Existenz zusichern zu können. Der Gemeinde will man nicht eine neue Steuer auflegen, — obwol die Oeconomie besser bei andern Dingen, an ihrem Platze wäre — und von den Wohlhabenderen ließe sich bei ihrer bekannten Bereitwilligkeit, da wo es einen gemeinnützigen Zweck zu fördern giebt, großmüthig ihre Hand zu bieten, schon etwas erwarten, wenn sich nicht hie und da ein Einfluß geltend machte, der bei uns nie das Bessere aufkommen lassen wird. — Wir brauchen nur in der Geschichte unserer Gemeinde um einige Jahre zurückzugehen, um diesen Einfluß näher zu bezeichnen. Man hat nämlich seiner Zeit die Anhänger des geregelten Gottesdienstes als Leute, die Spaltungen in der Gemeinde herbeiführen wollen, zu verdächtigen gewußt, und, siehe da, der neue Tempel kann an Festtagen die Zahl der Andächtigen nicht fassen. Dies wollte man nun gerne anfangs der Neugierde zuschreiben, aber in anderthalb Jahren konnte sich doch , schon die Neugierde in etwas mäßigen, doch der Zudrang wird täglich größer. Und wer stemmt sich noch immer gegen den geregelten Gottesdienst? wer glebt an, der geregelte Gottesdienst werde von Niemanden gewünscht? Gerade diejenigen, welche sich gegen die ordentliche Anstellung eines tauglichen Rabbinen stemmen; also nur die „Abtrünnigen" die den Eingebungen eines „ehrgeizigen Jntriguanten" folgen, eifern für den Rabbinen! Aber ein sonderbarer Ehrgeiz ist es, der dahin strebt, seine Ansichten der Controle eines Andern —* freilich muß dieser Andere der rechte Mann sein — zu unterwerfen, und eine ganz neue Art von Abtrünnigen, die eine Institution ins Leben gerufen sehen will, die seit 50 Jahren vernachlässiget wird. — Doch die Idee der Einführung . einer —- dem Namen nach — alten Institution hat wieder andere Gegner aufgescheucht, nämlich diejenigen, denen alles Alte gräulich in den Ohren klingt, und sich beim Worte „Rabbine" die Ohren zustopfen, so sehr sind sie mit der Zeit fortgeschritten! — >„Wir sollten froh sein, kernen mehr zu haben, sagen sie, wir waren klug genug das vor 50 Jahren' gebrochene Joch nicht neuerdings auf uns zu laden; wir brauchen keinen Rabbinen, wir können uns schon nach wie vor leidlich forthelfen." Wie schwach sind aber die Grundsätze, die sich in einer so aufgeklärten Zeit im Ernste vor einem geistigen Joche fürchten und wie einseitig solche Menschen, die weil sie selbst-etwas entbehren zu können sich einbilden, es auch den anderen versagt wissen wollen! Genügt etwa die Halbheit, an der unser Religionsunterricht kränkelt, um unsere Jugend von dem wahrhaften Geiste des Judenthums durchdrungen zu machen? Leuchtet nicht die Nothwendigkeit, einen tüchtigen Religionsvorsteher und Lehrer für Stand und Land zu bilden? Und ist der Wunsch derjenigen unter uns ftf gar nicht zu berücksichtigen, die für ihre Forschungen im Bereiche hebräischer Gelehrsamkeit einen geistigen Mittelpunkt suchen? Und vollends die große Anzahl derer, die so gut, wie Ihr, den Fortschritt wünschen, sich ihm mit aller Kraft anschtießen, und sich nach einem tüchtigen Führer Umsehen, der sie durch seinen tiefen Geist gegen die Ausartungen moderner Flachheit schirme? Sonderbar, daß beide Extreme darin Übereinkommen, den Schatten des alten Triumviralgerrchtes der Oberjuristen, dessen eigentliche Wirksamkeit eine weise Gesetzgebung schon lange aufgehoben hat, zu verfechten; die Einen kennen wohl die Nichtigkeit des Schattens, aber das Männchen im Schattenspiele sieht sich recht poffirlich an, und man kann techr vornehm dazu lächeln, wenn es die andern neckt; die Andern wollen nur den Schatten, komme er woher er wolle, denn der Kern selbst könnte ihr schwaches selbstgeschaffenes Gewebe leicht durchreißen. So verworren nun diese Darstellung ist, fo verworren

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