Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 841 (sequence 17)
- Language
- German
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841 fitzung fällt aus. Der Wahlverein der deutschen Fortschritts- > daß er die besten Kräfte seines Lebens nicht an Borüberpartei im IV. Berliner Reichstagswahlkreise (deutsch-freisinnige j gehendes, sondern an dauernde Schöpfungen gewendet hat, Partei) wird sich an dem Leichenbegängniß in corpore bein denen er sortleben wird. theiligen. Die Aufstellung findet am Bahnhof Alexanderplatz Wie er außerhalb der städtischen Verwaltung aus den nördlicher Seite, Nachmittags 12 Uhr statt. Die übrigen i Impulsen seines warmen Herzens heraus sich mit freudigem Vereine aus dem IV. Wahlkreise schließen sich diesem an. > Eifer der Fürsorge für die Armen unterzogen, so hat er — Am 8. Dezember hielt die Stadtverordneten - Ver-! innerhalb seines Amtes seine liebste Ausgabe da gesucht, wo sammlung Berlins eine außerordentliche öffentliche Sitzung, die vom Alterspräsidenten Dr. Schulz geleitet wurde. Er! sprach Worte ehrenden Andenkens für den verstorbenen Vorsitzenden der Versammlung über seine Verdienste um die Bürgerschaft und aus humanitärem Gebiete, so wie über die Objectivität seiner Leitung, worin ihm noch Niemand gleich! gekommen. Nach ihm sprach der Stadtverordnete Dr. Horwitz über „den Fanatismus der Pflichttreue", die den Verstorbenen beseelte, die „Kräfte seines Lebens im Dienste für das Ge-! meinwohl dieser Stadt verzehrt hat und in seinem Berufe gestorben ist." Er schlägt vor, ein Schreiben an die Wittwe zu richten, und dies wird einstimmig durch Erheben von den Sitzen genehmigt. Es lautet: „Berlin, den 8. Dezember 188b. Verehrteste Frau! Ties erschüttert von dem so unerwartet plötzlichen Heimgange ihres verewigten Gatten, folgen wir der innersten Regung unseres Herzens, Ihnen unser schmerzliches Beileid über den herben Verlust auszudrücken, der Sie betroffen hat. Aber mit Ihnen, verehrte Frau, trauert die gesammte Bürgerschaft unserer Stadt über das zu frühe Hinscheiden j des Mannes, der eine lange Reihe von Jahren hindurch in; unermüdlicher Arbeit für die Wohlfahrt unserer Stadt aus-! gegangen ist. Und wenn es für diejenigen, die dem Abgerufenen am nächsten im Leben standen, einen Trost bei so! schwerer Heimsuchung giebt, so ist es der, daß viele Tau-1 sende mit Ihnen empfinden, was Sie, was wir alle verloren haben. In langjähriger Gemeinschaft haben wir die hervorragenden Eigenschaften, die Tugenden unseres verehrten Vorstehers kennen und würdigen gelernt. Wie er bei seinem immer auf das Ganze und Allgemeine gerichteten Sinne jederzeit ein lebendiges Berständniß und eine glücklich gestaltende Hand für das unmittelbare Bedürfniß der nächsten Gegenwart besaß; wie er die Festigkeit der Ueberzeugung mit jener Milde zu vereinen wußte, die auch dem gegnerischen Standpunkte gerecht wird; wie fein innerer Wahrheitsdrang selbst in erregten Momenten seiner Unparteilichkeit keinen Eintrag that; — das Alles wird uns doppelt lebendig in dem Augenblicke da wir uns bewußt werden, wie schmerzlich die Lücke ist, die sein Tod gelaffen. Was uns in unserer Trauer aufrichtet, ist der Gedanke, es der Wohlfahrt Aller, zumal der bedrängten Klassen der Bürgerschaft galt. Er hat des Guten viel im Leben gethan, und was er gewirkt und geschaffen, ist uns Bürgschaft dafür, daß er in dem treuen und ehrenvollen Gedächtniß aller Derer lebendig bleiben wird, für die er geschaffen und gewirkt. Möge die innige Theilnahme, die wir als die Bertreter der Bürgerschaft Berlins Ihnen entgegen bringen, eine Linderung Ihres gerechten Schmerzes sein! Der Allmächtige verleihe Ihnen Kraft und Ergebung in seinem Rathschluß! Mit dem Gefühl aufrichtiger Verehrung Stadtverordnete zu Berlin. N a ch r u s. Am 6. dieses Monats ist der Stadtverordneten-Vorsteher Herr Dr. Wolsgang Straßmann nach kurzem Krankenlager aus dem Leben geschieden. Seit dreiundzwanzig Jahren Mitglied und seit elf Jahren Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung, hat er während dieses ganzen Zeitraums die reichen Kräfte seines Wissens und Könnens der stetigen Entwickelung unseres städtischen Gemeinwesens mit' rastlosem Eifer, in selbstloser, aufopfernder Hingebung zugewendet. Mannhaft und treu, fest und besonnen, hat er unter schwierigen Verhältnissen durch seinen humanen und versöhnlichen Sinn das einträchtige Zusammenwirken aller Organe der städtischen Verwaltung zu beleben und zu erhalten gewußt. Seine umsaffende Einsicht, seine Gerechtigkeit und Unparteilichkeit sicherten die Erfolge seiner Geschäftsleitung, welcher von allen Seiten uneingeschränkte Anerkennung zu Theil wurde. So hat der Verewigte sich in den Herzen der Bürger-! schast Berlins ein Denkmal gestiftet, welches fortleben wird! in den Schöpfungen, an deren Gelingen ihm ein so hervorj ragender Antheil gebührt. Wir aber werden ihm für alle; Zeiten ein treues, dankbares und ehrendes Angedenken bewahren.! Berlin, den 8. Dezember 1885.! Magistrat und Stadtverordnete hiesiger Königlichen Hauptj und Residenzstadt, j von Forckenbeck. Dr. Schultz, j — Die Trauerfeier fand im Festsaal des Berliner; Rathhauses statt, der wie das Treppenhaus in prachtvoller! Weise durch Pflanzen und Blumen geschmückt war. 52