Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 845 (sequence 21)
- Language
- German
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845 hinaus. Du aber, theurer Freund, hast treu bis zu Deinem Ende Deine Pflicht erfüllt. Du darfst nun ruhen von der Arbeit. So sage ich Dir Lebewohl. Schlaf in Frieden!" gräbniß- und Kirchhofsinspektion. Unmittelbar hinter dem Sarge folgten Ehrenbürger und Stadtältesten von Berlin, hinter ihnen die Mitglieder des Magistrats, an der Spitze die beiden Bürgermeister, von Forckenbeck und Duncker, und die Stadtverordneten, Bürgerdeputirte, Bezirksvorsteher und die Deputationen der Vereine. An der Spitze der Vereine ging der Wahlverein im 4. Berliner Reichstagswahlkreise, dem sich alle zu diesem Kreise gehörenden Bezirksvcreine angeschlofsen hatten, dann folgten die Wahlvereine der übrigen Der Chorgesang: „Sei getreu bis in den Tod" beendet die erhebende Feier. Der Sarg wurde sodann abgehoben, durch den Stadtverordnetensaal vor dem umflorten Amtssitz des Verstorbenen vorbei nach der großen Freitreppe, wo eine doppelte Chaine von Trauermarschällen Aufstellung genommen! Berliner Wahlbezirke, jeder von einer großen Zahl von Behattc, getragen. Hier wurde den Stadtverordneten vr. Stryck,! zirksvereinen begleitet und endlich viele andere Vereine wie Jacobs, Bohm, Weiß, Stadtrath Wolfs, Pietzmann, Löwe,! der Verein Waldeck, die Bezirksvereine gegen Verarmung Schwalbe, Hermann und Roeseler der Vorzug, die irdische und Bettelei, der Verein unbesoldeter Communalbeamten u. A. Hülle des verstorbenen Freundes zu dem unten harrenden! Hinter den Vereinen schloß sich die fast endlose Reihe von Leichenwagen hinabtragen zu dürfen, während Stadtv. Moses Wagen an. So bewegte sich der stattliche Zug, in welchem demselben einen Palmenzweig voran- und der Vorsteher des mehr als zwanzig Fahnen und an hundert Kränze getragen Magistratsbureaus die Amtskette des Verstorbenen dem Sarge wurden, über den Alexanderplatz nach dem Friedhof in der nachtrug. j Schönhauser Allee, wo nach einem Chorgesang und der In der Königstraße herrschte lange vor Beginn der Trauerrede des Rabbiners Dr. Maybaum die Beisetzung er- Trauerfeier reges Leben. Die Schutzmannschaft war zahlfolgte, reich aufgebotcn, um auf Ordnung zu sehen und die Menge i in Reih und Glied zu halten. Alle Fenster der umliegenden Die Rede, die der Rabbiner Maybaum anftchem.Fried- Häuser waren von Schaulustigen dicht besetzt, mehr als zehn-! Hofe hielt, hatte ungefähr folgenden Inhalt. Sie ging davon tausend Menschen mochten in nächster Nähe des Rathhauses! aus, daß das, was hier die Religion zu sagen habe, nicht gedrängt stehen, um auf die Ankunft des Leichenzuges zu warten. Im Hofe des Rathhauses sammelten sich die Vorstände und Mitglieder der am Trauerzuge thcilnehmenden Vereine. Fahnen und Marschallsstäbe wurden hier aufgestellt, die riesengroßen Kränze herbeigeschafft und die Gefolgschaft viel anders lauten könne als das, was der Bürgersinn dem Verstorbenen auf dem Rathhaufe nachgerufen habe. Denn das, was dieser zu verwirklichen gesucht habe, sei auch ihr erhabenstes Ziel. Auf ihn paffe das Psalmwort: „Die Lehre seines Gottes war in seinem Herzen, nicht wankten seine geordnet. Der Eintritt in den Rathhaushof war nur den j Schritte." Die Seele seiner öffentlichen Thätigkeit war relimit einer Vereinskarte versehenen Herren gestattet, aber baldgwse Begeisterung; ihm galt volle Hingabe an das Gemeinftand auch hier die Menge der Eingelaffenen Kopf an Kopf kohl für edelsten Gottesdienst. Die Religion kann dem gedrängt. Bon den Kränzen, die dem Verewigten gespendet > Einzelnen keine erhabenere Aufgabe stellen, als sich dem werden sollten, ragten diejenigen des Wahlvereins im vierten j Gemeinwohl ganz hinzugeben. Liebe sei die Charakteristik Berliner Reichstagswahlkreife, dessen Vorsitzender Dr. Straßmann früher lange Jahre gewesen ist, durch ihre Pracht hervor. Auf vielen Kränzen las man die Inschrift: „Dem treuen Kämpfer für Freiheit und Recht, Herrn Stadtverordnctcn-Vorsteher vr. Wolfgang Straßmann". Andere trugen Inschriften wie „Dem Andenken des edelsten Mannes", „dem Vorkämpfer für des Volkes Freiheit und Recht", „dem edlen Menschen" und ähnliche. Als dann nach Beendigung der Trauerfeier der Sarg unter den Klängen eines Chorals feines Wirkens. Es sei noch nicht lange her, daß der Satz galt: „Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten." Erst heute habe man erkannt, daß zur Gerechtigkeit die Liebe sich gesellen muß, wenn das Fundament sich als unerschütterlich erweisen soll. Jetzt habe man die Bekämpfung der Hilflosigkeit großer Bevölkerungsklaffen für die heiligste Aufgabe der Gesellschaft erkannt. Die Lösung werde aber nur auf dem Wege der Liebe gefunden werden. Daß der Verstorbene feine beste Kraft in diesem Sinne der Lösung dieser Aufgabe widmete, das macht uns seine Erscheinung verhinabgetragen und in den unten harrenden Leichenwagen gehoben wurde, ordnete sich der Zug in folgender Weise: Voran! chrungswürdig und sein Leben vorbildlich für Alle, schritten Palmenträger und Magistratsnuntien mit umflortem Dreimaster. Dicht vor dem Leichenwagen wurde die goldene Kette und der Orden des Verstorbenen auf schwarzem Sammetkiffcn getragen. Rechts und links vom Sarge schritten Träger von Marschallsstäben und die Mitglieder der jüdischen Be-