Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 52 (22.12.1885)
- Date
- 1885-12-22
- Page
- Seite 837 (sequence 13)
- Language
- German
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837 meneß.Podolsk hat dem „Jüd. Bolksblatt" zufolge nach einer gewiffen längst vergessenen Bestimmung verfügt, daß die Juden, die nicht hier gebürtig seien, von nun an kein Wohnungsrecht mehr in dieser Stadt genießen. — In Bjelogorodok fand wieder gegen die Juden ein Tumult statt. — Die „Nowoje Wremja" theilt mit, daß die von der „heiligen Synode" unlängst dem Senat gemachte Vorstellung, auch für die Juden die Sonntags- und Feiertagsruhe einzuführen, was durch ein strenges Verbot, an diesen Tagen Handel und Gewerbe zu betreiben, geschehen soll, nächstens bei der ersten Plenarversammlung des Senats zur Verhandlung kommen wird. Der Stadt - Gouverneur in Petersburg hat, wie wir dem „Jüd. Bolksblatte" entnehmen, folgende Verordnung in einem der Regierungsblätter veröffentlicht: Auf die an mich gerichtete Anfrage, die ich dem dirigirenden Senat zur Entscheidung vorgelegt habe: „ob die Juden, die in den Gouvernements außerhalb des Anfiedlungsrayons, wo Juden wohnen dürfen, in die Stadt-Matrikel eingeschrieben seien, das Recht haben, in der Residenz zu wohnen", hat der Senat durch die Entscheidung vom 24. October c. Nr. 12264 bestimmt, daß in dieser Beziehung den Juden das Wohnen in der Residenz nicht gestattet wird. Nach dem „Odesski Listok" traf das Finanzministerium jüngst die Maßregel, den jüdischen auswärtigen Kaufleuten in Odeffa für das Jahr 1886 die ersten Gildescheine nicht zu verleihen, sobald sie nicht die Erlaubniß vom betreffenden Ministerium haben, hier zu wohnen und Handel zu treiben. So macht der „Woschod" die erfreuliche Mittheilung, daß das Finanzministerium diese schädigende Anordnung zurückgenommen hat. Bon 15 jüdischen Studirenden in der „Kaiserlichen Akademie der Künste" zu Petersburg wurden 6 bei dem am 16. November stattgefundenen Rechenschaftsbericht, wie der „Hamelitz" (Nr. 84) mittheilt, in Anerkennung ihrer klassischkünstlerischen Leistungen rühmlichst ausgezeichnet. So hat der Bildhauer M. Günzberg und der Maler M. Maimun, die bereits dieses Jahr je eine große silberne Medaille erhielten (s. „A. Z. d. I." p. 112 l. I.), elfterer abermals die kleine goldene, und letzterer die große und kleine silberne (2) Medaille erhalten. Ferner erhielten: F. Geller die große silberne, I. Pen die kleine silberne, Fräulein M. Diljon zwei kleine silberne Medaillen und M. Jafa den Künstler-Titel. Sicherlich find diese Thatsachen in unserer Zeit in Rußland doppelt erfteulich. Was aber ferner zu bedauern, ist der Umstand, daß auch in dieser Akademie, trotz aller Zeugniffe des außerordentlich fleißigen Studiums der jüdischen Schüler, in diesem Jahre leider die Ausnahme neuer jüdischer Studenten beschränkt wurde. Es wurde unter zahlreichen Petenten nur einem Juden die Aufnahme hier gewährt. — Vor Kurzem ist der berühmte liberale Schriftsteller, Herr Eugenie Petrowitsch Karnowitsch (Christ) in Petersburg gestorben. Er hat viele Jahre hindurch, und zwar bis zum letzten Augenblicke seine Kräfte dem Dienste der humanen jüdischen Jntereffen und Literatur gewidmet. Er war Mitarbeiter eines russisch-jüdischen Blattes. Von der weitreichenden Anerkennung, die sich der plötzlich seinem so humanitären Wirken Entrissene bei der Judenheit und in der Wissenschaft erworben, gaben seine Schriften über die „Judenfrage" in Rußland, worin er die Gleichstellung der Juden befürwortete und manches Gute bewirkte, beredtes Zeugniß. Die gelehrte judenfreundliche Zeitung „Sarja" (Morgenröthe) in Kijew, wird unter der Redaction eines Juden, Herrn Kalischer, welcher bereits an dieser Zeitung erster Mitarbeiter war, herausgegeben werden. Moses Feinkind. Turek, den 7. December. (Privatmitth.) Soeben wird uns die Trauerkunde von dem am 9. November in Minsk in der Blüthe des Lebens erfolgten Ableben des wackern Jacob Rosenfeld, ehemaligen Redakteurs der ersten jüdischrussischen Zeitschrift „Raßwett" gemeldet. Der Verewigte über den uns biographische Notizen gänzlich fehlen, war Advokat und seine selbstlose Bescheidenheit, Rechtlichkeit, sowie sein biederer Sinn haben ihm während seines Aufenthaltes in Minsk das Vertrauen und die Herzen Aller, bei Hoch und Niedrig, bei Arm und Reich gewonnen. Rosenfeld war ein Mann von reichem Wissen. Als russischer Schriftsteller hat er sich seit vielen Jahren einen Namen in der gelehrten Welt erworben. Auch hegte und pflegte R. mit fteudiger Begeisterung und warmer Liebe die jüdische Wissenschaft mit treuer Anhänglichkeit an das Judenthum. Die Redaktion des „Raßwett" (Morgendämmerung) hat er mit überaus großen Anstrengungen des Geistes und mit vieler Umsicht geleitet, und seine musterhaften, beherzigenswerthen Aufsätze in dieser Zeitung, wie in vielen anderen russischen belletristischen und literarischen Zeitschriften, zeigen deutlich, wie sehr ihm das Interesse des Judenthums am Herzen lag, und wie er keine Gelegenheit versäumte, für die Verbesserung der Lage der Juden in Rußland energisch einzutreten. — Wie dem „Hamelitz" mitgetheilt wird, fand die Beerdigung unter imposanter Betheiligung der jüdischen Gemeinde, sowie von christlichen Notabeln, Stadt- und Gerichtsbehörden statt. Im TraNerhause widmete der sehr verehrte Kronrabbiner Chanelesch, ein Freund und Verehrer des Verstorbenen, demselben tief ergreifende Worte des Nachrufs, welche Zeugniß gaben, daß er den großen Werth des Dahingeschiedenen kannte und fühlte. Nachdem noch der Stadthauptmann die hohen Verdienste des Verblichenen gefeiert, setzte sich der Trauerzug nach dem Begräbnißplatze in Bewegung, wo ein Gerichtsassessor seinem Schmerze tiefempfundenen Ausdruck gab. — Die verwittwete Frau und 5 un-