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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-13 · Heft 149 (13.12.1838) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 149 (13.12.1838)
Date
1838-12-13
Page
Seite 600 (sequence 2)
Language
German
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600 kobson bleiben, und noch lange ein Einziger ohne Nachfolger!" (Man hört den Hrn. Munk, welcher, wenn wir nicht irren, lange mit der bekannten Finanzfamilie jüdischen Glaubens in Verbindung stand, gern so sprechen. Man vergleiche die Stelle, welche wir neulichst aus den l^ttre8 Zarfaliques anführten No. 113. d. Ztg. Uebrigens ist uns der Aufsatz des Hrn. Munk so eben zugekommen, und werden wir nächstens ausführlich darüber refeciren. D. Red.) Neubidschow, 29. Nov. (Privatmitth.). In meinem No. 139. d. I. einverleibten Berichte über den Neubau und die neue Gottesdienstordnung hiesiger Gemeinde sind durch einen Schreibefehler meinerseits einige Worte ausgeblieben , die Sie mir zu suppliren erlauben. Nach der Erwähnung unsres Vorstehers muß es nämlich heißen: „im Einverftändniffe mit dem bevollmächtigten Ausschüsse der hiesigen Judenschaft" ff. Anbei folgen die gedruckten Reden der Herren Bürgermeister und Eriminalgerichtsvorsteher Stranik und k. k. Kreiskommissär Kubesch, aus denen folgende Stellen wol Interesse erregen. Der Erste-re sprach: „Und so steht ein äußerst geschmackvoller Tempel in sehr kurzer Zeit erbaut da, der ein dauerndes Denkmahl der geläuterten religiösen Gesinnungen der hierortigen Israeliten aus ewige Zeiten verbleiben, und bei der spätesten Nachwelt dankbare Erinnerung und Erbauung wecken wird. Möge nun aber auch .dieser Gott geweihte Tempel alle hierortigen Israeliten zu desto größerer Erbauung und zur Ausübung aller jenen moralischen Handlungen aneifern, die ihnen ihre Religion und die Verordnungen unseres gnädigsten Landesfürsten vorschreiben; mögen dieselben bei jeder ihrer frommen Versammlungen insbesondere das Gebot Gottes: „Du sollst Gott über Alles, und den Nächsten wie Dich selbst lieben," beherzigen, und den festesten Vorsatz fasten, alle Menschen ohne Unterschied der Religion mit wahrer Bruderliebe zu umfassen, und sonach Alles daS zu meiden, was unserem Nächsten Unannehmlichkeit und Schaden zu verursachen vermag, und nur das zu thun, was demselben das Leben versüßen, und ihm auf was immer für Art nützen kann: dann werden sie beweisen, daß der Bau dieser Synagoge nicht auö kleinlicher Eitelkeit, noch aus anderer materiellen Triebfeder unternommen wurde; dann wird gewiß jede Unduldsamkeit, die noch so viele Bekenner anderer Religionen gegen die Israeliten an den Tag legen, nach und nach ganz unterdrückt, und allgemein anerkannt werden, daß die alttestamentarischen Glaubensgenossen auf gleiche Art wie die neutestamentarischen nur solche moralische Werke zum Zwecke haben, die uns die Liebe Gottes, und die Liebe aller unserer Nebenmenschen verschaffen, die einst eine wahre Völkerverbrüderung bezwecken, und so dieses irdische Leben zum Paradiese umstalten müssen. — „Beten wir daher zu Gott dem Allmächtigen, der Vater aller Menschen ist, und das inbrünstige Gebet eines jeden Sterblichen erhört, damit er uns in solchem Vorsätze stärke, uns beisiehe, und uns leite in unsern Handlungen, damit alle Welt es sehe, daß es hier nicht blos auf Verschönerung des Formellen und Materiellen abgesehen sei, sondern daß wahre Frömmigkeit und ein veredeltes Gemüth den Grundstein zur Erbauung dieses Tempels gelegt haben." Hieran schloß sich das Gebet für Se. k. k. Majestät und für Sr. Ercellenz den Obersiburggrafen von Chotek. Der Herr Kreiskommissär sprach: „Sehr ehrenvoll ist der mir von unserem Herrn Gubernialrathe und KreiShauptmanne ertheilte Auftrag, ihn bei seiner Verhinderung am heutigen Tage hier zu vertreten, und der Einweihung des hiesigen israelitischen Gotteshauses beizuwohnen. — Sn Auftrag meines verehrten Kreischefs theile ich den versammelten israelitischen Glaubensgenossen daS Vergnügen mit, welches er empfindet, daß die hiesige Judengemeinde keine Kosten sparte, um durch gehörige Erweiterung dieses Bethauses allen hiesigen Glaubensgenossen den Zutritt zu den gottesdienstlichen Andachtsübungen möglich zu machen, und durch eine zweckmäßige Ausstattung des Tempels die Gemüther der versammelten Israeliten für die Verehrung des allerhöchsten Wesens empfänglicher zu machen. Höchst ehrend ist eS für die Neubidschower Iudenschaft, daß sie mit dem Zeitgeiste fortschreitet, und eine den gegenwärtigen Zeitverhältnissen mehr angemessene Synagogenordnung einzuführen gedenkt. Dadurch wird nicht blos das Beste der hiesigen Iudenschaft befördert, sondern auch andern Iudengemeinden ein aufmunterndes Beispiel zu ähnlichen Vervollkommnungen ertheilt." Dieses, so wie die vielen Beispiele, welche die Allg. Zeitung des Judenthums schon herbeigebracht hat, von der großst'nnigen Weise, mit welcher in den Kaiserstaaten die Veredlung des israelitischen Kultus befördert wird, ohne daß hinwiederum der geringste Gewissenszwang statt findet, sprechen wol zu sehr für sich, als daß sie die herzlichste Dankbarkeit und Theitnahme aller israelitischen Glaubensgenossen nicht erwecken sollten. Historische Mittheilungen über die Juden in Asien und Afrika in dem letzten Jahrzehend. tEingesandt durch vr. I. Fürst.) (Fortsetzung.) Und diese Schilderung des Elends meiner Brüder, fährt Wolff fort, ist keinesweges übertrieben. Als ich das Judenquartier zu Schiras betrat, sah ich alte und junge Männer, alte und junge Weiber, auf der Straße sitzen und betteln. Den Kopf zur Erde gebeugt, und die Hände ausstreckend, riefen sie-mit schwacher Stimme mir nach: „Nur einen Pul (Pfennig), nur einen Pul, ich bi» ei» armer Jsraelite, ich bin ein armer Jsraelite!" Ich vertheilte einige Kleinigkeiten unter sie, und mehrere sagten zu mir: „bist du gekommen? Wir haben gehört, daß du ein Sohn Israels bist!" Ich sagte ihnen, daß ich sie in ihren Häusern besuchen würde; und, während ich mit ihnen sprach, hörte ich die armen Juden und Jüdinnen schreien: „Ich bin ein

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