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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-22 · Heft 52 (22.12.1885) · p. Seite 838

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 52 (22.12.1885)
Date
1885-12-22
Page
Seite 838 (sequence 14)
Language
German
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838 mündige Kinder blieben in den dürftigsten Berhältniffen zurück. Der Bau der großen Synagoge in Petersburg wirdl unter der Leitung der Architekten Molow, Hirschowitsch und Klein emfig betrieben, so daß die Beendigung desselben bereits nach 2 Jahren zu erwarten steht. Das ganze Gebäude umfaßt einen Flächenraum von 700 Quadrat-Faden, ist in der Fayade 25 Faden lang und soll einen kuppelartigen, 22 Faden hohen Thurm erhalten. Der Rohbau allein wird etwa 500000 Rubel kosten, um aber die Synagogen innerlich und äußerlich würdig zu vollenden, werden außerdem noch gegen V]2 Millionen Rubel erforderlich sein. — Die am 3. November stattgehabte Einweihungsfeier des jüdischen Krankenhauses in Kijew gestaltete sich zu einem Feste, wie es selten in Rußland vorkommt. Dem „Hamelitz" entnehmen wir darüber Folgendes. Nach „dreiundzwanzigjährigem" Mühen wurde dieses Institut durch die Leitung eines Comite's, dessen rüstiger Vorsitzender, Herr Lazar Brodsky ist, vollendet, das nicht nur der jüdischen Gemeinde Kijew's, sondern auch dem Gesammtjudenthume in Rußland zur Ehre gereicht. Dieses Hospital, worin Kranke ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Aufnahme finden werden, ist ein Prachtbau, der mit allen Einrichtungen der modernen Hygiene versehen ist und enthalt 100 Betten. Die Gesammtkosten desselben betragen nahezu 200 060 Rubel, wovon der hochherzige jüdische Wohlthäter, Herr Israel Brodsky 133000 Rubel beigetragen hat, dessen Namen dies Krankenhaus führt, und es wurde zum dauernden Andenken sein Bildniß hier angebracht. Zur Feier waren erschienen: Der General-Gouverneur von Drentelen und der Gouvernementschef mit deren Gemahlinnen, die Bezirks-, Militair- und Städtischen Behörden, sämmtliche Gerichtsbeamte, Professoren und noch andere christliche Notabeln. Der Rabbiner Herr Zuckermann hielt in russischer Sprache die Festrede. Die auf Vorstellung des Warschauer General Gouvernementschefs Gurko, des Ministers der Bolksaufklärung und des Innern, von dem Minister-Comitö beschlossene Verordnung, daß die künftig anzustellenden Rabbiner im Königreich Polen eine Prüfung in der russischen Sprache rc. für 2 Kurse dcr Volksschulen oblegen müssen, hat Se. Majestät der Kaiser, zufolge dem „Woschod" u. a., eigenhändig bestätigt. Die Prüfungen werden von einer besonderen „Gouvernements- Prüfungs-Commission" vorgenommen werden, welche, unter dem Vorsitz des Vice-Gouverneurs, aus den Rächen der Gouvernements-Verwaltung und zwei Lehrern der russischen Sprache besteht. Die Lehrer werden vom Popetschitel (Curator) des Warschauer Lehrbezirks dazu berufen werden. Moses Feinkind. Bulgarien. Sofia, im Dezember. Bon dem jetzt so vielgenannten Fürsten Alexander von Bulgarien wird gerühmt, daß er den bulgarischen Juden volle bürgerliche, politische und religiöse Freiheit gewährt; er hat ihnen Beiträge zum jüdischen Kultus für jüdische Schulen aus eigener Initiative bewilligt und behandelt ihren Oberrabbiner genau so wie die Oberhäupter der übrigen Religionsgemeinschaften. Die anderen Balkanstaaten haben erst nach längerer äußerer Beeinflussung die Juden zum Theil emancipirt, und Rumänien hat sich sogar bis heute der Ausführung der auf dem Berliner Kongreß übernommenen Verpflichtung zu entziehen gewußt. Amerika. Bon«, 8 Dez. (Privatmitth.) Ueber die Rabbiner- Versammlung zuPittsburg enthält der „Occident" vom 20.Nov. folgenden Bericht, den wir in wörtlicher Uebersetzung wievergeben. „Am Montag den 16. November fand diese Versammlung in Alleghany-City, in Concordia Hall statt. Es waren nur 35 Rabbiner anwesend. Nachdem die Conferenz organifirt worden, wurde folgende Resolution angenommen: In Betracht der großen Meinungsverschiedenheit, der auseinandergehenden Ansichten im Judenthum, vereinigen wir, als Repräsentanten der jüdischen Reform in Amerika uns in folgenden Grundsätzen zur Fortsetzung des Werkes, das 1869 in Philadelphia begonnen wurde. Erstens. Wir erkennen in jeder Religion einen Versuch, das Unendliche zu erfassen, und in jedem Modus, jeder Quelle oder jedem Buch der Offenbarung, die in irgend einem religiösen System heilig gehalten werden, die Erkenntniß von dem Weilen Gottes im Menschen. Wir behaupten, daß das Judenthum die höchste Erkenntniß der Gottesidee darstellt, wie sie in unseren heiligen Schriften gelehrt und von den jüdischen Lehrern entwickelt und durchgeistigt wird, im Einklang mit dem moralischen und philosophischen Fortschritt ihres bezüglichen Zeitalters. Wir erklären, daß das Judenthum unter fortgesetzten Kämpfen und Versuchungen und unter erzwungener Jsolirung diese Gottesidee als religiöse Grundwahrheit für die Menschheit bewahrte und vertheidigte. Zweitens. Wir glauben an den Bericht in der Bibel von der Weihe des jüdischen Volkes zu seiner Mission als Priester des einen Gottes und erkennen es als das wichtigste Werkzeug der religiösen und moralischen Bildung an. Wir glauben, daß die modernen Entdeckungen der wiffenschaftlichen

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