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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-22 · Heft 52 (22.12.1885) · p. Seite 836

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 52 (22.12.1885)
Date
1885-12-22
Page
Seite 836 (sequence 12)
Language
German
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856 Oesterreich-Ungarn. will die Deutschen zu Schmerzenskindern machen, während der „Deutsche Club" vorerst nur die nationale Nothwehr gegen das Slaventhum mit den eigenen Kräften versucht. Wien, 7. Dezember. Vor einiger Zeit erschien die ' Sollten die Dinge im „Deutschen Club" so weiter gedeihen, Dienstmagd Marie Lischka bei dem Kommissariat Landstraße ^o ist eine Spaltung deflelben zum Schaden der ganzen und erstattete die Anzeige, daß sie von der Tochter ihresj Oppojttion unzweifelhaft zu besorgen. Ob sich der abgelöste Dienstgebers, des Fabrikanten M. Ehrlich, während sie im kleinere Bruchtheil dem „Deutsch-österreichischen Club" an- Bette lag, mit einem scharfen Meffer überfallen und am schließen würde, ist ftaglich, weil gerade jene Abgeordneten, Halse leicht verletzt worden sei; durch einen Sprung aus dem Fenster habe sie sich vor dem sicheren Tode gerettet. Der Kommisiär inquirirte die Lischka sehr genau; dieselbe verwickelte sich in viele Wiedersprüche, so daß gegen sie die Amtshandlung wegen Irreführung der Behörden eingeleitet werden mußte. Der Inhaber eines Dienstvermittlungs-Bureaus Namens Johann Sauermann war Rathgeber der Lischka gewesen und er benützte die ihm von derselben erzählte Geschichte zu antisemitischen Zwecken, indem er einen Artikel mit der Uebcrschrift: „Brauchen die Juden Christenblut?" schrieb, welchen er mehreren antisemitischen Journalen zum Abdruck anbot. Der Artikel wurde zwar nicht veröffentlicht, allein das „Vaterland" brachte einen Auszug aus demselben in Form einer Lokalnotiz, welche sich auf das gegen Lischka geplante blutige Attentat bezog. Gegen Johann Sauermann wurde ursprünglich die Untersuchung wegen Aufreizung gegen eine gesetzlich anerkannte Religions-Genoffenschafteingeleitet, die jedoch wieder eingestellt wurde. Heute hatten sich Lischka und Johann Sauermann auf Klage des Fabrikanten Ehrlich wegen Ehrenbeleidiguug zu verantworten. Die Gerichtsärzte gaben wie z. B. die schlesischen, die nicht antisemitisch sind, von ihren Wählern gezwungen wurden, dem „Deutschen Club" beizutreten. An diesem Aufleuchten des Antisemitismus hat der Deutsche Schulverein einen wesentlichen Theil der Schuld, weil sein Centralausschuß und seine unzähligen Ortsgruppen die Bewegung duldeten. Die Judenfeinde wurden in den Ausschuß gewählt, die Juden wurden verdrängt und trotz ihrer finanziellen Opferwilligkeit übel behandelt. (Und die Juden verbleiben in diesem Vereine?! Red.) Zwischen dem Schulverein und der deutschnationalen Bewegung herrscht aber ein inniger Zusammenhang, und Beider Entstehen fällt in dieselbe Epoche. In Ungarn ist der Antisemitismus bereits ziemlich überwunden und die Führer der Bewegung!, die sogar blutige Blüthen aufwies, wagen sich nicht mehr an die Oberfläche. Bei uns geht das Alles schwerfälliger; wir sind nicht so leicht entzündlich, dafür sind wir aber auch schwerer zur Raison zu bringen. Pest, 9. Dez. (Privatmitth.) Die Unfähigkeit der Antisemiten, irgend eine politische Rolle zu spielen, zeigt sich jedes Mal. wenn sie in unserem Reichstage den Mund öffnen. ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß die Lischka sich die Wunde In diesem wird jetzt die Regierungsvorlage über die Mandatsselbst zugefügt habe. Dieselbe wurde zu dreiwöchentlichem, Verlängerung der Abgeordneten verhandelt. Unter Anderen Sauermann zu vierzehntägigem Arrest verurtheilt. j trat auch der Antisemit Andrianszky gegen den Gesetzentwurf Wien, 8. Dez. Ueber den Antisemitismus in Oesterreich vor und zwar mit dem Motive, „daß er bestimmt sei, den giebt folgende Corr. der„ Boff. Ztg." einigen Aufschluß. Muß! Juden Geld zu ersparen." — Natürlich durch seltenere Beman doch Feind wie Freund kennen! Die Erscheinungen! stechungen bei den Wahlen! treten immer unzweideutiger zu Tage, daß im „Deutschen Club" unseres Abgeordnetenhauses die antisemitischen Rußland. Elemente Oberwaffer haben. Neuestens hat auch der deutschliberale Tiroler Angerer in seinem Blatte die Bekämpfung Turek, 1. December. (Privatmitth.) Die Maffenausdes Judenthums als eine Hauptaufgabe der Deutschnationalen Weisungen unserer Glaubensgenoffen in Rußland werden hingestellt und so gewinnt der Programmpunkt des Deutschen systematisch ohne jegliche Unterbrechung fortwährend betrieben. Clubs: „Bekämpfung der Corruption auf allen Gebieten" So haben bereits in Libau über 500 jüdische Familien die eine ganz andere Bedeutung, als man ihm ursprünglich beiharte Ordre erhalten, die Stadt binnen Kurzem zu verlaffen. legen wollte. Der Deutsche Club meinte das Judenthum Auch nach einer Polzeiverordnung in Riga, wie der „Rußki und nannte die Corruption. Man erzählt, daß die Majori- Kurier" schreibt, wurden dieser Tage ca. 200 Juden von tat — und noch dazu eine sehr bedeutende — zum Antisedort ausgewiesen, und es werden täglich noch weitere Ausmitismus hinneigt, was sich in den Clubfitzungen evident Weisungen verfügt. — Nach der „Sarja" hat die Kijewer herausstellte. Nun, dann trennt den „Deutschen Club" nur Polizei abermals einige Juden, darunter den Wunderrabbi eine sehr dünne Scheidewand von Herrn Schönerer. Die und einen 87jährigen Greis ausgetrieben. Aehnliches ge- Programme würden sich vollkommen decken, nur bezüglich der schah auch in dem Dorfe Harbinki (Gouv. Kijew) am voroppositionellen Taktik bestände noch ein Unterschied. Schönerer; letzten Sabbath Nachmittags. — Der Gouverneur in Ka-

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