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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-12-22 · Heft 52 (22.12.1885) · p. Seite 831

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 52 (22.12.1885)
Date
1885-12-22
Page
Seite 831 (sequence 7)
Language
German
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831 Kohnt, dem Nachfolger Huebfch's, gehaltenen Leichen- und Gedächtnißreden bilden den Schluß dieses schön ausgestatteten, mit Bildniß und Facstmile des Verewigten versehenen Buches, das sicherlich dazu beitragen wird, das Andenken dessen, dem es in Liebe geweiht'ist, zu einem allezeit gesegneten zu machen. — Ein interessantes Schristchen, das dem Andenken an einen hervorragenden Rabbiner Ungarns gewidmet, zugleich ein werthvoller Beitrag zur Culturgeschichte ist, erhalten wir von einem der ältesten Mitarbeiter dieser Zeitung: der greise Dr. Moritz Feitel, früher Arzt in Papa, veröffentlichte „Reminiscenzen aus meinem Umgänge mit Leopold Löw vom Jahre 1829 bis zu seinem Lebensende (1875) (Papa 1885)". Tie beiden von gleichem Streben beseelten jungen Männer trafen im Jahre 1829 in Kollin zusammen und waren seit damals durch die innigste Freundschaft miteinander verbunden. Feitel's Einfluß und Energie hatte es Löw zum Theil zu verdanken, daß er als Rabbiner nach GrvßKanisza und später nach Papa, wo F. seit 1841 als Arzt practizirte, berufen wurde. Alle die Plackereien, welche Löw in Papa zu erdulden, die Denunciationen seiner frommen Gegner, welche seine Verhaftung zur Folge hatten, sein politifches Martyrium und dann des Freundes rastlose Thätigkeit zu seiner Befteiung — Alles das wird uns in lebhaften Schilderungen vorgeführt. Diejenigen, welche Löw, sein Wirken und seine Bedeutung nicht gekannt, werden ihn aus diesem Schristchen, das allerdings leider durch Druckfehler geradezu entstellt ist, kennen und sammt seinem edeln Freunde schätzen und verehren lernen. —Bon dem Rabbiner Salomon W. Freund in Wien erschienen „Vergleichende Datum-Tabellen auf 216! Jahre des jüdischen und allgemeinen bürgerlichen Kalenders Id. i. vom Jahre 1784 bis zum Jahre 2000 (2"^7! —r/'apn)! (Wien 1885)." Das vorliegende 370 Folioseiten umfassende j Werk des auf dem Gebiete der Kalender-Literatur bekannten Vers. , hilft einem längst gefühlten Bedürfnisse ab, dasselbe wird Ge- | meindesecretären, Rabbinern und Lehrern wesentliche Dienste leisten und kann wegen der Genauigkeit, mit der es gearbeitet, aufs wärmste empfohlen werden. Dr. Kupferling. ti/t/j/vg yyi<xc fyvic Deutschland. Berlin, 6. Tez. (Privatmitth.) Tie Stadt Berlin hat heute durch den Tod des Dr. med. Straßmann, der an einem mit Lungenentzündung verbundenen gastrischen Fieber verstarb, einen sehr empsindlichcn Verlust erliiren. Wolfgang Slraßmann war 1821 zu Liffa als Sohn armer Eltern geboren, stand also in seinem 65. Lebensjahre. Er studierte in Breslau Medizin, war eine Zeit lang Militairarzt in der Schleswig. Holstein'schen Armee von 1849 und ließ sich 1855 als praktischer Arzt in Berlin nieder. Zu den socialen Bestrebungen von Schulze-Teliyfch kühlte er sich hingezogen und begründete nach deffen Grundsätzen 1862 eine Darlehnskaffe und »Genossenschafrs-Bank des Stralauer Stadtviertels," deren Leiter er blieb. Schon seit 1363 war er Mitglied der Stadwerordneten-Veriammlung und seit 1875 Vorsitzender derselben. Wie umfangreich und zuweilen schwierig die Arbeiten eines solchen Vorsitzenden in einer so großen Commune sind, braucht man nur anzudeuten. Seit dem Jahre 1876 war Straßmann auch Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses für Berlin und lehnte nur aus Gesundheitsrücksichten bei den diesjährigen Wahlen ein Mandat ab. Außer dieser feiner Thätigkeit zeichnete er sich besonders durch sein unermüdliches Streben und Wirken für humanitäre Zwecke aus. 1869 erwirkte er die Gründung des „Vereins gegen Verarmung und Bettelei;" deffen Vorsitzender er bis i zu seinem Tode war. Desgleichen war er Präsident des „Tentschen Vereins für Armenpflege und Woblthätigkeit", der 1881 neu gegründet ward. Wie er als Mitglied der Stadtverordneten-Bersammlung einen seltenen Fleiß, aufrichtiges Wohlwollen und viel Initiative bethätigte, zeichnet er sich als Lorsitzender derselben in der Leitung der Debatten durch ' Ruhe, Mäßigung und strenge Unparteilichkeit aus. Es war natürlich, daß eine solche Persönlichkeit, noch dazu als Jude den antisemirischen Hetzern zum besondern Zielpunkte diente, und als diese gegen die Stadtverwaltung Sturm liefen, war es Straßmann, gegen welchen sie vorzugsweise agitirten. Gerade dies aber trug viel dazu bei, daß sie um so zahlreichere Gegner und einen energischen Widerstand fanden, i Tenn in der Persönlichkeit Straßmanns, die sich so viele! Liebe und Anhänglichkeit erworben hatte, war der faktische! Beweis von der Lügenhaftigkeit und den gemeinen Leiden- I schäften der Antisemiten gegeben. Tie Trauer über den j Tod dieses Mannes ist daher eine allgemeine. Mchts ist I für uns Juden wichtiger, als daß solche Charaktere aus unserer Mitre ersprießen und so Zeugniß geben für die sittliche Kraft, die noch immer im jüdischen Stamme lebt und unter der Einwirkung der Cultur sich nur um so reicher entfalte:. Hierin liegt eine nachdrücklichere Widerlegung der gegen uns gehäuften Anschuldigungen, als Ströme von Tinte zu produ-; zirea vermögen. Die ihn behandelnden Aerzte waren seine! beiden Brüder und sein Neffe, Prof. Dr. Frankel. Er hinter-

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