Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-13 · Heft 149 (13.12.1838) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 149 (13.12.1838)
Date
1838-12-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3225006--01476-3311840
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n. Zahrgaug. AllgkMLMe Ro. 149. Zeitung des ZudeuthumS. Ein uupartheiischeS Organ für alles jüdische Intereste. (Mit Königl. Sächsischer avergnädigfter Conceffton.) Leipzig, den 13. December 1838. Zeitungsnachrichten. Prag, 25. Nov. (Privatmitth.). Daß auch die jüngere Generation allhier gern nach Belehrung über unsre theuerste Angelegenheit, das Judenthum mit seinem Inhalte, strebt, und jede dargebotene Gelegenheit hierzu gern benutzt, möge Ihnen Folgendes erweisen. Seit einiger Zeit versammeln sich mehrere, bereits dem Geschastsleben angehörige junge Leute, zu bestimmten Abenden der Woche, bei dem, eben so streng religiösen, als vielseitig gelehrten und talentvollen Redner, Herrmann Hamburger, wo ihnen von demselben, ihrem eigenen Verlangen gemäß, Mischna und Chobot halbabot mit gediegener Erläuterung vorgetragen werden. Bei der Wahl der Gegenstände hat man sowol das Positive als Rationelle im Judenthume berücksichtigt. Was aber die Erreichung dieses Zweckes insbesondere begünstigt, das ist der kraftvolle Vortrag des Herrn Hamburger, besten Zweck es ist, durch vorangeschickte Reflexionen auch die dunklen und verschiedener Auslegung fähigen Stellen dm Zuhörern einleuchtend und zweifellos zu machen. R- Wien, 23. Nov. Der Westier in Bosnien laßt durch die Muteselims einen großherrlichen Firman bekannt machen, nach welchem, von nun an, allen Religionssekten der freie und öffentliche Gottesdienst gestattet sein soll. München, 22. Nov. Se/ Maj. der König haben geruht, auf die Bitte der israelitischen Eultus-Gemeinde zu Aschaffenburg eine Collecte bei sammtlichen Israeliten des Königreiches zur baulichen Herstellung und innern Einrichtung der Synagoge in Aschaffenburg zu bewilligen. (H.E.) Paris, 24. Nov. Die Preuß. St. Ztg. vom 30. h, enthält von hier aus Folgendes: „Die Erfolge der Dlle. Rachel gränzen wahrhaft an das Wunderbare. . Gestern, als sie zum erstenmale die Rolle der Roxane in Racine's „Bajazet" spielte, — eine Vorstellung, die sonst kaum einige Hunderte von Zuschauern herbeigelockt haben würde, — waren die Thüren des Theaters schon von 3 Uhr Nachmittags an dicht umlagert, und als um 67 Uhr das Haus geöffnet wurde, waren in wenigen Minuten alle Plätze besetzt, und es sollen gegen 1000 Personen umgekehrt sein, ohne Billets erhalten zu können. Der Beifall, den Dlle. Rachel auch in dieser Nolle erhielt, laßt sich mit nichts, als mit den Aeußerungen des Publikums bei Talma's schönsten Darstellungen vergleichen. Wenn' einige Journale behaupten, daß die Jüdin Rachel nur dem Eifer ihrer Glaubensgenossen ihre merkwürdigen Erfolge verdanke, so muß man nach der gestrigen Vorstellung wenigstens gestehen, daß die Juden einen großen Einfluß auf das Pariser Publikum ausüben." Wer erinnert sich nicht hierbei an ähnliche Behauptungen, die der Pr. St. Ztg. noch naher liegen? Ist nicht Aehnliches. von Meyerbeer in seiner Vaterstadt gesagt worden, den doch Se. Majestät der König von Preußen, gewiß ein unparteiischer und unabhängiger Zeuge, so huldreich gelohnt und ausgezeichnet? — Es ist übrigens ganz herrlich, daß diese Behauptung auch von Dem. Rachel in Paris, ausgesprochen wird. Denn nun wird jeder Verständige wissen, was von ähnlichen Behauptungen an anderen Plätzen zu halten ist. Denn wer wird glauben können, daß die Handvoll Israeliten in Paris auf die große Weltstadt so wirken könne, daß die ganze Stadt um ein armes lOjahriges Mädchen auf die Beine kommt, und der König Ludwig Philipp seit zwei bis drei Jahren zum ersten Male von seinem Schlosse nach dem Theatre fran^ais sich wieder bewegt? So heftet sich denn derselbe Neid, dieselbe Gehässigkeit arr die Solen jeder glänzenden Erscheinung aus Jeschurun's Mitte; und das Prädikat „Jude" ist immer ein nettes Gewicht mehr in der Schale derer, die ein Talent nur durch die Machinationen des Neides beseitigen zu können wahnen. Paris, 29. Nov. (Privatmitth). Der 11jährige Cahen hat in diesem Jahre abermals den ersten Preis im Solseggio davon getragen. Am Ende des neunten Bandes von Hm. Cahen's französischem Bibelwerk (Paris 1838), befindet sich das zweite Kapitel (über die Chronik) aus Dr. Zunz: „die gottesdienstlichen Vorträge k.," übersetzt, und mit einem 11 Seiten starken Vorwort versehen von Hrn. Munk, der uns in demselben Bande mit trefflichen Aussätzen über Sacrdja und andere arabische und persische Schriften aus der mittelalterlichen jüdischen Literatur beschenkt hat. In dem gedachten Vorwort ist von den wichtigsten neueren Leistungen jüdischer Gelehrten, am ausführlichsten von denen des 11c. Zunz die Rede; es schließt wie folgt: „Gott möge der Beistand sein jener tapferen Paria's, deren beharrlicher Kampf Israel die Befreiung und die ihm gebührende Stellung erobern soll. Ihnen gebührt unsere Huldigung, unsere Hochachtung. Gabe es aber unter uns sehr mächtige Menschen, sehr gleichgültige, die nie eine Klage äußern, und in der Erniedrigung der Menge sich gefallen; gäbe es solche, so würden die Sprachen aller Völker zu arm sein, um das auszudrücken, was sie einflößen müßten. Unsterblich wird Ja-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.