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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-12-06 · Heft 146 (6.12.1838) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 146 (6.12.1838)
Date
1838-12-06
Page
Seite 589 (sequence 3)
Language
German
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589 Was Wunder also, wenn in anderen Welttheilen die intellektuelle Bildung der Israeliten noch nicht die ungeheuren Fortschritte gemacht hat, wie in den gebildeten Reichen Europa's? Oder vielmehr,, wer würde so thöricht sein, dieses zu verlangen? Ja, es muß uns im Gegentheil überraschen, wenn wir sehen, 'wie doch im Allgemeinen, im Verhaltniß wenigstens mit den Völkern, unter denen sie leben, die Moralität sich fördert, wie Menschenliebe und Aufklärung bei ihnen rasch zunimmt, während ihre christlichen Mitbrüder keineswegs einen bedeutenden Anlaß dazugeben, ja oft traurige Rückschritte geschehen in den Ländern, wo die Toleranz nicht aus Grundsätzen Wurzel gefaßt zu haben scheint, sondern nur aus Herkommen und Gewohnheit. Dies ist um so auffallender, je mehr man bemerkt, daß in jenen fernen Ländern selten die Intelligenz bei den Andersgläubigen um so vieles höher steht, als die Bildung der Israeliten, als daß Jene Ursache hätten, diesen nicht mit gehöriger Achtung zu begegnen. Und doch ist dies sehr oft der Fall. Man halt gewöhnlich den Zustand der Juden in der Türkei für glückselig, weil allerdings einige materielle Bortheile vor den Christen sie begünstigen. Aber im Leben zeigt sich dies öfters ganz anders! Dieser Bemerkung dient schon der besondere Umstand zum Beweis, daß, obgleich der Islam und der Mosaismus einzelne Glaubenssätze gemeinsam haben, und der streng theistische Charakter beider Völker sie einander näher bringt, doch ein Jude nicht einmal Mohamedaner werden darf, ohne vorher getauft gewesen zu sein. (Vgl. Ausland. 205.1828) *}. In der That eine harte Bedingung für einen türkischen Juden, der mit dem Christen dort in größter Feindschaft lebt, weil diese noch so starke Vorurtheile nähren, daß sie die Israeliten der abenteuerlichsten Verbrechen beschuldigen. Sie behaupten z. B. noch, daß die Juden christliche Kinder stehlen, und sie am Paffafest als Osterlamm opfern. Dergleichen und andere Vorurtheile wurden in neuerer Zeit durch die Schrift eines Rabbinen, der Christ geworden war, sehr befördert. Das Werk führt den Titel „Widerlegung der jüdischen Religion von Neophytos, einem griechischen Mönch, vormaligem Rabbinen. Es war ursprünglich in der moldauischen Sprache geschrieben, und wurde im Jahr 1803 gedruckt. Es erschien im Jahr 1818 eine neugriechische Uebersetzung davon. Das erste Kapitel derselben führt die Aufschrift: ftvgrjQioi xmqv{i{.uvoi , vvv de o.noxakvftfievoi, d. h. verborgene, nun aber offen gemachte Geheimnisse." Wenn man nun in materieller Beziehung nach dem * ..^Diesem Satze können wir auf die einzige angeführte Autontat hrn noch keinen Glauben schenken. Red. Zustand der Israeliten in Asten und Afrika fragt, so kann keineswegs vollkommen versichert werden, daß derselbe im Allgemeinen dort so blühend sei, als Nachrichten von einzelnen Städten oder Ländern es der Meinung aufgebürdet haben. Vielmehr mag nachfolgende Skizze aus dem dritten Theil des Miffions-Journal des bekannten Convertiten Wolff (of the Rev. Missiomry to llie Jews, Lond. 29, 8.) zum Beleg dienen, daß manche Scene der bittersten Armuth und der tiefsten Schwach eine Thräne des Mitleids für unsere Glaubensbrüder dort verdient. Ein Rabbi in Jsfahan redete ihn folgendermaßen an: „O was wir in Persien leiden ist unbeschreiblich! Täglich geht der Vater mit Furcht auf den Markt; denn er muß besorgen, daß, während er Brodt für die Seinigen kaust, der Prinz oder Gouverneur seine Tochter für den Harem geraubt hat, oder seinen kleinen Sohn, um einen Eunuchen aus ihm zu machen. Vor Kurzem erst sind zu Schiras 8 jüdische Mädchen auf Befehl des Schah hinweggenommen worden. Zu Jsfahan wurden fünf Töchter Israels für den Harem des Gouverneurs genommen; sie sind für ihre Eltern auf immer verloren, denn wir können nicht gehen und sagen: Gieb uns unsre Tochter zurück! O daß wir mehr in der Bibel lesen könnten! Wir würden die Ankunft des Messias uns näher offenbart finden, als jetzt; aber wrr muffen für unser täglich Brodt <umherlaufen! Wir würden alle gern nach Indien entfliehen; aber sie lassen uns nicht hinweg!" Zu Schiras hat die Entwürdigung der Juden die höchste Stufe erreicht. Eines Abends, erzählt Wolff, ging ich, um die Straße zu sehen/welche die Juden in Schiras bewohnen; aber ich glaube nicht, daß ich eine beffere Beschreibung von ihrem Zustande geben kann, als indem ich wiederhole, was Scheich Ahmed Abu-Kamis, ein persischer Muhammedaner von Schkras, mir sagte, als ich ihn an den Ufern des Hafar, in dem Gebiete von Tschaab Scheich sah, wo ich mit Cap. Taylor, dem brittischen Residenten zu Bufforah, war. — Scheich Ahmed besuchte einmal den Capitän und trank Thee mit uns. Ich befragte ihn um den Zustand der Juden zu Schiras. Er sagte: „Jedes Haus zu Schiras mit einem niedrigen engen Eingänge ist das Haus eines Juden. Jeder Mann mit einem schmutzigen wollenen oder kameelhaarnen Turban, ist ein Jude. Jedes Kleid, das sehr zerrissen und auf dem Rücken geflickt ist, ist das Kleid eines Juden. Jeder, der ein zerbrochenes altes Glas ausliest' oder schmutzige Lumpen sucht, um alte Schuhe und Sandalen bettelt, ist ein Jude. Jedes Haus, in welches kein vierfüßiges Thier hineinkommt, außer einer Geis, ist das eines Juden." (Fortsetzung folgt.)

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