Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 842 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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842 Zwischen florumhüllten brennenden Kandelabern war i ordneten-Vorsteher vr. Stryck in den Saal geleitet worden der von Kränzen, Palmen und Schleifen fast erdrückte Sarg | waren und auf den reservirten Stühlen Platz genommen in Mannshöhe aufgebahrt. Bis auf die schwarze Leichens hatten, begann die Trauerfeier mit dem Psalm: „Herr Gott, decke hinab zogen sich die Kränze in immer größerem Umfange > Du bist unsre Zuflucht für und für", und wetteifernd in dem Reichthum des Blumenflors. Bor dem Sarge lag auf sammetnem Kiffen die Amtskette und der dem Verstorbenen verliehene Rothe Adlerorden. Unter den Kränzen fiel einer auf, welcher in den Atlasschleifen die Farben Schleswig-Holsteins trug. Er kam von den Kameraden der ehemaligen Schleswig-Holsteinischen Armee. Da waren ferner Kränze vom Magistrat, von der Stadtverordneten-Versammlung, vom Bureau der letzteren, vom Vorstand des Vereins gegen Verarmung und Bettelei. „Herrn vr. W. Straßmann in dankbarer Verehrung der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde", so lautete die Inschrift eines Kranzes, der eine schwarze Atlasschleife trug und viele, viele andere. Alsdann hielt der Oberbürgermeister vr. v. Forckenbeck folgende Ansprache: „Hochgeehrte Trauerversammlung! Nicht die formale Berechtigung meines Amtes, sondern vor Allem das ehemalige lange innige, niemals getrübte Zusammenwirken, welches in diesem mächtigsten Gemeindewesen in einer Zeit, in der unaufhaltsam die wichtigsten Aufgaben eine an die andere sich drängten, mit dem so plötzlich verstorbenen, jetzt im Sarge vor mir ruhenden theueren Freunde, dem Stadtverordneten-Vorsteher vr. Straßmann mich verband, das drängt, das berechtigt mich, der tiefen Trauer und Wehmuth, dem herben Schmerze, der alle Glieder dieser großen Versammlung und die gesammie Bürgerschaft Berlins erfüllt Die Meldung Berliner Blätter von der Sendung eines j und bewegt, heute in den ersten Worten Ausdruck zu geben! Kranzes seitens Sr. Maj. des Kaisers ist nachträglich von Mit reichem Wiffen und durchdringender Denkkraft ausgeder „N. A. Ztg." und nach dieser im „Reichsanz." vom 16. d. Mts. als irrthümlich bezeichnet worden. Die Kaiserin hatte ihr Mitgefühl in einem huldvollen Anschreiben an Frau vr. Straßmann ausgedrückt. Vom Rathhausthurme wehte die Fahne auf Halbmast und zeigte weithin der Bürgerschaft an, daß für Berlin ein Trauertag gekommen war. Schon in der elften Vormittagsstunde füllte fich die Königstraße mit einer immer dichter anschwellenden Menschenmenge, welche in düsterem Schweigen der Anfahrt der Trauerwagen zusah. Auf dem Rathhaushofe nahmen gleichzeitig die Delegirten der verschiedenen Bezirks-, Wahl- und Humanitütsvereine Aufstellung, um fich zum Trauerzuge zu ordnen und Hunderte und abermals Hunderte strebten die große Freitreppe zum Festsaale hinauf. stattet, das bürgerliche Leben, insbesondere das Berlins genau kennend, wahrhaft bis in die geheimste Falte seines Geistes hinein, treu seinem Kaiser und Könige, fest in seinen errungenen freifinnigen Ueberzeugungen, für die Selbstverwaltung und namentlich für die Selbstverwaltung Berlins seine ganze Kraft aufbietend, voll edler Humanität und stets schaffenden Wohlthätigkeitsfinnes, immer besonnen und eingedenk des Spruches, den er einst in den ersten Jahren feiner Stadtverordneten-Thätigkeit in einem grundlegendem Votum citirte: „Leicht bei einander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Dinge," gerecht und unparteiisch — so war der Mann, so war der Stadtverordneten- Vorsteher vr. Straßmann, den mit immer gleichem Vertrauen 11 Jahre lang, 11 Mal die Vertreter der Bürgerschaft Berder in vollem Lichte der Kandelaber erstrahlte. Die Galerie j lins zu ihrem Vorsteher erwählt und erkoren haben. Und war dicht besetzt und als sich um 12 Uhr die Pforten des! wie die Bürgerschaft Berlins ihm vertraute, so hat auch er Stadwerordneten-Saales öffneten, betrat eine glänzende! Trauergemeinde den Saal: an ihrer Spitze die Mitglieder des Magistrats und die Mitglieder der Stadtverordneten-Bersammlung aller Parteien. Sämmtliche Vertreter der städtischen Behörden hatten die Amtskette umgelegt, eben so die Bezirksvorsteher. In der Trauerversammlung bemerkte man u. A. als Vertreter des Kronprinzen den Adjutanten Graf Schlieffen, den Polizeipräsidenten von Richthofen, zahlreiche Mitglieder des Reichstages und des Abgeordnetenhauses, die Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung von Breslau, den Vorstand der Aeltesten der Kaufmannschaft, zahllose Städtische Beamte und Inhaber Städtischer Ehrenämter u. v. A. Nachdem die zahlreichen Mitglieder der trauernden Familie durch den Oberbürgermeister vr. v. Forckenbeck und den interimistischen Stadtverstets der Bürgerschaft Berlins sein festes Vertrauen bewahrt. Harte, ungerechte, kaum begreifliche Angriffe, die ja auch ihm nicht erspart worden find, haben ihn bei fernen festen Grundsätzen und gutem Gewiffen kaum berührt, ihn in seinem Wirken nie beirrt. Mit solchen Kräften, mit dieser Sinnesweife ausgestattet, erkannte der verstorbene Freund, daß die erste unerläßliche Bedingung für ein wohlthätiges und durchgreifendes Wirken unserer städtischen Berfaffung sei: stets einträchtiges Zusammengehen der beiden städtischen Behörden, des Magistrats und der Abgeordneten Versammlung, versöhnendes und vermittelndes Zusammenfaffen aller lebendigen Kräfte der Gemeinde zur ruhigen, einträchtigen, oft auch langsam fortschreitenden Arbeit für das Wohl der Gemeinde! Daß der Freund von dieser einmal erfaßten Richtschnur nimmer abließ, daß er mit feiner ganzen Kraft versöhnend.