Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 149 (13.12.1838)
- Date
- 1838-12-13
- Page
- Seite 602 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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602 „Nimm das erbetene Geschenk,' Und wahr' es für Dein ganz Geschlecht; Weil Du so gutes Wort gesprochen, Ist's vom Erkenntnißbaum gebrochen; Was heut Dir nimmt des Herrn Geschick, Siebt dieser Stab Euch einst zurück." Und durch die Pforte mit dem Stab Geht das gefallne Menschenpaar: Aus allen seinen Pilgerungen Begleitet von der ewig jungen, Der ewig frischen Blüthenpracht Des Edcnstabö, so Tag, so Nacht. Und als nach der Jahrhundert Neun Des Todes Nah' dem Adam dreut, Schläft er auf jener Blüthen Düften Hinüber zu des Himmels Lüften, Nachdem er sterbend seinen Stab Dem frommen Seth zu wahren gab. 2 2 2 Drum halt das längst entfloh'ne Glück Erinnerung Dir sanft zurück, Und läßt Dich auch in trüben Tagen An süße Rückkehr nicht verzagen 1 II. Wer flieht dort über's wüste Feld?- Wie er am tiefen Strome halt — Sieh — bald zurück, und bald nach oben Verzweiflungsbangrn Blick erhoben! Die Wellen wollen nimmer weichen. Und der Verfolger ist schon nah, Dort dreut der Tod in feuchten Reichen^ Von deS Verfolgers Schwerte da! Und in des Flüchtlings Händen glänzt Ein Stab, von Blüthen reich umkranzt, Solch' Stabes Blühen sah ich nimmer, Umgoffen wie von Edens Schimmer — Er naht — da wirft sich in die Wellen Mit seinem Stab der flüchr'ge Mann, Ob sie auch droh'n den zu zerschellen, Doch streckt er prüfend ihn voran. Und schau — wie vor des Frühlings Weh'n DeS Eises Schichten schnell zergeh'n. So theilen sich der Wogen Massen, Daß sie den trocknen Pfad ihm lassen: Und eilends ist er durchgeflogen, Daß er das Ufer schnell gewinnt. Wie er den Stab herauegczogen, Des Stromes Welle wieder rinnt. Und wie der Feind herangefloh'n, Steht er am Rettungsufer schon, Jndeß der Eine wüthet hüben, Fällt dieser betend nieder drüben: Der Eine ficht mit seinem Schwerte, Der Andre schwenkt den Btüthenstab, Der jauchzt zum Herrn, der ihn erhörte, Und jener flucht zum Strom hinab. „Der Stab, nicht lassen will ich ihu, Wohin mich auch die Flucht wird zieh'n — Das, Jsak! Vater! ist Dein Segen, Der selbst die Wasser könnt' bewegen: Mit ihm zog Noah aus dem Nachen, Und Abraham zum Jordan hin, Er wird den Gottesknecht bewachen, Wie seine Blüthen ewig blüh'nl"a 2 2 2 Der Waffen stärkste ist Erkenntniß, Und sie besiegt die Leidenschaft: Entflieht den Kämpfenden Verständniß Bewährt sie ihre höchste Kraft. (Fortsetzung folgt.) Wie? ihre Züge sind so gleich, An hohem Geiste beide reich. Der Eine sanft, der Andre wilder, Sie sind unähnlich-gleiche Bilder — Weh! vor des Bruders Zornesgluthen Ist's besser in des Stroms Gewalt: Erbarmen können sich die Fluthen, Doch wer setzt jenen einen Halt? Redacttur: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld,