Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 844 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227608--43176-3311799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
844 selbst in der Lage war, sein Wirken auf diesem schwierigen Dichten und Trachten concentrirte, nicht erst den schon zu Gebiete kennen zu lernen, kann es beurtheilen, mit welcher Grunde gegangenen Existenzen ein Almosen zu bringen, son- Aufopferung, ja mit welcher Hingabe an den einzelnen Fall, | dern den noch im Kampfe um die Existenz hart ringenden er als Vorsitzender die Geschäfte leitete. Und als endlich j Menschen zur rechten Zeit mit Rath und Hilfe beizuspringen, die Ueberzeugung durchbrach, daß auch die weitestgehenden! um sie erwerbsfähig für sich selbst und als nützliche, schaffende Einzelbestrebungen in der Größe der Gesammtaufgabe scheitern j Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu erhalten. Nur müßten, da trat er 1880 an die Spitze des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit, deffen Versammlung er noch im vorigen Jahre präfldirte und deffen Zweck, die zerstreuten Reformbestrebungen zusammenzufaffen und eine fortgesetzte, gegenseitige Aufklärung der auf diesem Gebiete thätigen Personen herbeizuführen, durch seinen Einfluß und sein Vorbild mächtig gefördert ist. Gegenüber solchen Aufgaben verschwinden die vielen kleinen Arbeiten, denen er sich bei den mannigfaltigsten Aufgaben, die er sich gestellt hatte, hingab. Als er in der letzten Sitzung der Stadtverordneten vor noch nicht vierzehn Tagen seinen Sitz als Vorsteher verließ, um sich auf das Krankenbett zu legen, da durste er sich sagen, daß er seine Pflicht voll und ganz erfüllt habe. Darum trauern wir um ihn als um einen Todten der Stadt. Die Familie, die so viel verliert, hat ihr Anrecht auf ihn auch in diesem letzten und schwersten Augenblick an die Gemeinde abgetreten. Möge die Erinnerung an ihn uns Allen heilig bleiben! Möge an feinem Grabe und darüber hinaus jenes Gefühl der Versöhnung, welches die gemeinsame Arbeit erzeugt und deffen bester Vertreter der Verblichene war, alle in diesem schönen, menschlichen Sinne wollte er Jude sein. Da entwickelte sich zu seinem und der ganzen gesitteten Welt Erstaunen jene traurige Bewegung, welche bezweckte, nicht etwa die Mängel zu beseitigen, mit denen Menschen jüdischen, wie jeden anderen Glaubens, behaftet waren, sondern deren letztes, wenn auch vielfach verdecktes Ziel war, den einzelnen Menschen und die zahlreiche Klaffe solcher Menschen um deswillen zurückzusetzen und zu verfolgen, weil sie Juden waren. In diesem Moment erwachte in dem ehrenfesten Manne das Gefühl der Solidarität mit seinen vielfach minder günstig gestellten Leidensgenoffen, und mit der echten Tapferkeit des Mannes stellte er sich in Reih und Glied, um den unberechtigten Ansturm abzuwehren, von welchem er auch eine Schädigung des gesammten Volkswohlstandes erwartete. In diesem Kampfe hat er treu ausgeharrt auf seinem Posten, jzuvörderst feiner Natur nach milde abwehrend, dann aber als ein tapferer Soldat kämpfend für die höchsten Güter des Lebens. Es war ein tragisches Geschick für den human denkenden Mann, deffen Blick nur auf das Allgemeine gerichtet war, daß er, im hohen Mannesaller stehend, eine Theilnehmer an dieser Trauerseier beseelen! Möge es diesem j vollständige Abwendung von den Idealen seiner Jugend im großen Gemeinwesen nie an Männern fehlen, die, wie er Zweiten Kreise erleben mußte, und daß er in dieser Periode furchtlos und bewußt, hingebend und bis zum Tode treu, i gezwungen wurde, ganz gegen seine Natur einzutreten in streng und doch im edelsten Sinne human, die Selbstverj einen Parteikampf über die Gleichberechtigung alles deffen, was waltung pflegen, welche ein weiser Gesetzgeber in die Hand! Menschenantlitz trägt auf Erden. Aber selbst diese bittere der selbstgewählten Vertreter gelegt hat! Friede sei mit ihm!" Erfahrung und diese Kampfbereitschaft haben es nicht vermocht, ihn von der Bahn des werkthätigen Idealismus im Alsdann hielt Stadtv. Ludwig Löwe folgenden Nachrufe Dienste der ganzen Menschheit abzudrängen. Er ist sich selbst „Der Tod ist rasch und sanft an unsern verblichenen - treu geblieben und hat bis an sein Lebensende unentwegt Freund herangetreten, aber er hat ihn abberufen aus einem! gewirkt im Dienste der hehren Aufgabe, welche er sich als Leben, deffen letzte Periode nicht frei war von Kampf und > seinen Lebenszweck gestellt hatte: durch praktische Nächstenliebe Streit. Seine Jugend fiel in eine Zeit der idealen Auf-! die Gegensätze zwischen den einzelnen Menschen und den faffung des Menschenthums, in welcher alle wahrhaft Ge- ' einzelnen Klaffen der Gesellschaft zu versöhnen und alle bildeten erzogen wurden in dem Gedanken der brüderlichen! Menschen einer höheren Bersittlichung entgegen zu führen. Liebe aller Menschen zu einander. Dieser allgemeinen Auf-: In dieser Thätigkeit hat er auch gegenüber den schweren und faffung entsprach auch sein persönlicher Standpunkt; ihm; grundlosen Angriffen für sich Versöhnung gefunden und bis waren alle guten Menschen gleich lieb, alle Bedrängten gleichan sein Lebensende hat er treu und zuftieden seine Kräfte mäßig der Hilfe Werth, für ihn war der Glaube des Einzelnen, in den Dienst dieses erhabenen Werkes gestellt. Und nun ist nichts Trennendes. Er erfaßte sein Judenthum nur als, er von uns gegangen mitten aus der großen Arbeit, die nie Menschenthum und fand seine Aufgabe nur in der Besserung vollendet werden wird, so lange es Menschenleid giebt aus des Looses der Menschheit. Bon diesem Standpunkt aus! Erden. Aber nur sein Körper ist in Staub zerfallen, sein entwickelte er, in das Getriebe der Weltstadt, mit ihrem Geist ist unser Aller Geist, in dem wir fortarbeiten werden Uebermaß an Glück, aber auch an Noth und Elend gestellt, für die Dauer unseres Lebens, und der, wie wir fest vereine wahrhaft werkthätige Menschenliebe, in der sein ganzes trauen, wirksam sein wird über unser eigenes kurzes Leben