Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 840 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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840 Lehre als nicht im Wiederspruche mit den Resultaten der wissenschaftlichen Forschung erklären, so ist dies eine schwächliche Behauptung, die freilich auch schon früher von jüdischen Versammlungen aufgestellt worden. Man kann dies durchaus nicht schlechtweg sagen, denn zwischen den Ergebnissen wissenschaftlicher Forscher findet eine große Verschiedenheit statt und nicht wenige derselben tragen materialistische, atheistische und pantheistische Anfichten vor, mit welchen unsre Religionslehre im vollen Wiederspruche steht und gegen die fie sich entschieden erklären muß. Es kommt also sehr auf die Beschaffenheit dieser „Resultate" an, und wir können uns nur mit denen in Uebereinstimmung erklären, welche in der Gottesidee wurzeln. Wir haben ebenso kräftig gegen den Unglauben wie gegen den Aberglauben Front zu machen und müffen deshalb zweideutige Phrasen, wenn sie auch noch so angenehm in das Ohr von Zeitgenossen eingehen, vermeiden. Was nun den Gottesdienst am Sonntag betrifft, so ist es richtig, daß dem keine gesetzliche Bestimmung entgegensteht, denn nach den rituellen Vorschriften sollen wir jeden Tag Gottesdienst halten, und das Predigen am Sonntag ist ebenfalls statthast. Da, namentlich in den größeren Städten, der Sabbathgottesdienst noch sehr wenig besucht zu werden pflegt, so glaubt man durch den Gottesdienst am Sonntag ein kultuelles Bedürfniß wieder wach zu rufen und zu befriedigen. Aus diesem Grunde wurde schon 1845 in deutschen Gemeinden derselbe Vorschlag gemacht, fand jedoch keinen Anklang. Andererseits machte man an der Berliner Reformgemeinde die Erfahrung, daß der Sonntagsgottesdienst den am Sabbath bald gänzlich verdrängt und dennoch nur geringen Erfolg erzielt. Jeuilleton. Zur Charakteristik -Ztraßmanus. Zu dem Lebensgange Straßmann's haben wir noch nachzutragen, wie der junge Mediciner in das Lager der Schleswig-Holsteiner verschlagen wurde. Denn ganz freiwillig ging er nicht dahin; mittelbar hat Hinckeldey den Holsteinern diesen Helfer zugewendet. Das Jahr 1848 fand ihn, wenn er auch keine hervortretende Rolle spielte, mit in der Bewegung, und das scheint die Beranlaffung gewesen zu sein, daß Hinckeldey ihn 1849 aus Berlin auswies. Straßmanns Entschluß war, wie die „Nat.-Ztg." erzählt, schnell gefaßt. Er hatte als Assistent von Dieffenbach dessen Vertrauen und Wohlwollen erworben; durch ihn bei Stromayer, dem Generalarzt der Hannöverschen und Schleswig-Holsteinschen Armee eingeführt, trat er zuerst als Arzt, später als Offizier in den Dienst des dortigen Heeres und erwarb sich in dieser letzteren Eigenschaft für persönliche Tapferkeit das Jdstedter Kreuz. Seiner im Jahre 1851 bewirkten Rückkehr nach Berlin, sowie der Niederlassung hier, setzte die Polizei unter Hinckeldey mannichfache, schwer zu beseitigende Schwierigkeiten entgegen. Erst im Jahre 1854 konnte er promoviren und unmittelbar darauf sein Staatsexamen machen. Er trat sofort und zwar als Cholera- und Armenarzt in der Breslauer Straße in Funktion. Die Herren vr. Hermes, Pincussohn, Cunow, Max Schulz, Hugo Hermes und F. Müller veröffentlichten in den Berliner Blättern vor der Beerdigung Straßmanns Folgendes: „Die Beerdigung des früheren Abgeordneten Herrn Stadtverordneten. Vorsteher vr. Straßmann findet am Mittwoch um 1 Uhr vom Berliner Rathhause aus statt. Es ist Pflicht der Mitglieder der Deutsch-fteisinnigen Partei, dem Dahingeschiedenen, einem Borkämper für die politische und kommunale Freiheit, einem Manne, der seit einem Menschenalter an der Spitze aller wahrhaft humanen Bestrebungen gestanden hat, die letzte Ehre zu erweisen. Wir ersuchen daher die Parteigenossen, sich um 12*/* Uhr in dem Hofe des Berliner Rathhauses einzufinden, wo der Zug geordnet wird." Die Betheiligung von Vereinen an dem heutigen Begräbnisse des Stadtverordneten-Vorsteher vr. Straßmann wird sehr lebhaft sein. In der Versammlung des „Deutschfreisinnigen Bezirksvereins der nordwestlichen Luisenstadt" am Montag widmete der Vorsitzende, Stadtv. Grabe, dem Verstorbenen warme Worte ehrenden Andenkens. Der Verein beschloß, bei den Begräbnißfeierlichkeiten sich durch eine Deputation vertreten und einen Kranz am Sarge des Verblichenen niederlegen zu lassen. Der fortschrittliche Verein vor dem Halle'schen Thore wird ebenfalls eine Deputation entsenden, die beauftragt ist, einen prächtigen Kranz mit der Widmung des Vereins auf das Grab niederzulegen. Der „Freisinnige Bezirksverein Königsviertel" entsendet eine Deputation, welche sich heute Vormittag 10^/z Uhr im Lichthofe des „Grand Hotel Alexanderplatz" versammelt. Die Vereinsmitglieder werden ersucht, sich dieser Deputation zahlreich anzuschließen. Der fortschrittliche Verein „Waldeck" ersucht seine Mitglieder, sich in möglichst großer Anzahl zu betheiligen und sich zu diesem Zwecke bis 12 Uhr Mittags im Bereinsbureau, Scharrnstr. 12., einzufinden. Die Vereins-