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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-13 · Heft 149 (13.12.1838) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 149 (13.12.1838)
Date
1838-12-13
Page
Seite 601 (sequence 3)
Language
German
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601 armcs Kind Israels! einen Pul! nur einen Pul!" Und andere saßen auf der Straße und aßen Zwiebeln und bettelten Brodt, und riefen: „Nur einen Pul, ich bin ein armes Kind Israels!" Zu Bussorah und Bagdad, wo die Juden nicht so unterdrückt sind, sieht man schöne und große Männer unter ihnen, und ihre Töchter sind artig und schön; aber hier zu Schiras sind sie blaß, gelb und klein von Gestalt; sie sind kn der Thal arme, arme Israeliten, und von ihren Töchtern ist alle Schönheit gewichen. Ich wundre mich nicht, daß die Harfe unter ihnen verstimmt ist; ihr einziger Gesang ist jetzt: „Nur einen Pul; ich bin ein armes Kind Israels." Und dennoch findet der Schah Aadeh, der Statthalter von Schiras, Mittel, von dem hohen Priester dieser armen Leute Geld zu erpressen. Ein schottisches Sprichwort sagt: Es sei schwer, einem Hochländer seine Hosen abzunehmen; (weil er keine trägt) aber hier kennt man eine magische Operation, die diesen armen Israeliten einige Rupien ausprcßt. Wenn der hohe Priester aufgefordert wird, eine Summe von 15,000 bis 20,000 Rupien in den Schatz des Prinzen zu zahlen, erhält er eine tüchtige Bastonade. Dicß kann natürlich zu keinem unmittelbaren Erfolge führen; denn in ganz Schiras besitzt kein einzelner Mann eine solche Geldsumme. Mer es wird dem Priester die Erlaubniß ertheilt, sich desselben Mittels bei seiner Heerde zu bedienen, und so geht die Bastonade durch die ganze jüdische Bevölkerung; und endlich kommen auf irgend eine Weise die Rupien zum Vorschein. — Der Zustand der Juden zu Teheran macht allein eine Ausnahme, weil hier der Schah residirt, der gegen alle Rcligionssekten gleich tolerant ist. Er verlangt nur Ruhe und Ordnung, und wenn man ihm Geld giebt, mag man sich zu einet Religion bekennen, zu welcher man will. Se. Majestät zählt sein Geld und seine Juwelen und lebt in Frieden mit Jedermann. Er erlaubt den Juden gern, Geld zusammenzuscharren, um es dann ihm zu geben, und wenn sie zuweilen ein Peischkih, d. i. ein Geschenk bringen, so ist er äußerst zufrieden mit ihnen. Man möge ihm auch nur eine Guinee zum Geschenk machen, so wird er sie annehmen und dafür danken." Soviel im Allgemeinen. Die einzelnen Bilder vom Zustande der Juden im Orient und in Afrika, welche in diesen Blättern, so gut es nur immer möglich sein wird, ihren Platz finden werden, mögen einen schwachen Beitrag zur neuesten Geschichte unseres Volkes bilden, das in China eben so wie in Deutschland unsere ganze Aufmerksamkeit mit Recht in Anspruch nehmen soll. — (Fortsetzung folgt.) Belletristik. Der Stab aus dem Paradiese.* Eine Legende nach den Midraschim. I. Auf Edens letztem Hügel stand Das früh gefallne Menschenpaar: Schon zeigt mit tröstend sanftem Worte Der Cherub auf die nahe Pforte, Doch in der Hand glänzt ihm das Schwert, DaS ihrer Rückkehr ewig wehrt. Adam hebt das gebeugte Haupt,' Sein glühend Auge ringsum schaut Noch einmal auf die sel'ge Milde Der paradiesischen Gefilde — Und jenseits liegt's so wüst und leer, So winterkalt, so nächtlich schwer. Dort war es, wo des Weltalls Licht Zum Ersten sog sein trunkner Blick, Hier trat in seine Einsamkeiten Die Gleichgeschaffne ihm zur Seiten, Zuerst dort unter'm Sternendach „Mein Gott!" die bange Lippe sprach. Und übep alle Wipfel schaut Da drüben der Erkenntniß Baum — „Du hast die Wunde mir geschlagen! Doch wollt' ich noch die Schmerzen tragen, Säh' ich nicht auch zum letzten Mal Dich, meine Schuld und meine Qual!" Da ringt stch aus der Seele Noch Ein flehender Gedank' empor: „Der Du so reich, so allumfassend, Wohl wirst Du, die Erinnrung lassend, Gestatten eines Baumes Zweig, Wahrzeichen mir aus Edens Reich!" Und eh' das Wort ist noch entfloh'n. Bringt ihm der Cherub einen Sproß, Umglanzt von reicher Blüthen Prangen, Von süßem Wohlgeruch umfangen, Wie er ihn legt in Adams Arm, Glänzt Lächeln durch des Menschen Harm.

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